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Mewa Gelegentlich, häufig oder permanent schweißen: Welche Kleidung passt?

| Autor / Redakteur: Heinrich Junghanns / M.A. Frauke Finus

Sich passend kleiden gilt nicht nur im Geschäftstermin, sondern auch beim Schweißen: Strahlungshitze, Funkenflug und Schweißspritzer können zu Verletzungen führen. Bauliche Schutzvorkehrungen sind die wichtigste Maßnahme, doch spezielle Kleidung kann die Sicherheit zusätzlich erhöhen.

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Wer schweißt braucht Schutz. Bauliche Schutzvorkehrungen sind die wichtigste Maßnahme, doch spezielle Kleidung kann die Sicherheit zusätzlich erhöhen.
Wer schweißt braucht Schutz. Bauliche Schutzvorkehrungen sind die wichtigste Maßnahme, doch spezielle Kleidung kann die Sicherheit zusätzlich erhöhen.
(Bild: Mewa)

Ein Kriterium für die Wahl der Ausrüstung ist die Häufigkeit des Schweißens: „Wer regelmäßig einen Großteil seines Arbeitstages mit einem Schweißgerät in der Hand verbringt, benötigt eine andere Ausstattung als jemand, der nur ab und an eine Schweißnaht schließt“, erklärt Nicole Kiefer, Leitung Produktentwicklung bei dem Textil-Serviceanbieter Mewa. Einen ersten Anhaltspunkt bietet die Zertifizierung der Kleidung nach „ISO 11611 – Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren”. Sie teilt die Kleidung in zwei Klassen ein. Wer gelegentlich schweißt – zwei bis drei Mal pro Woche – kann schon mit Schutzkleidung der Klasse 1 gut bedient sein. Wer häufig schweißt – ein bis zwei Mal am Tag – zieht besser eine Schutzkleidung der Klasse 2 an. Wer permanent schweißt sollte zusätzlich Lederschürze und Armstulpen tragen. Auch nach „ISO 11612 – Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen” zertifizierte Kleidung kann für Schweißarbeiten geeignet sein.

Die Gefährdungsbeurteilung definiert den Bedarf

„Diese Zertifizierungen sind aber nur erste Indikatoren. Wirklich beurteilen, welcher Schutz notwendig ist, kann ein Arbeitgeber nur auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung“, gibt die Produktentwicklerin zu bedenken. Erst die genaue Kenntnis von Arbeitsplatz und Tätigkeiten versetzt die Verantwortlichen in die Lage, Schutzkleidung, -brillen, -handschuhe, -stiefel und weitere notwendige Artikel für den Schutz des Mitarbeiters auszuwählen. Dazu gehören unter anderem die klimatischen Bedingungen vor Ort, die unterschiedlichen Schweißverfahren und das Arbeitsumfeld. Die Gefährdungsbeurteilung gibt auch Aufschluss darüber, ob ein zusätzlicher Teilkörperschutz ausreicht oder ein Vollkörperschutz notwendig ist.

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„Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung – sie sind die Parameter für unsere Beratung. Wenn wir die konkreten Anforderungen kennen, dann suchen wir gemeinsam mit den Verantwortlichen im Unternehmen nach der optimalen Ausstattung in unserem Programm. Wir bieten im Rahmen unseres Textil-Managements nach ISO 11611 und ISO 11612 zertifizierte Schutzkleidung in unterschiedlichen Ausführungen an“, sagt Kiefer.

Schutzkleidung am Arbeitsplatz testen

Dabei setzt man im Wiesbadener Unternehmen zusätzlich auf Praxisprüfungen und bietet Kunden Tragetests vor Ort an, denn ob ein Outfit wirklich praxistauglich ist, erweist sich erst richtig in der täglichen Routine. Selbst wenn die Kleidung theoretisch die Normen erfüllt, kann sie für den speziellen Arbeitsplatz ungeeignet sein. Ein Probeeinsatz gibt Aufschluss darüber, ob die Kleidung den Anforderungen gerecht wird und wann die Kombination aus Sicherheit und Tragekomfort ideal ist. Bevor ein Betrieb sich also für eine Schutzausrüstung entscheidet, sollten die Mitarbeiter die Kleidung Probe tragen und ausführlich testen. Während des Tests bewerten die Probeträger zahlreiche Kriterien: Wie gut lässt sich die Kleidung an- und ausziehen? Können alle Tätigkeiten ungehindert durchgeführt werden? Fühlen sie sich wohl in der Kleidung? Ist das Material angenehm? Das Outfit darf nicht hinderlich bei der Arbeit sein, alle Tätigkeiten müssen auszuführen sein. Es gilt auch zu prüfen, ob die Kleidungsstücke mit allen anderen Elementen der Persönlichen Schutzausrüstung, etwa Schutzhandschuhe oder Sicherheitsschuhe, vereinbar sind.

Ein Nebeneffekt der Tragetests: Er zeigt auch, ob die gängigen Konfektionsgrößen jedem Mitarbeiter passen. Spannt die Jacke am Bauch, sind die Ärmel zu kurz, die Hosenbeine zu lang? Das kann bei Schutzkleidung ein Sicherheitsleck sein: Das Outfit muss exakt passen, damit alle Arbeiten sicher ausgeführt werden können. Wenn Schutzkleidung nicht richtig sitzt, muss sie individuell angepasst werden. Außerdem müssen Schutzanzüge an heißen Arbeitsplätzen den Ober- und den Unterkörper, den Hals und Arme und Beine vollständig bedecken. Nur ein Hemd ohne Jacke kann nicht getragen werden. Jacken müssen so lang sein, dass eine ausreichende Überlappung gegeben ist. Diese Mindestüberlappung muss bei allen bei der Benutzung zu erwartenden Körperhaltungen oder -bewegungen gewährleistet sein. Insgesamt sollten die Testträger die Kleidung beim Probetragen positiv bewerten. Das erhöht die Akzeptanz und führt in letzter Konsequenz zum optimalen Schutz. Nur dann wird sie vorschriftsmäßig getragen und kann optimal schützen. Im Übrigen hilft das Probetragen auch beim Kostensparen: Investitionen in vorschnelle Käufe oder Verträge für eine ungeeignete Ausrüstung werden vermieden.

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