Mittelstandskartelle Gemeinsam stark: Trumpfkarte Kooperation

Autor / Redakteur: Ralf Mühlbauer / Robert Horn

Kleine und mittlere Unternehmen haben es im Wettbewerb mit Großunternehmen nicht leicht. Mit Mittelstandskartellen können sie ihre Marktposition deutlich verbessern. Lesen Sie hier, welche Potenziale sich bieten und wie Unternehmen vorgehen sollten.

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Die Vorteile, die große Mitbewerber genießen, lassen sich von kleinen und mittelständischen Betrieben mithilfe von Mittelstandskartellen wettmachen.
Die Vorteile, die große Mitbewerber genießen, lassen sich von kleinen und mittelständischen Betrieben mithilfe von Mittelstandskartellen wettmachen.
(Bild: Fotolia/Corepics VOF 2014)

Mittelständische Unternehmen tragen oft eine schwere Hypothek. Naturgemäß haben Branchenriesen aufgrund ihrer Größe erhebliche Vorteile bei Einkauf, Produktion und Vertrieb. Im Wettbewerb mit Großunternehmen fällt es Mittelständlern immer schwerer, wirtschaftlich erfolgreich zu handeln. Eine zeitgemäße Gegenstrategie sind legale Mittelstandskartelle, bei denen gleichartige oder verwandte Fachbetriebe kooperieren. Sie dienen dazu, rationeller zu arbeiten, Leistungsangebote zu ergänzen, neue Marktchancen zu ergreifen und nicht zuletzt Kosten und Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen. Oft profitieren davon auch die Endkunden, da sich das Leistungsangebot und die Servicequalität am Markt verbessern.

Mehr als nur ein lockeres Netzwerk: Echte Kooperation zahlt sich aus

Gerade Allianzen unter direkten oder indirekten Konkurrenten sind sehr aussichtsreich. Es bieten sich Kooperationsmöglichkeiten über die gesamte Wertschöpfungskette. Derzeit schöpft allerdings nur ein Bruchteil der Mittelständler diese Potenziale konsequent aus. Viele Unternehmen unterhalten bereits ein Netzwerk von Partnerfirmen, mit denen sie eher locker zusammenarbeiten. Echte Kooperationen gehen deutlich weiter. Die Partner schließen einen Kontrakt und arbeiten bei internen oder externen Abläufen eng zusammen. So bündeln sie ihre Kräfte, stimmen Teilleistungen ab und entwickeln bei Bedarf sogar einen einheitlichen Marktauftritt. Dabei bleiben die Partner rechtlich selbstständig.

Ausnahmeregelungen für KMU

Grundsätzlich verbieten das deutsche und das europäische Kartellrecht alle Aktivitäten, die den fairen Wettbewerb verhindern, einschränken oder verfälschen. Doch das nationale Kartellrecht trägt den Herausforderungen der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft Rechnung. Mittelstandskartelle sind hierzulande weitgehend vom Kartellverbot befreit, wenn sie die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen verbessern.

Die Ausnahmeregelung gilt nur für kleine und mittelgroße Unternehmen. Maßstab ist die jeweilige Branchenstruktur. Während ein Unternehmen mit 50 Mio. Euro Jahresumsatz in einer Branche mit Umsatzmilliardären noch als mittleres Unternehmen zählt, gilt es in umsatzschwachen Branchen bereits als Großunternehmen. Konsequenz: Ob eine bestimmte Kooperation kartellrechtlich zulässig ist oder nicht, hängt stets von der individuellen Wettbewerbssituation und der Marktauswirkung einer Allianz aus. Es empfiehlt sich, frühzeitig eine erste Marktbetrachtung durchzuführen und einen Juristen für Wettbewerbsrecht hinzuzuziehen.

Existieren keine unüberwindbaren juristischen Schranken, kann die Suche nach passenden Kooperationspartnern beginnen. Sie sollten allerdings nicht nur fachlich zueinander passen, denn wenn die Chemie untereinander stimmt, fällt der Aufbau einer fairen Zusammenarbeit leichter.

Steht das Gründerteam, sollten die Partner den Kooperationsrahmen einschließlich Kosten- und Aufgabenverteilung ausarbeiten. Zunächst ist für den Zweck der Kooperation eine detaillierte Marktanalyse zu erstellen. Dann sollte man mit juristischer Unterstützung eine Marktbeschreibung entwickeln, die die Vorteile der Kooperation für den Gesamtmarkt hervorhebt.

Auch wenn die Chemie stimmt: Vertrauen ist gut, Kooperationsvertrag ist besser

Die Chancen und Risiken sollten in eine Wirtschaftlichkeitsrechnung einfließen. Die angestrebten Umsatz- und Rationalisierungseffekte stehen den anfallenden Kosten und Mehrbelastungen der Kooperationsfirmen gegenüber. Auf Grundlage dieser Zahlen sollten die Partner ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Kooperation entwickeln.

Eine durch Vertrauen geprägte Zusammenarbeit kann schneller und flexibler auf Marktentwicklungen reagieren. Nichtsdestotrotz sollten die Partner einen schriftlichen Kooperationsvertrag schließen. Er sollte neben Punkten wie Kooperationszielen, Rechten und Pflichten der Partner sowie Vertragsbeginn, Dauer und Kündigung auch streitanfällige Aspekte nicht ausklammern. Wichtig sind Regelungen hinsichtlich Wettbewerbsverbot, Konfliktbewältigung und Ausschluss eines Kooperationspartners.

Zwischen Kooperationspartnern kann es leicht auch mal brodeln, nicht zuletzt wenn sie sich auf den Märkten als Wettbewerber gegenüberstehen. Langfristig angelegte Kooperationen bauen vor und engagieren zudem einen unabhängigen Kooperationsmanager. Er kann zwischen unterschiedlichen Interessen moderieren und Alleingänge von Partnern zu unterbinden helfen.

* Dr. Ralf Mühlbauer ist Inhaber und Geschäftsführer der Management-Beratungsgesellschaft Innovapart aus 53567 Asbach, mail@innovapart.de, Tel. (0 26 83) 9 89 98 35

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