Ungleiche Bezahlung Gender Pay Gap geht in beide Richtungen

Redakteur: Andrea Gillhuber

Am 18. März ist Equal Pay Day. Er markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, soll auf die Gender Pay Gap aufmerksam machen und über die Hintergründe aufklären. Interessant ist, dass in Deutschland die Lücke auch Männer betrifft.

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Die Gender Pay Gap liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt unverändert bei 21 %. Die Initiative Equal Pay Day am 18. März macht auf die Problematik der geschlechterspezifischen Lohnlücke aufmerksam.
Die Gender Pay Gap liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt unverändert bei 21 %. Die Initiative Equal Pay Day am 18. März macht auf die Problematik der geschlechterspezifischen Lohnlücke aufmerksam.
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Es wird wohl noch 217 Jahre dauern, bis die geschlechterspezifischen Unterschiede am Arbeitsplatz der Vergangenheit angehören. Das ist zumindest dem Global Gender Gap Report vom World Economic Forum, sprich: dem Weltwirtschaftsforum, aus dem November 2017 zu entnehmen. Der Bericht analysiert die Gleichstellung der Geschlechter unter anderem in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit. Ob es wirklich noch 217 Jahre dauern wird, ist auch abhängig von den aktuellen und zukünftigen Bemühungen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft auf dem Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau.

Gender Pay Gap in Europa und Deutschland

Die Gender Pay Gap ergibt sich laut Definition des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) gewöhnlich aus der durchschnittlichen Differenz zwischen den Bruttostundenlöhnen aller beschäftigte Männer und denen aller beschäftigten Frauen und wird als prozentualer Anteil am Verdienst der Männer berechnet. Dabei werden die Faktoren nicht berücksichtigt, die einen direkten Einfluss auf die Bezahlung haben, zum Beispiel Bildung, Berufserfahrung, hierarchische Verortung, Branche oder Betriebsgröße. Je nachdem, welche Einflussgrößen berücksichtigt werden, wird eine unterschiedliche Gender Pay Gap ermittelt. Demnach ergab sich für die EU im Jahr 2016 eine Lohnlücke von 16,3 %, das heißt: Frauen haben im Durchschnitt 16,3 % weniger als Männer verdient. Für Deutschland hat das Statistische Bundesamt eine Gender Pay Gap von 21 % sowohl im Jahr 2016 als auch 2017 ermittelt.

Hohe Löhne, hohe Gender Pay Gap

Das DIW in Berlin hat in einer aktuellen Studie verschiedene Aspekte der GPG untersucht. Als Datenbasis diente den Forschern das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), eine repräsentative Längsschnitterhebung der Bevölkerung in Deutschland, das detaillierte Informationen zu Bruttostundenverdiensten und zur wöchentlichen Arbeitszeit beinhaltet. Die Untersuchung betrachtet den Verlauf der Gender Pay Gap über einen Zeitraum von 1985 bis 2014.

Laut der Studie, deren Ergebnisse im DIW-Wochenbericht Nr. 10/2018 veröffentlicht wurden, steigt die Lohnlücke mit der Höhe des Gehalts an. Demnach betrug die GPG hier 24 % im Jahr 2014. Als Gründe nennt die Untersuchung das Beispiel, dass Führungspositionen unterdurchschnittlich häufig von Frauen ausgeübt werden. In diesem Zusammenhang sei in der Literatur auch von der „gläsernen Decke“ zu lesen, so die Forscher. Ein ähnliches Phänomen sei bei niedrigen Löhnen zu beobachten: Hier beträgt die Lohnlücke 21 %. Dies deute ebenfalls darauf hin, dass Jobs im Niedriglohnsektor häufiger von Frauen ausgeführt würden als von Männern. Im mittleren Lohnbereich ist die GPG mit 16 % am niedrigsten.

Der stärkste Rückgang bei der Lohnlücke ist laut Studie im Niedriglohnsektor zu verzeichnen (minus zehn Prozentpunkte im Erhebungszeitraum), im Hochlohnsektor ist sie am wenigsten stark gesunken, nämlich von 30 % Mitte der 1980er auf 24 % am Ende des Beobachtungszeitraums.

Ebenfalls Einfluss auf die GPG hat das Alter: Für Frauen von 20 bis 29 Jahren sank sie in den letzten 30 Jahren erheblich und befindet sich nun unter der 5-%-Marke. Im Vergleich dazu ist die Lohnlücke für Frauen von 40 bis 49 Jahren konstant bei über 20 % verblieben. Als Hauptgrund vermuten die Forscher hier Lohneinbußen durch familienbedingte Erwerbs­pausen.

Frauen im Osten im Vorteil

Den Fokus auf regionale Lohnunterschiede in Deutschland legte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB im Februar 2018. Datengrundlage für diese Untersuchung bildet der nominale Medianlohn (brutto), den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte zum Stichtag 31. Dezember 2016 in einer bestimmten Region verdienten. Der Medianlohn teilt laut dem Bericht das Lohnspektrum in zwei Hälften: 50 % der Beschäftigten verdienen mehr als den Medianlohn, 50 % weniger. Der hier berechnete relative Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland betrug im Jahr 2016 insgesamt 14,2 % und liegt damit unter der errechneten Lohnlücke von 21 % des Statistischen Bundesamts. Den Unterschied führen die Forscher darauf zurück, dass das Statistische Bundesamt für seine Untersuchung die Bruttostundenverdienste nutzt, welche auch Teilzeitbeschäftigte berücksichtigen.

Zwar verdienten dem Bericht zufolge Frauen im Durchschnitt weniger als Männer, doch gibt es teils deutliche Unterschiede in einzelnen Städten, Landkreisen und Bundesländern. Demnach liegt die GPG in Sachsen-Anhalt bei -1,5 %, in Mecklenburg-Vorpommmern bei -1,8 % und in Brandenburg bei -5,4 %; das heißt: Im Durchschnitt verdienen Frauen hier mehr als Männer. Spitzenreiter ist dabei die Stadt Cottbus: Hier verdienen Frauen 17 % mehr als Männer.

Spitzenreiter im deutschlandweiten Landkreisvergleich ist Dingolfing-Landau: Hier verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im Durchschnitt 38 % weniger als Männer. Ebenfalls eine überdurchschnittlich hohe Lohnlücke weisen die Landkreise Ingolstadt, Böblingen, der Bodenseekreis und Erlangen auf. Allerdings sei hierbei zu beachten, dass das Mediangehalt der Männer beispielsweise im niederbayerischen Landkreis um mehr als 2000 Euro höher ist als im brandenburgischen Cottbus, Frauen verdienen in Dingolfing hingegen etwas weniger als Frauen in Cottbus.

Die Gesellschaft ist gefragt

In einem sind sich die Forscher der Institute sowie das Weltwirtschaftsforum einig: Die Ursachen für die Gender Pay Gap sind vielfältig und es ist ein Umdenken in der breiten Gesellschaft, der Politik sowie der Wirtschaft nötig, um aus unterschiedlichsten Gründen entstandene Lohnlücken zu schließen.

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