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16. Fachmesse für Prüftechnik

Geprüfte Blechumformung für neue Werkstoffe

| Autor/ Redakteur: Annedore Munde /

Mehr als 2000 Besucher aus der ganzen Welt kamen vom 22. bis 25. Oktober zur 16. Fachmesse für Prüftechnik nach Ulm, um sich über Neuentwicklungen der Zwick Roell Gruppe zu informieren. Im Bereich Umformtechnik wurde eine neue Prüfmaschine für das Umformverhalten von Metallblechen vorgestellt.

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Die neue Blechumform-Prüfmaschine BUP 1000 ist für Ziehkräfte bis 1000 kN ausgelegt. Bild: Zwick
Die neue Blechumform-Prüfmaschine BUP 1000 ist für Ziehkräfte bis 1000 kN ausgelegt. Bild: Zwick
( Archiv: Vogel Business Media )

Mit der neuen Blechumform-Prüfmaschine BUP 1000 wird einer Stahl-entwicklung Rechnung getragen, die insbesondere für den Automobilbau immer festere Werkstoffe für Formteile zur Verfügung stellt. Werkstoffe mit höherer Festigkeit erfordern höhere Prüfkräfte, denn bei der Umformung werden entsprechend höhere Ziehkräfte eingesetzt.

Die neue BUP 1000, die für Ziehkräfte bis 1000 kN ausgelegt ist, trägt einerseits zur Ermittlung der notwendigen Werkstoffkennwerte, andererseits zur Qualitätssicherung vor der Blechweiterverarbeitung bei. Mit entsprechenden Werkzeugen und Zubehör dient die Maschine auch zur Bestimmung der Grenzformänderungskurve nach ISO 12004. Die Norm fordert in ihrer neuen Version einen Ziehstempeldurchmesser von 100 mm. Damit wird bei diesem Versuch an höherfesten Werkstoffen auch ein erhöhter Kraftbereich bis 1000 kN notwendig.

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Besonderer Wert wurde auf die Steuerungstechnik der hydraulischen Maschine gelegt, die mit einer SPS den Umformversuch über Kraft- und Stempelwegmessung steuerbar macht. Damit können nicht nur Normversuche korrekt durchgeführt werden, sondern auch Umformprozesse im kleinen Maßstab nachgebildet werden. Der maximale Stempelweg und der Geschwindigkeitsbereich des Ziehstempels decken ein großes Spektrum von Anwendungen ab.

Das Funktionsdisplay mit Fernbedienungsmöglichkeit und die hydraulische Betätigung des Werkzeugkopfes zur Probeneinlage und -herausnahme vereinfachen die Handhabung im täglichen Betrieb. Zur Untersuchung des Umformprozesses im Detail können die Ziehkraft, die Haltekraft und der Ziehstempelweg über die testcontrol-Elektronik ausgelesen und mit der Standard-Prüfsoftware testxpert aus dem Hause Zwick weiterverarbeitet und analysiert werden.

Wie vermeidet man Faltenbildung beim Umformen von Blechen zu Autotüren oder zu Kochtöpfen? Diese und ähnliche Fragen bewegen Hersteller, die mit einer Blechumform-Prüfmaschine von Zwick die Umformbarkeit von Blechen nach gängigen Normen, beispielsweise DIN EN ISO 20482 oder DIN EN 1669, prüfen. Eine weitere typische Aufgabe ist die Charakterisierung der Einflüsse von Oberflächenbehandlungen, Beschichtungen und Schmiermitteln bei typischen Umformarten wie Tiefziehen oder Streckziehen.

Blechumformen ohne Faltenbildung

Mit der testxpert-Masterprüfvorschrift „Auswertesoftware für BUP“ in Verbindung mit der Mess- und Regelelektronik testcontrol stellt Zwick den Blechherstellern und -verarbeitern jetzt ein Softwarepaket zur Verfügung, das eine Reihe von Vereinfachungen in der Anwendung bietet: die frei definierbare Kurvendarstellung der analogen oder inkrementalen Eingangssignale, die Online-Anzeige der aktuellen Messwerte, Start und Stopp der Datenaufzeichnung mittels eines elektrischen Schaltkontaktes, die Berechnung der Tiefungsgeschwindigkeit aus der Kolbenwegänderung und die Darstellung der ermittelten Ergebnisse in frei gestaltbaren Protokollen.

Die meisten bereits vorhandenen Blechumform-Prüfmaschinen von Zwick können entsprechend nachgerüstet werden, sodass diese anwendungstechnischen Vorteile auch weiterhin genutzt werden können.

Prüftechnik ist wichtig für Qualitätssicherung

Neben Prüfmöglichkeiten für die Blechumformung wurde zur Zwick-Roell-Fachmesse eine Reihe weiterer Methoden für unterschiedliche Bereiche vorgestellt. Die Präsentation der einzelnen Werkstoff- und Bauteilprüfungen fand in Form von Themeninseln statt, welche sich den Bereichen Kunststoff, Baustoff, Medizin, Automotive oder Metall widmeten.

Das Thema Materialprüfung sei angesichts von spektakulären Rückrufaktionen und der öffentlichen Diskussion über Qualitätsmängel, beispielsweise bei Spielzeug, zunehmend ins Blickfeld gerückt, so der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Dr. Jan Stefan Roell. Dass der Prüftechnik deshalb im Hinblick auf die Qualitätssicherung eine wachsende Bedeutung zukommt, verdeutlichen auch die Unternehmenszahlen. Im Jahr 2006 sei der Umsatz um 13% auf 115 Mio. Euro gewachsen. Für 2007 werde ein weiterer Zuwachs um etwa 20% auf knapp 140 Mio. Euro erwartet, heißt es.

Als „klares Bekenntnis“ zum Standort Deutschland bezeichnete Roell die Investition von 6 Mio. Euro in eine neue Montagehalle am Firmensitz in Ulm-Einsingen, die während der Fachmesse eingeweiht wurde. Die neue Halle sei sichtbares Zeichen des Expansionskurses seines Unternehmens, so Roell. Sie erlaube die Montage größerer Prüfmaschinen mit hoher Nennlast und erleichtere die Realisierung außergewöhnlicher Prüfsysteme im Großlastbereich.

Ingenieurnachwuchs selbst gesteuert

Auch die Personalsituation sieht Roell positiv. Um den Ingenieurnachwuchs habe man sich durch die angebotene BA-Ausbildung selbst gekümmert. Das Unternehmen bildet überdies 56 Auszubildende im gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereich aus. „Wir brauchen hochqualifizierte Mitarbeiter, denn sie sind die elementare Grundlage für den erfolgreichen Ausbau unserer nationalen und internationalen Aktivitäten“, so der Unternehmenschef. Die Zwick-Roell-Firmengruppe beschäftigt weltweit 935 Mitarbeiter, davon 646 in Ulm.

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