IMK-Prognose Grexit stellt Aufschwung in Deutschland in Frage

Redakteur: Jürgen Schreier

Die deutsche Wirtschaft hat sich bisher gut in einem nicht ganz einfachen weltwirtschaftlichen Umfeld behauptet. Doch die Eskalation der Griechenland-Krise oder gar ein Grexit könnten den Aufschwung 2015 und 2016 schwer schädigen. Davor warnt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

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(Bild: CC0 Public Domain)

„Ein Grexit oder eine zähe Agonie durch Unsicherheit könnte das bislang positive Konjunkturbild dramatisch verändern“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK, vor dem Hintergrund der jüngsten Konjunkturprognose seines Instituts. „Eine Ansteckung weiterer Länder und die Destabilisierung des gesamten Euroraums sind nämlich keineswegs unwahrscheinlich. Statt einer soliden Aufwärtsentwicklung drohen dann auch in Deutschland heftige Wachstumsverluste.“

Weltweite Konjunktur zieht wieder an

Damit steht innerhalb weniger Tage die positive Prognose in Frage, die das IMK heute eigentlich abgeben wollte: Angetrieben durch eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und durch spürbare reale Lohnsteigerungen ist die Nachfrage im Inland der zentrale Motor des Aufschwungs. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) legt 2015 um 2 % und 2016 um 2,2 % im Jahresdurchschnitt zu, so die bisherige Erwartung der Forscher. Die Zahl der Arbeitslosen wird 2015 jahresdurchschnittlich unter 2,8 Mio. und 2016 unter 2,7 Mio. sinken.

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Im Jahresverlauf 2015 und insbesondere 2016 wird die weltweite Konjunktur und mit ihr auch die internationale Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen wieder spürbar anziehen. Der relativ schwache Euro verschafft den deutschen Exporteuren bis ins Jahr 2016 hinein zusätzlichen Rückenwind. Noch etwas schneller als die Exporte wachsen die Einfuhren, so dass per saldo vom Außenhandel kein nennenswerter Wachstumsbeitrag ausgeht. Auch die Investitionstätigkeit gewinnt an Fahrt, weil die Unternehmen verbesserte Absatzaussichten haben. Die Staatseinnahmen entwickeln sich mit der Konjunktur positiv, die Schuldenstandsquote des deutschen Staates sinkt deutlich.

Gute Binnenkonjunktur in Gefahr

Gegenüber ihrer Vorhersage vom April senken die Düsseldorfer Konjunkturforscher die Wachstumserwartung für 2015 geringfügig um 0,2 Prozentpunkte. Ursache dafür ist der relativ verhaltene Start im ersten Quartal. Mittlerweile hat sich die Wachstumsdynamik aber deutlich verstärkt. Für 2016 bekräftigt das IMK seine Prognose vom April. Damit erwartet das IMK in beiden Jahren ein etwas stärkeres Wachstum als andere Institute – falls es denn noch gelingen sollte, die Eskalation der Krise zu entschärfen und die Zahlungsfähigkeit Griechenlands zu sichern..

„Die deutsche Wirtschaft hat in letzter Zeit vom günstigen Euro, aber mehr noch von den soliden Lohn- und Nachfragesteigerungen im Inland profitiert. Dazu trägt neben den Tarifabschlüssen auch der gesetzliche Mindestlohn bei“, sagt Wirtschaftforscher Horn. „Eigentlich war damit auch der Boden für eine gute Investitionskonjunktur bereitet. Die mit dem Scheitern der Griechenland-Verhandlungen erzeugte Unsicherheit droht nunmehr diesen Keim eines nachhaltigen Aufschwungs zu ersticken. Eine Rezession im gesamten Euroraum kann unter diesen Umständen nicht mehr ausgeschlossen werden.“

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