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Management Gute Führungskräfte mischen sich ein

Redakteur: Melanie Krauß

Nur jeder siebte Mitarbeiter in Deutschland identifiziert sich laut Gallup Studie emotional mit seinem Arbeitgeber. Eine mögliche Ursache dafür soll das Führungspersonal sein.

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Gute Miene zum bösen Spiel: Nur 15 % der Mitarbeiter in Deutschlands Büros, Werkstätten, Fabrikhallen und Laboren sind laut Gallup Studie mit Herz, Hand und Verstand bei der Sache.
Gute Miene zum bösen Spiel: Nur 15 % der Mitarbeiter in Deutschlands Büros, Werkstätten, Fabrikhallen und Laboren sind laut Gallup Studie mit Herz, Hand und Verstand bei der Sache.
(Bild: gemeinfrei (pixabay, 089photoshootings) / CC0 )

Hans-Jürgen-Lenz von der Freiburger Unternehmensberatung Balance fordert Führungskräfte dazu auf, sich mehr einzumischen. Dabei bezieht er sich unter anderem auf die Ergebnisse der Gallup-Studie.

Seit 2001 veröffentlicht das Meinungsforschungsinstitut Gallup alljährlich seinen „Engagement Index“. Die Studie befasst sich mit der Arbeitsplatzqualität und untersucht, wie stark Arbeitnehmer sich mit ihrem Arbeitgeber emotional identifizieren. Dabei zeigt sich, dass immer mehr Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift machen oder innerlich schon gekündigt haben. Schuld daran sind laut Gallup unter anderem schlechte Chefs.

Vieles bleibt unausgesprochen

Diese Ansicht teilt auch Hans-Jürgen Lenz. Er führt die mangelnde Bindung an das Unternehmen ebenfalls auf die Führungskräfte zurück. Sie seien der Grund dafür, dass diese Situation seit Jahren fast unverändert fortbesteht. „Klarheit, Mut und die Bereitschaft, sich einzumischen, sind allzu oft Mangelware", kritisiert der Unternehmensberater. Die Folge seien eine wachsende Diskrepanz zwischen Schein und Sein und Mitarbeiter, die auf Distanz gehen.

„Unsere Erfahrung zeigt klar, dass Führungskräfte viel zu oft schweigen, wo sie eigentlich den Mund aufmachen sollten“, erklärt Lenz. Das bedeute, dass sowohl lang ersehntes Lob und Anerkennung vielfach unausgesprochen bleiben als auch dringend notwendiger Widerspruch, wenn es im Unternehmen unfair, respektlos, unmoralisch oder sogar illegal zugeht. Auch dies sei fatal.

„Wenn Mitarbeiter erleben, dass jene Werte und Prinzipien, die eigentlich als Maßstab fürs Unternehmen verlautbart werden, und das tatsächliche Miteinander und Verhalten im Betrieb überhaupt nicht zusammenpassen, dann nehmen sie zwangsläufig emotional Abstand“, erklärt Hans-Jürgen Lenz.

Aus Angst oder aus eigener Gleichgültigkeit würden es viele Führungskräfte vorziehen sich rauszuhalten, nach dem Motto: Das geht mich nichts an! „Aber es geht sie sehr wohl etwas an. Nicht zuletzt fügen sie ihrem Arbeitgeber ohne jeden Zweifel einen ganz erheblichen finanziellen Schaden zu, indem sie in solchen Fällen einfach wegsehen und stillhalten“, so der Führungsexperte. Denn nur emotional involvierte Mitarbeiter würden ihre volle Produktivität entfalten.

Alle Aspekte des Menschseins ernstnehmen

Der Schlüssel zu einem veränderten Führungsverhalten sei eine veränderte Sichtweise – im Hinblick auf die eigene Person, auf die eigene Rolle als Führungskraft sowie auf die Beziehungen und Prozesse im Unternehmen insgesamt.

„Wir müssen die Menschen im Unternehmen ernst nehmen – und zwar in allen Aspekten ihres Menschseins“, rät der Führungsexperte. Der allzu gern zum Mundtotmachen missbrauchte Appell „Lassen Sie uns doch bitte sachlich bleiben!“ beispielsweise sei ein typischer Ausdruck davon, wie verkürzt, reduziert und letztlich verfehlt Führung oft verlaufe. „Doch Veränderung ist möglich, das zeigt sich immer wieder neu, wenn wir mit Unternehmen arbeiten“, so Lenz.

Seit knapp drei Jahrzenten befasst er sich mit Führungsthemen und berät und coacht Verantwortungsträger in Unternehmen. Grundlagen seiner Arbeit sind das Modell des integralen Leadership und der Spiral-Dynamics-Ansatz. Diese Tools sollen es erlauben einen ganzheitlichen Blick auf einen Betrieb und das Management zu gewinnen.

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