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Stahl-Werkstoffe

Halbzeuge aus einer Hand vom Komplettanbieter

| Redakteur: Dietmar Kuhn

Benedikt Niemeyer, CEO des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach AG, berichtet im Gespräch mit der MM-Redaktion über die außergewöhnliche Neupositionierung des Unternehmens, die Servicestrategien und die Zukunft des Werkstoffs Stahl.

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„Bei uns erhalten die Kunden alles aus einer Hand – von der Produktion der Halbzeuge bis hin zur umfangreichen Weiterverarbeitung“, sagt Benedikt Niemeyer, CEO des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach.Bild: Schmolz+Bickenbach
„Bei uns erhalten die Kunden alles aus einer Hand – von der Produktion der Halbzeuge bis hin zur umfangreichen Weiterverarbeitung“, sagt Benedikt Niemeyer, CEO des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach.Bild: Schmolz+Bickenbach
( Archiv: Vogel Business Media )

MM: Herr Niemeyer, in den vergangenen Jahren hat Schmolz + Bickenbach bedeutende Stahlproduktionswerke in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, den USA und Kanada übernommen. Welche Strategie steht hinter dieser Einkaufstour?

Niemeyer: Schmolz + Bickenbach hat sich durch den Kauf verschiedener Stahlproduktions- und Verarbeitungswerke vom Düsseldorfer Stahlhändler und -verarbeiter zu einem weltweit führenden Produzenten und Komplettanbieter von hochwertigen Stählen weiterentwickelt.

Durch die Übernahme der heutigen Deutschen Edelstahlwerke und Ugitech sind wir seit 2006 der weltweit führende Hersteller von rostfreien Langprodukten. Und im letzten Jahr wurden wir durch die Integration der Gruppe A. Finkl & Sons mit Stahlwerken und Weiterverarbeitungsbetrieben in den USA und in Kanada zum Weltmarktführer für Werkzeugstähle.

MM: Die Entwicklung vom Stahlhändler zum Produzenten ist sehr ungewöhnlich. Welche Vorteile bietet die Neupositionierung?

Niemeyer: Die neue Grundstruktur ermöglicht uns ein sehr robustes Geschäft. Beispielsweise können wir die in der Stahlindustrie üblichen Zyklizitäten der Geschäftsentwicklung optimal innerhalb der einzelnen Unternehmensbereiche ausgleichen. Damit sind wir langfristig ein zuverlässiger Partner.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass unsere Kunden alle Leistungen aus einer Hand beziehen – von der Produktion über die Weiterverarbeitung bis hin zu Distribution und Services. Diese All-in-one-Lösung ermöglicht es uns auch, jedes Produkt individuell auf die kundenspezifischen Anforderungen zuzuschneiden.

MM: Bitte beschreiben Sie uns das Servicekonzept von Schmolz + Bickenbach!

Niemeyer: Es ist unser Anspruch, jedem Kunden exakt die Spezialstahllösung zu bieten, die er für seinen Unternehmenserfolg benötigt. Zum Beispiel im Bereich der Werkstoffentwicklung, die wir in enger Absprache mit unseren Kunden realisieren.

Oder denken Sie an unsere zahlreichen Distributionsstandorte, die weiterführende Anarbeitungsdienstleistungen realisieren. Hier erhalten unsere Kunden neben Fixlängen auch Sägezuschnitte oder spezielle Oberflächenbehandlungen bis hin zu einbaufertigen Werkstücken.

Umfassender Service bedeutet für uns ebenfalls, dass global aufgestellte Kunden innerhalb der Gruppe auch weltweit betreut und beliefert werden.

MM: Planen Sie für 2008 weitere Unternehmensakquisitionen?

Niemeyer: Größere Akquisitionen sind 2008 nicht geplant. Unser Hauptbestreben ist es, die Wertschöpfungstiefe in allen Geschäftsbereichen weiter auszubauen und weitere Synergieeffekte zwischen den einzelnen Gesellschaften zu erreichen, um einen zunehmend größeren Kundennutzen zu generieren.

In unseren drei Divisionen Produktion, Verarbeitung und Distribution haben wir im vergangenen Jahr mit 226,2 Mio. Euro ein bedeutendes Investitionsvolumen umgesetzt. Damit wurde die Effizienz unserer Werke und Vertriebskanäle weiter erhöht, das Angebot an hochwertigen Stahlsorten ausgeweitet und den ständig zunehmenden Anforderungen des Marktes entsprochen. Diese hohe Investitionsintensität werden wir auch im laufenden und in den Folgejahren aufrechterhalten.

MM: Wie schätzen Sie die zukünftige Marktentwicklung ein?

Niemeyer: Wir schätzen die Aussichten der Stahlindustrie als weiterhin positiv ein. Gewisse Unsicherheiten bestehen betreffend der Entwicklung sowie der Volatilität der Preise für Rohmaterialien, Legierungsmittel und Energien. Aufgrund der Meldungen unserer Kunden und der derzeitigen Auftragsbestände gehen wir von einer guten Auslastung unserer Werke aus.

Unsere strategische Aufstellung mit den Geschäftsbereichen Produktion, Verarbeitung und Distribution gibt uns global eine starke Position auf den Märkten für Edelbaustahl, rostfreie Stähle und Werkzeugstähle. Die getätigten sowie die laufenden Investitionsprojekte schaffen zudem neue Möglichkeiten zur Markterschließung und zur Entwicklung von weiteren Nischenprodukten.

MM: Nun wurde Stahl in einigen Bereichen längst durch Kunststoff oder Aluminium ersetzt. Wie sehen Sie hier die zukünftige Entwicklung?

Niemeyer: Es ist sicherlich richtig, dass dem Werkstoff Stahl in den vergangenen Jahren zumindest in Teilbereichen eine neue Konkurrenz erwachsen ist. Auf der anderen Seite belebt Konkurrenz bekanntermaßen das Geschäft. Angesichts beeindruckender Fortschritte in den Bereichen der Werkstoffentwicklung und Oberflächenbearbeitung ist und bleibt Stahl ein wichtiger und in vielen Branchen oftmals konkurrenzloser Werkstoff.

Selbst im Automobilbau scheuen unsere neuen hoch- und höchstfesten Stähle einen Vergleich mit beispielsweise Aluminium nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der Gewichtsverringerung bei Fahrzeugen ist auf den Einsatz neuer Stähle und angepasster Ferigungstechniken zurückzuführen. Aufgrund der stetig steigenden Marktanforderungen hat die Werkstoffentwicklung bei uns einen extrem hohen Stellenwert.

MM: Herr Niemeyer, was liegt Ihnen bei der Weiterentwicklung Ihres Konzerns ganz persönlich am Herzen?

Niemeyer: Wissen Sie, Schmolz + Bickenbach hat in den vergangenen Jahren eine tiefgreifende Wandlung vollzogen – praktisch vom traditionellen Stahlhändler hin zu einem weltweit führenden Produzenten und Komplettanbieter von hochwertigen Spezialstählen. Seit 2006 sind wir als Schmolz + Bickenbach AG börsennotiert.

Bei dieser rasanten Entwicklung ist es mir wichtig, vor allem langfristig erfolgreich zu sein. Deshalb ist es nicht unser primäres Ziel, mit der Neuausrichtung Analysten zu beeindrucken. Vielmehr soll Schmolz + Bickenbach ein solides und stabiles Unternehmen bleiben und damit auch in Zukunft ein guter Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter und ein sehr langfristiger, zuverlässiger Partner unserer Kunden sein.

Schmolz + Bickenbach präsentiert sich auf der Metav 2008 in Halle 8b, Stand C20

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