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Flüchtlinge

Hohe Hürden für den Zugang zum Arbeitsmarkt

| Autor/ Redakteur: Jürgen Schreier / Denisa Garcia

Vor die Beschäftigung von Flüchtlingen hat der Gesetzgeber allerlei Hürden gesetzt. Diese sind nicht nur hoch. Ihre „Überwindung“ kostet auch Zeit. Doch erst nach Erteilung einer Arbeitserlaubnis darf ein Flüchtling seinen Job antreten.

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Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis setzt umfangreiche Prüfungen voraus – es sei denn, es bestünde Anspruch auf eine „Blue Card“.
Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis setzt umfangreiche Prüfungen voraus – es sei denn, es bestünde Anspruch auf eine „Blue Card“.
(Bild: Gina Sanders - Fotolia - Erwin Wodicka)

Vier von fünf Unternehmen des ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus sehen in den Flüchtlingen eine Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. Doch nur jeder zweite Entscheider glaubt, dass Asylbewerber zur Fachkräftesicherung des eigenen Unternehmens beitragen können. Das ergab eine Umfrage unter den 350 Mitgliedern des VDMA-Landesverbandes Ost vom Oktober 2015. „Das Schicksal der Asylbewerber beschäftigt unsere Unternehmer menschlich“, weiß Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. „Doch sie hinterfragen auch ganz genau das tatsächliche Fachkräftepotenzial und die Integrationsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt.“

Und so sieht die Praxis denn auch ganz anders aus als die Theorie. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass im ersten Aufenthaltsjahr im Schnitt lediglich 8 % der 15 bis 64 Jahre alten Flüchtlinge in Deutschland einen Job gefunden haben. Und selbst nach fünf Jahren war nur jeder zweite Flüchtling in Arbeit.

Der Zeitfaktor schreckt ab

Die Gründe dafür sind vielfältig. So gaben 92 % der Unternehmen, die vom Münchner Ifo-Institut befragt wurden, mangelnde Sprachkenntnisse als Beschäftigungshindernis an. Zu 71 % nannten sie ein mangelndes Qualifikationsniveau, zu 59 % arbeitsrechtliche Vorgaben und zu 32 % den Mindestlohn. Aber auch der Gesetzgeber hat die Arbeitsaufnahme von Flüchtlingen mit hohen Hürden versehen, selbst wenn in jüngster Zeit diverse Wartefristen verkürzt wurden.

Denn Asyl beantragen und gleich arbeiten, das funktioniert schon von Gesetzes wegen nicht. Andererseits aber hätten viele Arbeitgeber bei akutem Arbeitnehmerbedarf keine Zeit, das behördliche Zustimmungsverfahren abzuwarten, sagte Deniz Nikolaus, Rechtsanwältin bei CMS Hasche Siegle, in einem Interview mit Haufe Online. „Auch wenn es sich hierbei oftmals nur um einen Zeitraum von einigen Wochen handelt, schreckt dies die Arbeitgeber ab.“

Abschiebungsrisiko einkalkulieren

Schließlich muss er bei der Beschäftigung von Flüchtlingen das Risiko einer Abschiebung innerhalb von ein bis zwei Jahren einkalkulieren, was vor allem bei qualifizierten Tätigkeiten – etwa im Maschinenbau – zur Beschäftigungsbremse wird. „Wichtig ist den Unternehmen, langfristig mit den Mitarbeitern planen zu können“, betont VDMA-Ost-Geschäftsführer Pätz. Gleiches gelte für die Ausbildung. Denn sowohl die Auszubildenden als auch die ausbildenden Betriebe müssten die Gewissheit haben, dass eine begonnene Ausbildung abgeschlossen und im Idealfall der Auszubildende übernommen werden kann.

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