Netstal auf der K-2016 ICM-Verfahren drückt Stückkosten im Dünnwand-Verpackungssektor runter

Redakteur: Peter Königsreuther

Bis zu 10 % geringere Stückkosten, verspricht der Einsatz des ICM-Verfahrens, das Netstal auf der K-2016 in Halle 15 vorstellen will. Der Innovationstreiber Netstal beabsichtige, die hocheffiziente ICM-Technologie im Dünnwandverpackungsmarkt zu etablieren.

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Für das auf der K in Düsseldorf demonstrierte Spritzprägen im Etagenwerkzeug (ICM-Technologie) kommt eine modifizierte Elion 2800-2000 von Netstal zum Einsatz.
Für das auf der K in Düsseldorf demonstrierte Spritzprägen im Etagenwerkzeug (ICM-Technologie) kommt eine modifizierte Elion 2800-2000 von Netstal zum Einsatz.
(Bild: Netstal)

Auf der K-2016 wird Netstal die ICM-Technologie anhand einer 15oz (425g) Margarineverpackung aus PP demonstrieren. Der Container, der lediglich 10,7 g wiegt, wird mit 4+4 Kavitäten und einer Zykluszeit von 5 s auf einer Elion 2800-2000 hergestellt, wie es heißt. Hinzu komme eine ausgeklügelte Automationslösung für Entnahme und Einlage des In-Mold-Labels (IML). Die Reaktionen des Fachpublikums und das Interesse an der neuen Technologie seien jetzt schon durchwegs positiv. Nachdem erste Anlagen bereits seit über einem Jahr prozesssicher produzieren, hat das Verfahren seine Serientauglichkeit bereits erfolgreich unter Beweis gestellt, wie Netstal betont.

Weniger Material, heißt kleinere Stückkosten

Die Anforderungen hinsichtlich Leistung und Qualität an ein Produktionssystem werden laut Netstal im besonders wettbewerbsintensiven Markt für dünnwandige Verpackungslösungen immer anspruchsvoller. Diese Tatsache mag für andere Hersteller von Spritzgießtechnologie ein schwer kalkulierbarer Risikofaktor sein, für Netstal eröffnen sich dagegen hervorragende Gelegenheiten für die weitere Erschließung bestehender Märkte. „Als Technologietreiber der Spritzgießbranche denkt Netstal seit jeher weit über die Maschinen hinaus. Dabei steht immer die Frage im Mittelpunkt, wie wir Anwendungsprozesse zum Wohle unserer Kunden noch weiter auf maximale Leistung, Qualität und Effizienz optimieren können“, so Markus Dal Pian, Vice President Sales & Marketing und Leiter der Business Unit Packaging bei Netstal. „In der Schlussrechnung erwartet der Kunde eine hervorragend Qualität der produzierten Teile, möglichst geringe Stückkosten und optimierte Gesamtbetriebskosten der Anlage“, wie Dal Pian ergänzt.

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Bestehende Technik noch effizienter machen

Bei der Fertigung eines typischen Joghurtbechers etwa, schlägt der Anschaffungspreis der Spritzgießmaschine mit lediglich 4 % bei der Berechnung der Stückkosten zu buche, gibt Dal Pian zu bedenken. Das Material dagegen habe mit rund 60 % einen enormen Einfluss auf die Kosten pro produzierter Einheit. Komme ein IML-System hinzu, sinke der Maschinenanteil sogar auf nur 3 %. „Vor diesem Hintergrund ist es für uns als Innovationsführer und Anbieter von Premium-Spritzgießmaschinen nur eine logische Konsequenz, dass wir bestehende Anwendungstechnologien mit der Zielsetzung weiterer Effizienzsteigerungen weiterentwickeln“, erklärt Dal Pian.

Materialschwindung mal anders kompensieren

Deshalb sei es auch kein Zufall, dass ausgerechnet Netstal gemeinsam mit Systempartnern vor einigen Monaten das hocheffiziente Spritzprägen in Etagentechnik vorgestellt hat. Der Spritzprägeprozess unterscheidet sich dabei vom konventionellen Spritzgießen in der Methode, wie der während der Abkühlung der Schmelze in der Kavität entstehende Materialschwund, auch bezeichnet als „Shrinking Effect“, kompensiert wird, so die Erklärung. Beim konventionellen Spritzgießen erfolge dies während der Nachdruckphase durch Hineinpressen von zusätzlichem Material. Beim ICM-Verfahren hingegen wird die Materialschwindung durch den eigentlichen Prägeprozess kompensiert, wodurch sich bis zu 20 % an Material sparen lässt. Aufgrund sehr geringer Einspritzzeitzeiten, erfolgt die Befüllung der Kavitäten blitzschnell und äußerst gleichmäßig, wie es heißt. Durch den geringeren Druck würden unerwünschte Spannungen im Produkt verhindert. Im Vergleich zum konventionellen Spritzgießen ist die Druckverteilung in der Kavität außerdem sehr gleichmäßig, was zu einer spürbaren Verringerung von Verzugserscheinungen führt.

Etagenwerkzeug pusht Ausstoßmenge

Außerdem wird eine Verbesserung des Füllverhaltens bei sehr hohem Fließweg-Wandstärken-Verhältnis ermöglicht. Zusammengefasst erreiche man mit dem ICM-Verfahren signifikante Einsparungen bei Zykluszeiten, Material- und Energieverbrauch und steigert zugleich die Qualität der produzierten Verpackungen. Durch den Einsatz eines Etagenwerkzeuges wird der Ausstoß signifikant erhöht.

In der Vergleichsrechnung können mit diesem Verfahren die Stückkosten um bis zu 10 % reduziert werden. Durch den zusätzlichen Einsatz eines IML-Systems erhält der Verpackungshersteller absolute Flexibilität hinsichtlich Form, Aussehen und Dekoration des produzierten Teils. „Mit dieser Technologie geben wir unseren Kunden alle derzeit verfügbaren Trümpfe in die Hand, mit denen sie Wettbewerbsvorteile generieren und noch erfolgreicher sein können“, hält Markus Dal Pian fest.

Aber nicht jede Spritzgießmaschine hat`s „drauf“

Maschine und Steuerung müssen dabei aber sehr hohe Qualitätsanforderungen erfüllen, um ICM erfolgreich einsetzen zu können. Aus diesem Grund sind Hochleistungs-Spritzgießmaschinen von Netstal besonders für den Einsatz des Spritzprägeverfahrens geeignet. Da Korrekturen der Füllung mittels Nachdruck nicht möglich sind ergeben sich sehr hohe Anforderungen an die Dosiergenauigkeit. Grundvoraussetzung zur perfekten Verteilung der Schmelze im ICM Verfahren ist eine sehr dynamisch und präzise arbeitende Schliesseinheit. Um das Prägen des Materials zu ermöglichen ist ein ultraschnelles Einspritzen ( über 800 mm/s) notwendig. Zur Erreichung genauester Reproduzierbarkeit ist ein hoch präzises und synchrones Zusammenspiel von Spritzaggregat und Schließeinheit unabdingbar. Das Einspritzen im geöffneten Zustand der Schließeinheit stellt besonders hohe Anforderungen an die Plattenparallelität und das Design des Kniehebels.

MM

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