Suchen

Konjunktur

Im Aufschwung fliegt der Mittelstand auf Sicht

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

„International tätige Unternehmen hat die Krise frühzeitiger und tiefgehender getroffen, aber sie sind es auch, die schneller und meist deutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen“, erläutert Prof. Dr. Rüdiger Kabst, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Gießen und wissenschaftlicher Beirat der Studie. Die Gründe nennt Commerzbank-Vorstand Beumer: „Exportierende Firmen sind einem höheren Wettbewerbsdruck ausgesetzt und haben schon immer flexibel auf Marktveränderungen reagieren müssen. Die Veränderungsbereitschaft ist sowohl in der Geschäftsführung wie in der Belegschaft geübt.“

Nachfrageeinbruch deckt grundlegende Probleme auf

Trotz dieser Flexibilität habe der Nachfrageeinbruch grundlegende Probleme im verarbeitenden Gewerbe zutage gefördert, schreiben die Autoren der Studie. Als Beispiele nennt Markus Beumer aufgeblasene Führungs- und Verwaltungsstrukturen oder die Konzentration auf nicht mehr zukunftsfähige Produkte, wie etwa Teile für Pumpe-Düse-Motoren.

Bildergalerie

Solche Schwächen rächen sich in der Krise besonders, argumentiert Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Mitglied des Vorstands der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers in Frankfurt am Main: „Ihre Beseitigung erfordert Managementkapazitäten, die für die Umsetzung von Wachstumsstrategien dann nicht zur Verfügung stehen.“

Veränderungen im Unternehmen lassen sich derzeit leichter durchsetzen

Allerdings sagen die Befragten, dass Veränderungsprozesse im Unternehmen in der aktuellen Situation leichter durchsetzbar sind. Bei aller Bereitschaft zu Umstellungen verhalten sich Führungskräfte und Firmenchefs eher wie Piloten an einem Himmel voller Vulkanasche — sie fliegen auf Sicht: Niedrige Beschaffungskosten und Profitabilität zählen mehr als starkes Wachstum.

Intern setzen die Unternehmen auf das Halten und Qualifizieren ihres Personals und die Pflege der Unternehmenskultur. Einsparungen bei den Mitarbeitern zählen vergleichsweise wenig (siehe Grafik 3).

Bei der künftigen Marktbearbeitung lassen die Mittelständler keine klare Strategie erkennen: Die meisten wollen neue Kunden gewinnen und neue Produkte einführen. Viele sehen ihre Perspektive aber auch im Pflegen der Bestandskunden und der Konzentration auf profitable Geschäftsfelder und Produkte (siehe Grafik 4).

Unternehmen sollten auf Diversifizierung und neue Produkte setzen

„Es fällt den Unternehmen schwer, die Märkte zu lesen“, kommentiert Markus Beumer diese Zahlen. „Die Gesamtauswertung der Studie zeigt, wo das Wachstumspotenzial liegt. Die strategiebewussten Unternehmen legen den Fokus auf Diversifizierung, neue Produkte und die Stärkung ihrer Vertriebsstrukturen.“

Die exportorientierten Unternehmen wollen entsprechend Forschung & Entwicklung vorantreiben. Zudem planen sie, den Außenhandel in die europäischen Länder auszubauen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 344249)