EMO Milano 2021 Im „Vergnügungspark“ der Automatisierung

Autor / Redakteur: Victoria Sonnenberg / Mag. Victoria Sonnenberg

Warum Sie die EMO Milano 2021 auf keinen Fall versäumen sollten, erzählt Luigi Galdabini, Generalkommissar der diesjährigen Messe im Interview. Ein kleiner Hinweis vorweg: Die EMO Milano 2021 wird die größte digitale Fabrik sein, die jemals auf einem Messegelände eingerichtet wurde.

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Luigi Galdabini leitet als Generalkommissar die Organisation der EMO Milano 2021. Die Weltausstellung von Werkzeugmaschinen findet vom 4. bis 9. Oktober 2021 auf dem Messegelände von Fiera Milano Rho statt.
Luigi Galdabini leitet als Generalkommissar die Organisation der EMO Milano 2021. Die Weltausstellung von Werkzeugmaschinen findet vom 4. bis 9. Oktober 2021 auf dem Messegelände von Fiera Milano Rho statt.
(Bild: Ucimu)

Gefühlt wird die EMO Milano für viele den Weg zurück zur Normalität einläuten. Sind die Aussteller in Aufbruchstimmung?

Luigi Galdabini: Wir sind der festen Überzeugung, dass die EMO Milano 2021 der Wendepunkt nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie sein wird. Die angemeldeten Aussteller sind zuversichtlich bezüglich des Aufschwungs und der Möglichkeiten, die ihnen durch die Veranstaltung geboten werden. Zum anderen sind die Wirtschaftsdaten und Prognosen für den Sektor ausgesprochen positiv. Die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen wird in der ganzen Welt zunehmen. In Italien gibt es Anreize für den Kauf neuer Maschinen, was den Ausstellern sicherlich helfen wird, Aufträge zu erhalten.

Verglichen mit 2015, wie liefen die Vorbereitungen?

Es liegt auf der Hand, dass unsere Mitarbeiter vor diesem Hintergrund und insbesondere in den letzten Monaten unter Bedingungen arbeiten mussten, die so komplex waren wie noch nie zuvor. Das liegt eben daran, dass die Unternehmen viel länger mit der endgültigen Bestätigung ihrer Teilnahme gewartet haben. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass die Akteure eine Veranstaltung vorfinden werden, die den Erwartungen gerecht wird und in der Lage ist, das Vertrauensklima zu bestätigen, das für eine Rückkehr zur Normalität gefordert wird.

Vom Sicherheitskonzept einmal abgesehen, welche Unterschiede zu 2015 wird der diesjährige Besucher erleben?

Die Frage der Sicherheit wird für den Erfolg der Veranstaltung von zentraler Bedeutung sein und wurde bis ins Detail durchgeplant. Vorschriften, bewährte Praktiken und die Beachtung aller Regeln, die zur Eindämmung der Pandemie aufgestellt wurden, werden sichtbar sein, ohne den Besuch zu behindern. Im Übrigen wird die EMO Milano 2021 eine andere Veranstaltung als die aus dem Jahr 2015 sein: Das Ausstellungsangebot wird dabei in völlig aktualisierter Form auftreten. Außerdem wird die digitale Wende, die die Branche immer stärker durchdringt, der unbestrittene Protagonist dieser Ausgabe sein. Die EMO Milano 2021 wird die größte digitale Fabrik sein, die jemals auf einem Messegelände eingerichtet wurde.

Wie entstand das diesjährige Motto und welche „magischen“ Themen stehen im Fokus?

Mit dem Motto „Die magische Welt der Metallbearbeitung“ möchten wir das Hauptmerkmal der Veranstaltung hervorheben: Wir bieten den Fachleuten eine Art „Vergnügungspark“ der Automatisierung – einen Raum, der alles präsentiert, was in der Welt der Produktionssysteme zukunftsweisend ist. Die EMO Milano 2021 wird das Beste der Branche präsentieren. Eine Branche, die wie keine andere in der Lage ist, die Produktion der meisten Fertigungslieferketten zu bestimmen. Der Zauber dieser Veranstaltung liegt in der ausgestellten Technologie, die sich in jeder Messeausgabe von der vorherigen unterscheidet und eine Dokumentation des Innovationsfortschritts ermöglicht.

Finden sich unter den Ausstellern ausschließlich „alte Bekannte“ oder gibt es auch Newcomer?

Die fast 700 Aussteller decken das gesamte Spektrum der Segmente ab, die den Sektor ausmachen. Das bedeutet: Die Veranstaltung konnte – trotz der Schwierigkeiten im Pandemiekontext – Unternehmen für sich gewinnen, die Vertrauen in die EMO als weltweite Referenzveranstaltung für die Fertigungswelt gelegt haben. Zweifellos hat die Krise auf die Anwesenheit der ausstellenden Unternehmen Einfluss genommen. Das hat teilweise zu einem Rückgang der Beteiligung geführt, insbesondere aus Ländern, aus denen es immer noch schwierig ist auszureisen. Dafür sind jedoch zahlreiche Akteure aus der Welt der Verformung anwesend, die sich, anders als in der Vergangenheit, für eine Teilnahme entschieden haben. Interessant ist auch die Anwesenheit von Akteuren aus den Bereichen Additive Fertigung, Software und Industrie 4.0, die in der Welt der Metallbearbeitungsmaschinen eine immer größere Rolle spielen.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie? Was kann der Besucher konkret erwarten?

Vor dem Hintergrund der Pandemie werden wir den Besucherrekord aus dem Jahr 2015 sicherlich nicht halten können. Die laufende Impfkampagne, die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die breite Palette der ausgestellten Produkte und die geplanten Begleitveranstaltungen werden jedoch mit Sicherheit die Akteure der Branche zu einer Teilnahme ermutigen. Der Veranstaltungskalender – institutionelle Veranstaltungen, eingehende Analysen von Branchenexperten und Präsentationen der Innovationen der Aussteller – wird ab Mitte September auf der Website der Messe verfügbar sein.

Was denken Sie, wird sich das Messegeschäft nach der Pandemie grund­legend verändern?

Die Pandemie hat uns gezwungen, die Regeln und den Lebensstil in den meisten Bereichen unseres Alltags zu ändern. Messen bilden keine Ausnahme – insbesondere vor dem internationalen Kontext. In einem Sektor wie dem der Produktionssysteme sind sie allerdings nach wie vor das wichtigste Marketinginstrument für Unternehmen. Die digitale Dimension ist demnach durchaus relevant, mehr als früher, aber kein Ersatz. Das war uns eigentlich schon vor dem Gesundheitsnotstand klar; die Pandemie hat es nur noch einmal deutlicher gemacht. Aus diesem Grund werden wir unsere Arbeit im digitalen Bereich weiter verstärken, um den Veranstaltern ein immer umfassenderes Besuchserlebnis zu bieten.

Nach dem tiefen Absturz, bedingt durch die Pandemie, kämpft sich die italienische Industrie langsam wieder nach vorne. Welche Hürden wurden bereits überwunden und welche stehen noch aus?

Italien und insbesondere die ita­lienische Werkzeugmaschinenindustrie schlossen 2020 mit Ergebnissen ab, die über unseren Erwartungen lagen. Es ist uns gelungen, den Produktionsrückgang einzudämmen, der 20 Prozent unter dem des Vorjahres liegt. Mit diesem Ergebnis konnten wir besser abschneiden als unsere deutschen und japanischen Konkurrenten (Deutschland minus 32 Prozent, Japan minus 24 Prozent). Wir können nicht sagen, dass wir mit dem Verlauf der Dinge zufrieden sind, aber diese Ergebnisse geben uns allen ein Maß für die Stärke unserer Industrie. Sie war in sehr kurzer Zeit in der Lage, auf die Situation zu reagieren, Ressourcen gezielt einzusetzen und trotz des Nachfrageeinbruchs das Geschäft weiterzuführen.

Wie sehen die Prognosen für 2021 aus?

Die sind ausgesprochen positiv, ebenso wie die Entwicklung des Auftragseingangs, der im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 88 Prozent gestiegen ist
(+238 Prozent Aufträge auf dem italienischen Markt; +57,5 Prozent Aufträge auf dem ausländischen Markt). Und auch wenn wir Ende 2021 nicht den gesamten Rückstand des letzten Jahres aufholen können, so werden wir doch einen großen Sprung nach vorne machen, indem wir mit dem Wachstum des Jahres 2022 fortfahren. In dieser Hinsicht waren und sind die von der italienischen Regierung gewährten Anreize für Investitionen in neue Produktionstechnologien, ob 4.0 oder nicht, von entscheidender Bedeutung. Auch aus diesem Grund sind wir, bezüglich der Entwicklung der italienischen Industrie und des Erfolgs der EMO Milano 2021 zum Nutzen aller teilnehmenden Aussteller, sehr optimistisch.

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