Suchen

EMO Hannover feierlich eröffnet Impulse für die Wettbewerbsfähigkeit

| Redakteur: Udo Schnell

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, hat am Montag zusammen mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Telekomvorstand Adel Al-Saleh, Cecimo-Präsident Dr. Roland Feichtl und EMO-Generalkommissar Carl Martin Welcker die EMO Hannover 2019 eröffnet.

Firmen zum Thema

Eröffnungsfeier der Weltleitmesse der Metallbearbeitung, der EMO Hannover 2019. Im Bild (v.l.): Adel Al-Saleh, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Carl Martin Welcker, Generalkommissar der EMO Hannover, Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident und Dr. Roland Feichtl, Cecimo-Präsident.
Eröffnungsfeier der Weltleitmesse der Metallbearbeitung, der EMO Hannover 2019. Im Bild (v.l.): Adel Al-Saleh, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Carl Martin Welcker, Generalkommissar der EMO Hannover, Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident und Dr. Roland Feichtl, Cecimo-Präsident.
(Bild: Deutsche Messe)

„Nachdem etliche Jahre sattsam über Digitalisierung und Vernetzung diskutiert wurde, kommt sie jetzt in der Realität der Produktion an“, sagte EMO-Generalkommissar Welcker. Die Fabrik werde smart, Maschinen und Werkzeuge würden intelligent. Dementsprechend gibt es auch etliche Rahmenverantstaltungen zu diesem Thema. Zur standardisierten Schnittstelle umati hat der VDW beispielsweise auf der Messe einen Showcase aufgebaut und auf dem EMO-Forum „New technologies – Future opportunities“ referieren rund 50 Experten über fünf Tage über additive Fertigung, Machine Learning, 5G oder Plattformökonomie.

Wettbewerbsfähigkeit müsse, erklärt Welcker weiter, jeden Tag erarbeitet werden. Dafür gebe die EMO Hannover Impulse, so wie sie es auch in der Vergangenheit getan habe. Die Branche erwartet Welcker zufolge für das Jahr 2019 einen Produktionsrückgang von 2 %. Nach acht Jahren Hochkonjunktur habe sich die weltweite Investitionsgüternachfrage seit dem vierten Quartal 2018 beruhigt. Dies sei zu erwarten gewesen. Die internationalen Anwender von Werkzeugmaschinen hätten seit der großen Finanzkrise 2008/2009 kräftig investiert und seien gut aufgestellt.

Trotz Rückgang: Besseres Ergebnis als 2017

Im Rest der Welt sieht es, so Welcker weiter, ähnlich aus, wie beim EMO-Gastgeber Deutschland. Die Produktion sei im ersten Halbjahr nur noch leicht gestiegen. Insbesondere die beiden größten Märkte China und USA, die auch gleichzeitig verbissene Kontrahenten im internationalen Wettbewerb seien, hätten im ersten Halbjahr kräftig Federn gelassen.

Die deutschen Einfuhren haben sich laut Welcker ebenfalls rückläufig entwickelt. Sie lagen 2019 im ersten Halbjahr 3 % unter Vorjahr. Die Kapazitätsauslastung betrug in den ersten sechs Monaten 88,9 % im Durchschnitt.

Der Auftragseingang – Indikator für die kommende Entwicklung – ist den Angaben zufolge bis Juli um 21 % gesunken. Welcker: „ Ähnlich stattliche Bestellrückgänge gab es bereits in früheren Konjunkturzyklen.“ Sie hätten sich aber nicht nicht gleicher Höhe in der Produktion niedergeschlagen.

Welcker weiter: „Die Branche wird den den Produktionszuwachs, den wir zu Beginn des Jahres prognostiziert haben, nicht realisieren können.“ Es sei nun von einem Rückgang von 2 % auf 16,8 Mrd. Euro auszugehen, ein Wert, der immer noch über dem Ergebnis des guten Jahres 2017 liege.

Chancen durch Transformation

Große Herausforderungen und Chancen sieht Welcker im Transformationsprozess des größten Abnehmers Automobilindustrie. „Die Elektrifizierung wird nicht durch Schalterumlegen über Nacht kommen. Vielmehr wird es noch viele optimierte Verbrennungsmotoren geben, allein oder in Kombination mit Hybridantrieben", sagt er. Die Einführung neuer Antriebstechnologien wird zweifellos einzelne Fertigungsprozesse, wie wir sie heute kennen, verändern. Der EMO-Generalkommissar fordert jedoch, dass es für höchst unterschiedliche Anforderungen auch höchst differenzierte Lösungen geben müsse, für Pkw, Nutzfahrzeug, Motorrad, Flugzeug, Schiffsmotor, mobile Maschine oder E-Bike. Um die anspruchsvollen CO2-Klimaziele zu erreichen, sei es umso wichtiger, künftige Antriebskonzepte technologieoffen voranzutreiben, damit sich die jeweils beste Lösung im Wettbewerb durchsetzt.

Für 2030 haben Forscher von FEV Consulting einen globalen Anteil voll elektrifizierter Fahrzeuge von 19 % berechnet. Das bezieht sich auf 118 Mio. Neuzulassungen, die gegenüber 2017 weitgehend stabil bleiben sollen. Sie sprechen darüber hinaus von 64 Prozent weniger Wertschöpfung im Fertigungsprozess beim reinen Elektroantrieb und 24 Prozent höherer Wertschöpfung beim Plug-in-Hybrid.

In diesem Szenario können wegfallende Bereiche in der Fertigung potenziell über neue Anforderungen kompensiert werden. Effizienzverbesserungen bei den verbleibenden Verbrennungsmotoren und Getrieben durch optimierte Oberflächen, die Reduzierung von Geräuschemissionen, der Schutz vor Bauteilverschleiß, der im Hybrid durch das Umschalten von Elektroantrieb auf Verbrennungsmodus bei schneller Fahrt umso intensiver auftritt, die Neuauslegung von Bremssystemen, die wegen der hohen Batteriegewichte benötigt wird, – dies alles verlangt neue bzw. veränderte Produktionsprozesse. Hinzu kommt die flächendeckende Ausrüstung mit Turboladern. Auch für die Fertigung elektrischer Schlüsselkomponenten wie Batterien und Traktionsmotoren, aber auch der Leistungselektronik, werden neue komplexe Produktionssysteme benötigt.

Enabler für Klimaziele

Um die ehrgeizigen Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen, wird es ohne intelligente Technik letztendlich nicht gehen. Bei allen Fortschritten stehen immer die Industrieproduktion und damit die Werkzeugmaschine als so genannter Enabler im Fokus. Weniger Energie- und Materialverbrauch, höhere Effizienz bei den Prozessen und gleichzeitig höhere Qualität der Produkte lauten die Anforderungen. „Tatsächlich leistet die Werkzeugmaschinenindustrie dazu einen ganz wichtigen Beitrag, denn Effizienz und Vermeidung von Verschwendung sind quasi ihr Geschäftsmodell“, weiß Welcker.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46064189)