China Market Insider In Chinas Tagebau werden bald keine Fahrer mehr gebraucht

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Melanie Krauß

Noch schneller als bei Personenwagen setzt sich das autonome Fahren in China bei großen Nutzfahrzeugen durch.

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(Bild: ©Eisenhans - stock.adobe.com)

Der jüngste Beweis für diesen Trend ist eine strategische Kooperation von LGMG mit der Firma „VIPioneers“ zur Entwicklung fahrerloser Muldenkipper für den Tagebau. „VIPioneers“ ist ein schnell wachsendes chinesisches Start-up im Bereich Cloud-Lösungen für das autonome Fahren in der Hafenstadt Qingdao. LGMG ist Chinas größter Hersteller von „Mining Trucks“. In großen Kohlengruben im Tagebau kommen in China an vielen Standorten jeweils mehrere hunderte solcher Fahrzeuge zum Einsatz. Mithilfe des Start-ups will der Konzern nun eigene „Vehicle Control Units“ (VCU) entwickeln.

Die erst 2012 in Jinan in der chinesischen Küstenprovinz Shandong gegründete Firma LGMG, ist seit sechs Jahren in Folge Marktführer für Muldenkipper auf dem chinesischen und seit vier Jahren auch auf dem Weltmarkt, berichtet die chinesische Industriezeitung. Die Firma treibt sowohl die Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge, als auch deren Umbau zu fahrerlosen, von „intelligenten Dispatch-Zentren“ über 5G gesteuerten Roboterkippern sehr schnell aus.

Dieser Trend zum autonomen Fahren im chinesischen Tagebau hat sich gerade in den letzten zwei Jahren noch einmal stark beschleunigt. Auch die Konkurrenz von LGMG hat bereits fahrerlose Muldenkipper auf den Markt gebracht, darunter die chinesischen Hersteller XCMG und Xiangdian Heavy Equipment. Und in der Panzhihua-Mine in Sichuan sind fahrerlose, elektrisch angetriebene Muldenkipper der Firma Skywell New Energy im Einsatz.

Der Internet-Konzern Baidu, der seit mehreren Jahren stark in Forschung & Entwicklung für das autonome Fahren investiert, ist ebenfalls in dem Segment aktiv. Mitte dieses Monats hat Baidu in der Kohlemine „Hulunbuir Yimi“ in der Inneren Mongolei einen fahrerlosen Muldenkipper vorgestellt, der mit seiner Software-Lösung „Baidu Apollo“ ausgerüstet ist. Die Fahrzeuge sind gemeinsam mit der „Huaneng Yimin Coal and Electricity Company“ entwickelt worden.

Durch unbemannte Muldenkipper kann die Ankunft der Fahrzeuge zeitlich so genau gesteuert werden, dass sie stets zum bestmöglichen Zeitpunkt am Abbauort eintreffen. Auch der Sicherheitsabstand zwischen den Trucks könne reduziert werden, berichtet die chinesische Autozeitung Zhongguo Qichebao. Dadurch werde ein „effizienterer und letztendlich ökonomischer“ Betrieb der Zechen erreicht.

Die chinesische Regierung fördert den Trend zur Automatisierung im Tagebau und Bergbau. 2020 haben die oberste Zentralplanungsbehörde NDRC und die Nationale Energiebehörde in Peking gemeinsam die „ Guiding Opinions on Accelerating the Development of Intelligent Coal Mines” veröffentlicht. Dieses Jahr folgte ein weiterer, noch detaillierter Plan, die „Guidelines for the Intelligent Construction of Coal Mines”.

Der Einsatz fahrerloser Muldenkipper und anderer Transportlösungen ist ein zentraler Bestandteil dieser Weisungen aus Peking. Es geht den Planern dabei nicht nur um Effizienz und höhere Profite im staatlichen Tagebau, der beispielsweise beim Abbau von Kohle für die Stromversorgung des Landes von großer Bedeutung ist.

Peking geht es auch stark um das Thema Sicherheit. Immer wieder kommt es in chinesischen Bergwerken und Gruben zu tödlichen Unfällen. Neben strengeren Kontrollen sieht die Zentrale in Peking vor allem in neuen Technologien eine vielversprechende Lösung für dieses Problem. Der Unfallfaktor Mensch soll auf ein Minimum reduziert werden.

Der rasche Ausbau des 5G-Netzes überall in China, der von Volumen und Tempo her weltweit führend ist, ermöglicht nun die rasche Modernisierung der chinesischen Bergwerke und Tagebau-Gruben. Die chinesische Investmentfirma Chentao Capital sagt voraus, dass allein der Markt für fahrerlose Muldenkipper in China innerhalb weniger Jahre auf einen jährlichen Gesamtwert von mehr als 13,5 Milliarden Euro anwachsen könnte. Für die Hersteller solcher Fahrzeuge gebe es momentan „beispiellose Chancen“, wird auch der Analyst Peng Songlin in chinesischen Medienberichten zitiert. „Dies ist wie eine Spur von Gold-Nuggets im Bereich des autonomen Fahrens“, sagte Peng.

* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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