Datenkabel In der Automobilfabrik der Zukunft geht der Trend zu Ethernetkabeln

In vielen Bereichen des täglichen Lebens werden Datenleitungen durch Funkstrecken ersetzt. Und auch die Stromversorgung kann zumindest teilweise induktiv erfolgen. Da kommt dann die Frage auf: Werden zukünftig in den Automobilfabriken weniger Kabel und Steckverbinder benötigt? Wir sprachen darüber mit Georg Stawowy, Vorstand Technik und Innovation der Lapp Holding AG, Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnik.

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Georg Stawowy ist Vorstand Technik und Innovation der Lapp Holding AG in Stuttgart.
Georg Stawowy ist Vorstand Technik und Innovation der Lapp Holding AG in Stuttgart.
(Bild: Günter E. Bergmann)

Wie sieht die Zukunft im Automobilbau aus, wenn es um Kabel geht?

Stawowy: Der Automobilbau wird weiter wachsen und damit auch der Bedarf an Verbindungstechnologie. Die Grenzen der WLAN-Technologie hinsichtlich Geschwindigkeit, Datensicherheit und Stabilität machen das Kabel nicht überflüssig. Wir denken, beides wird wachsen.

Bezüglich der Gebäudeinfrastruktur gibt es in der Automobilindustrie ja einen Trend hin zu Ethernet. Wie macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Stawowy: Wenn ich grundsätzlich die Entwicklung von Bus-Kabeln zu Ethernet-Kabeln sehe, dann hat Ethernet eine um vier bis fünf Prozentpunkte höhere Wachstumsrate. Wobei auch Kabel für andere Bussysteme hohe zweistellige Wachstumsraten haben.

Was die Elektromobilität betrifft, liefert Lapp doch auch Kabel für das Fahrzeug...?

Stawowy: Ja, bei der Elektromobilität liefern wir Kabel für das Fahrzeug. Genau genommen liefern wir ganze Ladesysteme, also Kabel mit Stecker und Elektronik für das Auto. Wir sind hier sehr positiv gestimmt und rechnen hier mit hohen Wachstumsraten. Die Wachstumsziele, die von Frau Merkel ausgegeben wurden, werden allerdings von vielen angezweifelt. Doch wer je ein Elektroauto gefahren hat, versteht, dass es hoch attraktiv ist, damit zu fahren.

Wie läuft das Geschäft mit den Ladesystem?

Stawowy: Der Markt mit heutigen Ladesystemen wächst. Sie können das im Straßenverkehr sehen, denn man sieht ja doch immer mehr E-Autos. Bei den Ladesystemen gibt es noch einiges zu tun, denn es gibt dort verschiedene Standards: für das Schnellladen, Gleichstromladen oder das induktive Laden. Wenn wir da über Innovationen sprechen, sind wir noch nicht da, wo es das „dominante Design“ gibt. Wir sind in einer Phase, wo alle Hersteller nach dem richtigen Weg suchen.

Wie wird denn beim Bestellen von Ladekabeln das von Lapp betriebene Onlineportal genutzt?

Stawowy: Der Bestellgenerator wird gut genutzt. Wir haben pro Jahr mehrere Tausend Zugriffe. Das Portal wird hauptsächlich von Endverbrauchern genutzt.

Wie viele Bestellung gehen denn darüber ein und welche Kabel sind das im Einzelnen?

Stawowy: Die Bestellungen bewegen sich im vierstelligen Bereich. Besonders oft wird die Lapp Helix nachgefragt. Sie ist ein weltweit einmaliges Ladesystem für Elektrofahrzeuge. Einmalig daran ist die ,Schneckenform' des Ladekabels. Darauf haben wir auch das Patent. Dadurch ist die Lapp Helix besonders kompakt: Sie wiegt 40 % weniger als herkömmliche Ladesysteme mit gewendelten Kabeln, wie beispielsweise das Telefonkabel. Und sie braucht nur halb so viel Platz und ist 25 % billiger. Das Kabel liefern wir mit allen gebräuchlichen Ladesteckertypen.

Lapp will seinen Umsatz von heute 820 Mio. Euro auf 2,02 Mrd. Euro im Jahr 2020 steigern. Welchen Anteil soll hier die Automobilbranche beitragen und mit welchen Zuwächsen rechnen Sie?

Stawowy: Wir haben starke Zuwächse in dieser Branche und rechnen bis 2020 mit prozentualen Zuwächsen im deutlich zweistelligen Bereich.“

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