Energieeffizienz In Green IT steckt mehr als sparsame Prozessoren

Redakteur: Claudia Otto

Viele Hersteller schmücken ihre Produkte gerne mit dem Label Green IT. Doch tun sie das auch zu Recht? Helmut Müller, Geschäftsführer der Penta GmbH, erklärt im Interview, warum verbesserte Energieeffizienz der Prozessoren alleine nicht ausreicht und was für ihn echte umweltfreundliche Computertechnik ausmacht.

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Robuste PC-Systeme können zum Beispiel als multifunktionale Gabelstapler-PC die Intralogistik deutlich effizienter gestalten. (Bild: Penta)
Robuste PC-Systeme können zum Beispiel als multifunktionale Gabelstapler-PC die Intralogistik deutlich effizienter gestalten. (Bild: Penta)

Herr Müller, Sie sagen, viele Produkte nennen sich zu Unrecht Green IT. Warum?

Die meisten Produkte, die unter dem Label Green IT firmieren, integrieren lediglich die neuesten Prozessorgenerationen, die in der Regel stromsparender sind als die Vorgängerversionen. Wenn das alles ist, was diese Geräte zum Umweltschutz beitragen, dann sage ich: Das ist Etikettenschwindel!

Denn es gibt noch weitere von PC verursachte Umweltbelastungen als nur den Stromverbrauch im Betrieb. Nehmen Sie zum Beispiel die Herstellung und Entsorgung von Computern. Die ist für knapp 2% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, etwa so viel, wie der internationale Flugverkehr verursacht.

Dazu kommen noch der Verbrauch natürlicher Ressourcen für den Bau der Systeme und mögliche Umweltbelastungen durch schwer abbaubare Stoffe bei der Entsorgung. Und diese angeblich umweltfreundlichen Geräte ignorieren diese Punkte einfach.

Inwiefern?

Die Geräte sind oft auf kurze Standzeiten angelegt. Im Reparaturfall oder bei Upgradewunsch wird der Computer komplett ausgetauscht. Aber IT ist kein Wegwerfprodukt! Bei jedem PC, der hergestellt beziehungsweise entsorgt wird, wird die Umwelt belastet. Also ist doch der PC, der über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann, umweltfreundlicher als einer, der bereits nach nur kurzer Standzeit ersetzt werden muss.

Dazu muss man auch die schiere Zahl von Industriecomputern ansehen, die zum Beispiel in Fertigungshallen bei der Produktion oder in der Logistik eingesetzt werden, etwa als Frontend für Steuerungs- und Produktionsanlagen oder zur Routen- und Prozessüberwachung in der Logistik. Bis zum Jahre 2014 wird das Marktvolumen dieser PC auf rund 1,7 Mrd. Euro ansteigen. Stellen Sie sich bitte mal die Umweltbelastung und Ressourcenverschwendung vor, wenn diese Menge an Systemen nach nur kurzer Zeit wieder auf dem Müll landet und ersetzt werden will!

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