Werkzeugmaschinen-Export Indiens Industrie will mehr Qualität produzieren

Autor Stéphane Itasse

Die Prognosen klingen viel versprechen: Eine jährliche Wachstumsrate von 12,6 % für den indischen Werkzeugmaschinenmarkt erwartet das Analysehaus Absolute Reports in einer aktuellen Studie. Auch der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW) geht von einem starken Wachstum aus.

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Die indische Fertigungsindustrie setzt immer mehr auf technisch fortgeschrittene Werkzeugmaschinen.
Die indische Fertigungsindustrie setzt immer mehr auf technisch fortgeschrittene Werkzeugmaschinen.
(Bild: kuhnleknoedler)

Der VDW-Prognosepartner Oxford Economics sieht Indien in Sachen Wachstumsdynamik 2017 und 2018 im Spitzenfeld der globalen Werkzeugmaschinenmärkte. Vor diesem Hintergrund veranstaltet der VDW am 20. September einen India Day auf der Messe EMO in Hannover. Christoph Miller, Leiter Messen bei VDW, erläutert: „Derzeit ist Indien der einzige BRIC-Staat, der ein signifikantes Wachstum bei Produktions- und Kapitalinvestitionen aufweist. In der Werkzeugmaschinenindustrie liegt das Land auf Platz acht der größten Märkte. Indiens Wirtschaft wächst augenblicklich schneller als die anderer Industrieländer.“ Da auf dem Subkontinent die Fertigungsindustrie zudem gerade einmal 15 % zum BIP beiträgt, sieht Miller deshalb hier noch ein ganz enormes Wachstumspotenzial.

Fertigungsindustrie in Indien wächst bereits kräftig

Doch schon jetzt wächst die Fertigungsindustrie in Indien kräftig und stützt damit diese optimistischen Erwartungen. Bis April 2017 (neueste vorliegende Zahlen) wuchs sie vier Monate in Folge, wie der Einkaufsmanagerindex des Landes, der Nikkei Markit India Manufacturing Purchasing Managers Index, zeigt. Er kletterte auf einen Stand von 52,5 Punkten, vor allem aufgrund von starken Auftragseingängen. Laut Pollyanna De Lima, Wirtschaftswissenschaftlerin bei IHS Markit und Autorin des Reports, gehen die indischen Hersteller von einem weiteren Aufschwung aus. Gründe hierfür seien Kapazitätsausweitungen, die Markteinführung neuer Produkte, aggressive Marketingkampagnen und verbesserte Wirtschaftsaussichten.

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Noch mehr Wachstum versprechen die aktuellen Veränderungen in der Nachfragestruktur des indischen Werkzeugmaschinenmarktes. „Es gibt definitiv einen Anstieg von einfachen Maschinen zu flexiblerer Ausrüstung wie 5-Achs-Maschinen. Indem sich Indien auf die Anforderungen des globalen Marktes zu bewegt, steigen auch Präzision und Wiederholgenauigkeit. Deshalb investieren die Kunden in Qualitätsmaschinen“, beobachtet Brett Allard, Direktor für Vertrieb und Marketing bei der indischen Tochter des Messtechnikherstellers Renishaw. Selbst wenn die Stückzahlen der verkauften Maschinen leicht sinken, egebe sich ein Wachstum durch den höheren Wert der Anlagen.

Bisher importiert Indien 50 bis 55 % seiner Maschinen, wie Rajesh Khatri, Executive Director und CEO des Maschinenbauers Tal Manufacturing Solutions, erläutert. „Dies liegt vor allem daran, dass Sondermaschinen nicht in Indien hergestellt werden, insbesondere nicht die großen Maschinen für die Luft- und Raumfahrtindustrie“, sagt er. Doch auch die lokalen Hersteller hätten noch ihre Hausaufgaben zu machen. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, um auf der technischen Seite aufzuholen. Kleinere Sachen wie die Ästhetik, aber auch die Qualität und die Zuverlässigkeit der Maschinen sind einige Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen, um das Weltniveau zu erreichen“, sagt er. Aus diesem Grund geht Khatri davon aus, dass die Importe noch mindestens in den kommenden zwei bis drei Jahren hoch bleiben werden, auch wenn sich die lokalen Hersteller bemühen würden.

Indiens Werkzeugmaschinenimporte dürften hoch bleiben

Ein weiterer wichtiger Wachstumstreiber ist laut Khatri die Automation. „Die Roboterdichte liegt in Indien bei weniger als 1,1 pro 10.000 Mitarbeiter. In China liegt sie bei 50 und das Land hat eine Wachstumsrate von 90 % pro Jahr in den vergangenen Jahren benötigt, um diese Zahl zu erreichen. Korea liegt bei 450 – stellen Sie sich vor, wohin wir gehen müssen und welche Anstrengungen wir unternehmen müssen, um aufzuholen. Doch das Gute daran ist, dass es ein steigendes Bewusstsein für diese Trends und eine zunehmende Anpassung daran in unserem Land gibt“, sagt der Chef des indischen Werkzeugmaschinenherstellers.

Etablierte Werkzeugmaschinenbauer setzen sich in Indien hohe Ziele

So ist es kein Wunder, dass sich auch die Qualitätsanbieter in Indien hohe Ziele setzen. „Für uns sind zweistellige Wachstumsraten das Minimum“, sagt Allard mit Blick auf die kommenden fünf Jahre. Und er ergänzt: „Wir könnten potenziell unser Geschäft nur durch organisches Wachstum verdoppeln, das heißt durch das Finden neuer Märkte, neuer Kunden und neuer Anwendungen für unsere bestehenden Kunden.“ Allerdings ist es aus seiner Sicht in Indien schwierig, alle potenziellen Kunden zu entdecken und zu bearbeiten. Hier müsse man auf eine smarte Weise herangehen.

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„Wir hatten im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum. Der indische Markt wird reifer und konzentriert sich mehr auf die Produktivität“, sagt auch Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender der DMG Mori AG. Die disruptiven Verfahren, die das Unternehmen in Europa anbiete, würden den Druck auf den indischen Markt erhöhen, nicht nur im Hinblick auf die Produktivität, sondern auch auf die Stückkosten. Außerdem gebe es zahlreiche Unternehmen, die hoch entwickelte und produktive Anlagen verlangen würden, um ihr Exportgeschäft zu steigern, zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrt. „Wir glauben, dass wir in Indien ein gewaltiges Wachstum haben werden, weil wir dort schon für unsere Dreh- und Fräsmaschinen bekannt sind und die besten 5-Achs-Maschinen anbieten“, meint Thönes.

DMG Mori sieht bessere Schulung der Kunden als entscheidend an

Dabei würden die Kunden oft nicht alle Möglichkeiten und das gesamte Produktivitätspotenzial der Maschinen ausnutzen, erläutert er weiter. „Wir werden deshalb in diesem Jahr in Mitarbeiter investieren, sodass wir nicht nur Maschinen verkaufen, sondern auch die Kunden zur optimalen Nutzung der Maschinen fortbilden – das ist entscheidend für unser Geschäft“, sagt der DMG-Mori-Vorstandsvorsitzende. Allein dafür will er zehn Verkaufsmitarbeiter auf dem Subkontinent neu einstellen. Außerdem will DMG Mori ein Reparaturzentrum für Spindeln einrichten. Als Umsatzziel für Indien hat Thönes die Summe von 100 Mio. Euro ausgegeben. „Wir sind noch nicht dort, aber wir werden voraussichtlich in diesem Jahr unsere Zahlen verdoppeln“, erläutert er.

Für Ewag und Walter ist der indische Markt noch klein, aber er wächst stetig, sagt Christian Dilger, Geschäftsführer Vertrieb der Tübinger Unternehmen, die beide zur Körber-Gruppe gehören. Er hofft auf ein schnelleres Wachstum in Indien für die kommenden fünf bis zehn Jahre. „Auf der anderen Seite wachsen viele mittelständische Werkzeughersteller Indiens stark. Da sie neue Maschinen auf dem lokalen Markt kaufen und wir neue Maschinen für diesen Markt herstellen oder entwickeln, haben wir von ihnen eine starke Nachfrage. Deshalb erwarten wir für dieses Jahr ein Wachstum von 5 bis 10 % für unser Indiengeschäft“, berichtet Dilger.

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