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Dr. Heinz-Jürgen Prokop im Exklusiv-Interview:

Industrie 4.0: Schrittweise zur vernetzten Fabrik

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Firmen zum Thema

Connectivity ist Thema Nr. 1

MM: Es gibt ja sicherlich auch den Fall, dass Ihre Kunden nicht nur Trumpf-Maschinen in ihrer Fertigung stehen haben. Wie gehen Sie damit um?

Prokop: Damit wollen und können wir umgehen. Deshalb haben wir in einem Workshop im VDW erarbeitet, was wir unter Wettbewerbern gemeinsam zum Thema Industrie 4.0 machen können. Thema Nr. 1 war Connectivity. Und mit Umati, dem Universal Machine Tool Interface, haben wir beziehungsweise sind wir dabei, einen Standard zu schaffen, der weltweit Akzeptanz findet. Alle namhaften Steuerungshersteller haben sich bereit erklärt, diese Schnittstelle in ihrer Steuerung anzubieten. Ich nenne das den USB-Stecker für Werkzeugmaschinen. Und damit wird es dann deutlich leichter, alle für die Produktionssteuerung wichtigen Daten einer Maschine zu verstehen, beispielsweise ob die Maschine Störungen hat oder wie weit ein Auftrag ist. Diese Informationen erhält das Fertigungssteuerungssystem dann automatisch.

MM: Umati ist bisher in der Zerspanungswelt ein Thema. Welche Rolle spielt es in der Blechverarbeitung?

Prokop: In Deutschland ist Trumpf der einzige große Hersteller von Maschinen für die flexible Blechfertigung. Unsere Wettbewerber schauen sich die Situation aber auch genau an. Sie haben es zum Teil einfacher, weil sie die Schnittstelle mit der Steuerung einfach mitkaufen. Wir kaufen nur die Hardware und entwickeln die Software selbst und müssen deshalb den Umati-Server auch selbst in unsere Steuerung integrieren. Aber selbst unsere japanischen Wettbewerber interessieren sich für Umati. Auch die japanischen Steuerungshersteller haben sich dem Umati-Projekt angeschlossen. Und das ist ein gutes Zeichen, dass sich Umati weltweit und auch in der Blechbearbeitung durchsetzen wird.

MM: Sie haben mit Axoom ein Unternehmen gegründet, das speziell kleinen Unternehmen helfen sollte, die Digitalisierung zu bewältigen. Nun haben Sie Axoom verkauft. Warum?

Prokop: Das ist so nicht ganz richtig. Wir haben nicht Axoom, sondern den Standort Karlsruhe an GFT verkauft. Mit GFT haben wir seit Langem eine enge Entwicklungspartnerschaft. Mit Axoom haben wir die vertikale Vernetzung gelöst. Wir haben bereits einige Maschinen-Apps im Markt, die die Daten der Maschine und der Aufträge anzeigen. Wenn wir aber in die Horizontale gehen, also in die Prozesssteuerung in der Fertigung, wird die Welt extrem komplex. Jeder Kunde hat andere Prozesse, hat andere Vorstellungen, da gibt es noch keinen Standard. Deshalb konzentrieren wir uns zunächst auf die Blechfertigung.

MM: Was bedeutet das für die Kunden?

Prokop: Die Marke Axoom bleibt weiter bei Trumpf und wir haben auch einen Teil der Mitarbeiter übernommen. Wir entwickeln jetzt mit Axoom stabile Standards für die Blechfertigung. GFT möchte sein industrielles Spektrum erweitern und ist da auch schon erfolgreich auf dem Weg. GFT ist auch weiterhin als Dienstleister für uns tätig. Unsere Kunden werden von diesem Schritt profitieren, weil wir sicher sind, durch die Fokussierung auf die Blechfertigung schneller voranzukommen.

MM: Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung in der Blechverarbeitung ein? Es heißt oft, die USA seien weiter als wir.

Prokop: Da muss man natürlich genau unterscheiden zwischen dem Consumer-Bereich und der Industrie. Was die Consumer-Welt angeht, sind die USA selbstverständlich weiter, mit den Großunternehmen, die wir alle kennen. Aber die Produktionswelt ist eben sehr viel komplexer. Das liegt zum einen daran, dass wir bisher nicht so einfach an die Daten herankommen, die wir benötigen. Und dann spielt das Domain-Wissen ein große Rolle. Denn wenn wir die Daten haben, müssen wir daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Und dafür muss man ein tiefes Verständnis für die Technologien und Prozesse haben, die dem zugrunde liegen. Insofern kann man nicht sagen, dass wir hier zurückliegen – ganz im Gegenteil.

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