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Dr. Heinz-Jürgen Prokop im Exklusiv-Interview:

Industrie 4.0: Schrittweise zur vernetzten Fabrik

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Firmen zum Thema

KI muss schrittweise erarbeitet werden

MM: Die Digitalisierung ist noch gar nicht völlig umgesetzt, da taucht schon das nächste Thema am Horizont auf: die Künstliche Intelligenz. Wie ist die Branche darauf eingestellt?

Prokop: Wir sehen das eigentlich als i-Tüpfelchen. Es war auf der Hannover Messe deutlich, dass der Begriff Industrie 4.0 schon gar nicht mehr erschien, sondern dass KI oder AI, Artificial Intelligence, das beherrschende Thema war. Letztlich ist das ja der nächste Schritt.

MM: KI ist die Fortsetzung der Digitalisierung?

Prokop: Über die Digitalisierung erhalten wir Daten und aus diesen Daten müssen wir jetzt Werte erzeugen. Und dafür nutzen wir die KI, indem wir Muster in den Daten erkennen, die dann Aufschluss geben über Maschinenzustände oder Abläufe in der Produktion. Auch dieses Thema muss schrittweise erarbeitet werden. Es gibt keinen Kaltstart und ab morgen ist überall KI im Einsatz, das geht alles Stück für Stück.

MM: Was ist jetzt schon konkret möglich?

Prokop: Wir haben beispielsweise viele Sensoren in unseren Maschinen, die uns wertvolle Daten senden. So setzen wir sie zum Beispiel zur Achsdiagnose ein, mit dem Ziel, die Motoren so anzusteuern, dass keine Schwingungen im System auftreten. Mittlerweile sind wir in der Lage, auf Basis der gesendeten Daten die Filtereinstellungen neu zu berechnen und auf der Steuerung online zu ändern, damit Schwingungen vermieden werden. Dies kann in der Zukunft auch Auswirkungen auf die Struktur der Maschine haben. Sie kann leichter gestaltet werden, wenn Schwingungen aktiv vermieden werden.

MM: Tritt bei der KI nicht ein Problem auf, das es auch schon bei der Digitalisierung aufgekommen ist: Ihre Kunden müssen Ihnen Daten zur Verfügung stellen, damit Sie damit arbeiten können. Ist das ein Problem?

Prokop: Bisher sehr selten, die Skepsis unserer Kunden ist gering. Und das betrifft Großunternehmen wie kleine Unternehmen. Wir dürfen ja berichten, dass wir die Daten unserer Laser und Optiken aus der Fertigungslinie bei Daimler über Axoom zu uns bringen, vorbeugende Serviceauswertungen betreiben und damit auch schon Stillstände am Band vermeiden konnten. Ich glaube, der Mehrwert, den die Kunden darin sehen, überwiegt letztlich doch die Skepsis. Das hat aber sicher auch was damit zu tun, dass wir als Unternehmen ein gutes Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden aufgebaut haben und man uns vertraut. Denn es lässt sich ja nicht alles absichern. Wir sehen natürlich viel mehr in den Daten, als für den eigentlichen Zweck notwenig ist. Da muss das Vertrauen gegeben sein, dass solche Erkenntnisse dann nicht anderweitig verwendet werden. Es entspricht unserer Firmenkultur, diese Werte hochzuhalten. Das gehört einfach zur DNA von Trumpf und ist fester Bestandteil unserer Schulungen.

MM: Noch ein Wort zur Blechexpo – haben Sie ein bestimmtes Thema im Fokus?

Prokop: Wir haben natürlich immer wieder Neuerungen auf unseren Maschinen. Aber das große Thema ist nach wie vor die Smart Factory, die Messe steht nach wie vor unter dem Schlagwort get connected. Dies ist immer noch ein attraktives Thema, weil noch viele Aufgaben zu lösen sind. Und wir haben ja auf unseren Messen immer schöne Showcases, die dem Kunden wirklich zeigen, dass ein gesamter Fertigungsprozess digital abgebildet werden kann und welche Vorteile die Transparenz schafft. Wir haben gelernt, dass man es möglichst einfach darstellen muss, und erzeugen da auch immer wieder viele Aha-Erlebnisse. (us)

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