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China Market Insider Industrie in China zeigt erste Anzeichen einer Erholung

| Autor / Redakteur: Henrik Bork / M. A. Benedikt Hofmann

Über den aktuellen „Bagger-Index” für die Maschinenindustrie, den sogar Chinas Premier eigenen Aussagen zufolge stets auf dem Radar hat und die zaghafte Erholung der verarbeitenden Industrie berichten wir in dieser Ausgabe unseres „China Market Insider”.

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Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
(Bild: ©vegefox.com - stock.adobe.com)

Gewaltige Infrastrukturausgaben der chinesischen Regierung haben begonnen, den Schock der Corona-Krise für die Maschinenindustrie zu dämpfen. Rekordverkäufe von Baggern im März und April deuten darauf hin, dass Peking die heimische Wirtschaft mit massiven Stimulus-Ausgaben alten Stils zu stützen versucht. Die Finanzierung von Bauarbeiten in ganz China sei „gut für die Schwer- und Baumaschinenindustrie” des Landes, sagte Chen Bin, Vizepräsident des Verbandes chinesischen Maschinenindustrie.

Die Verkaufszahlen von Baggern genießt in China den Ruf einer „Wetterfahne” für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Im März stieg der Absatz um 11,6 %. „Bauarbeiten im Bereich Infrastruktur gewinnen rapide an Fahrt”, zitierte das Wirtschaftsmagazin Caixin einen Sprecher des Bagger-Herstellers Sany. Gemeinsam konnten die 25 größten Bagger-Produzenten Chinas im März 49,408 der Maschinen verkaufen, fast ausschließlich im heimischen Markt. Dies ist ein monatlicher Absatzrekord, den es seit dem Jahr 2006 nicht gegeben habe, berichtet die Zeitung.

Für den April werden noch höhere Verkaufszahlen von Baggern vorhergesagt. Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass Peking örtliche Regierungen mit billigen Krediten flutet und zur Ankurbelung seiner Corona-geschädigten Volkswirtschaft landesweit in neue Straßen, Häfen, Kanäle, Flughäfen und andere Infrastrukturprojekte investiert.

Chinas Premier Li Keqiang hatte einst beim Besuch einer Fabrik der Sany-Gruppe gesagt, dass er den von der Firma regelmäßig erstellten „Bagger-Index” aufmerksam verfolge. Wieviele Bagger Sany und andere große Firmen verkauften, sei ihm eine „wichtige Hilfe bei der Analyse der makroökonomischen Situation”, sagte Chinas Premier. Momentan sind die geradezu explodierenden Bagger-Verkäufe einer der wenigen Lichtblicke für alle, die auf eine rasche Konjunkturerholung in China im Zuge der Krise hoffen.

Die kommunistische Staats- und Parteiführung in Peking hat bislang keine konsolidierten Zahlen für ihre Stimulus-Ausgaben veröffentlicht, doch schon vereinzelte Pakete auf nationaler Ebene und in mehreren Provinzen deuten daraufhin, dass in China gerade massiv die Notenpressen angeworfen werden und die Betonmischer rotieren, sehr ähnlich wie nach der globalen Finanzkrise im Jahr 2009.

So habe die nationale Planungskommission NDRC allein bis zum 3. März dieses Jahres schon 228,6 Mrd. chinesische Yuan (knapp 30 Mrd. Euro) für Infrastrukturprojekte freigeben – beinahe eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Finanzministerium hat bis zum 20. März viele Mrd. Yuan für den Bau von Häfen und Flughäfen bereitgestellt.

Auch Chinas Provinzen drehen auf Anordnung aus Peking nun den Geldhahn auf. In Guangdong, Hunan und Shanxi ist der Bau neuer Kraftwerke angekündigt worden, in der Provinz Yunnan werden neue Windturbinen aufgestellt. „Gut für die Energiegeräte-Industrie”, freut sich Chen vom Verband der Maschinenbauer. Eine einzige Küstenprovinz wie Zhejiang im reichen Osten des Landes hat im Zuge der Corona-Krise angekündigt, nun drei Billionen Yuan (390 Mrd. Euro) in seine Transport-Infrastruktur zu investieren. Dies sind nur Beispiele.

Insgesamt könnten die Stimulus-Ausgaben Chinas im Bereich Infrastruktur im laufenden Jahr 22 bis 26 Billionen Yuan erreichen, also zwischen 2,8 und 3,4 Billionen Euro) schätzte Zhao Yayun, ein Ökonom der China CITIC Reform- und Entwicklungsstiftung letzte Woche in einem Interview mit der Börsenzeitung „Zhengquan Ribao”.

Zwar wurden sofort auch kritische Stimmen laut, die anmerkten, solche Infrastrukturausgaben würden sich weder schnell genug positiv auf den nach Corona gedämpften Privatkonsum auswirken, noch könnten sie den privaten Sektor der chinesischen Wirtschaft stützen. Auch macht den Herstellern nun ein Einbruch bei den Exporten zu schaffen. Immerhin aber bleibt festzuhalten, dass China Regierung gerade alle ihr zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung setzt, um die Konjunktur zu stützen.

Erst positive Effekte auf die Maschinenindustrie in China, nicht bloß auf den Verkauf von Baggern, sind bereits zu verzeichnen. „Die Maschinenindustrie hat die Wiederaufnahme ihrer Produktion beschleunigt”, sagt Chen Bin vom Nationalverband der Maschinenindustrie.

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