DIHK-Umfrage Industriestandort Deutschland ruht auf solidem Fundament

Redakteur: Jürgen Schreier

Ungeachtet der aktuellen Krise hat der Produktionsstandort Deutschland ein solides Fundament und große Zukunfts-Chancen. Das zeigt eine aktuelle Industrie-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

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„Unsere Befragung bei mehr als 700 Industriebetrieben und industrienahen Dienstleistern zeigt, dass die Unternehmen zwar langfristig mit tendenziell sinkenden Weltmarktanteilen deutscher industrieller Wertschöpfung rechnen; sie gehen aber auch davon aus, dass sie in rund zehn Jahren noch immer mehr als die Hälfte der Wertschöpfung ihrer Industrieprodukte hierzulande erbringen. Die anderen 50 Prozent werden von internationalen Zulieferern oder eigenen Produktionsstätten im Ausland erbracht. Bei gleichzeitig steigenden Exportvolumina dürfte damit also eine weiter steigende Industrieproduktion in Deutschland verbunden sein,“ so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Enge Vernetzung wird positiv bewertet

Ein klares Standortplus sieht sie Umfrage in der Unternehmensdichte sowie die Vielfalt im Bereich der Industrie und der angrenzenden Dienstleister: Bei der Bewertung verschiedener Standortfaktoren geben die Unternehmen der „Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen und Dienstleistern vor Ort“ nach Schulnoten eine 2,1 – der beste Wert überhaupt. Gut im Vergleich zu anderen internationalen Standorten bewerten die Unternehmen auch die IT-Infrastruktur (Note 2,3), die Rechtssicherheit (2,4), die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen (2,5) und den sozialen Frieden (2,6).

„Doch das Engagement der Unternehmen braucht politische Unterstützung“, gibt Wansleben zu bedenken. „Ohne klares politisches Bekenntnis zum heimischen Produktionsstandort ist langfristig wettbewerbsfähige Industrie in Deutschland kaum möglich.“

Die Unternehmen geben – jenseits der aktuellen Krisenaktivitäten – der industriebezogenen Wirtschaftspolitik allerdings nur die Note 3,6. Hauptkritikpunkt: Ein zu engmaschiges umwelt-, sozial oder verbraucherschutzpolitisches Regelwerk aus Berlin und Brüssel sei nicht geeignet, dass sich der Industriestandort Deutschland festige und modernisiere.

Steuerrecht bekommt die Note 5

Als eindeutig nicht wettbewerbsfähig schätzen die befragten Unternehmen das deutsche Steuerrecht ein. Es sei zu kompliziert und habe strukturelle Webfehler (zum Beispiel Zinsschranke, Mantelkaufregelung, Funktionsverlagerungen). In der Umfrage wird es mit der Note „mangelhaft“ bedacht.

Weitere Bremsklötze sin laute Umfrage die strukturell zu hohen Energiekosten und das unflexible Arbeits- und Tarifrecht (beide 4,1). Eine Hürde ist auch der Fachkräftemangel (3,6). Hier bedarf es entscheidender bildungs- und zuwanderungspolitischer Weichenstellungen. Die aktuelle Situation in der Krise darf nicht die Orientierung für langfristige Politik sein.

Kein Rückverlagerungstrend erkennbar

Infolgedessen haben auch zwei von zehn Unternehmen durchaus eine Auslandsverlagerung von Teilen ihrer Produktion im Auge. Bei den Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern sind es – aufgrund ihrer größeren internationalen Verflechtung – sogar 40%. Und wer einmal fort ist, kommt nicht so ohne Weiteres wieder zurück: Ein aktuelle DIHK-Umfrage zu den Rückverlagerungsplänen deutscher Industrieunternehmen zeigt, dass nur 4% der im Ausland engagierten Unternehmen für dieses Jahr Rückverlagerungspläne haben.

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