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Nachwuchsgewinnung Infotrucks informieren Schüler über Metall- und Elektroberufe

| Redakteur: Jürgen Schreier

Über den Berufescout den Traumjob finden, mit einer computergesteuerten CNC-Fräsmaschine eigene Teile fertigen oder via 3D-Software durch Unternehmen streifen: Die neuen Infotrucks der Metall- und Elektro-Industrie geben tiefe Einblicke in die vielfältige Berufswelt der Branche. Bei den ersten vor Ort-Einsätzen der neuen Fahrzeuge sind Schüler und Lehrer begeistert.

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Die Schüler können unter anderem eine CNC-Fräsmaschine programmieren und ein Werkstück selbst fertigen.
Die Schüler können unter anderem eine CNC-Fräsmaschine programmieren und ein Werkstück selbst fertigen.
(Bild: Pit Junker)

Chintawee wirkt recht zufrieden. „Die Gestaltung von Autos“, sagt sie mit Nachdruck, „hat mich sehr angesprochen.“ Doch regelrecht begeistert war die fünfzehnjährige Schülerin von einer ganz anderen Sache: „Ich wusste gar nicht, dass es in dem Industriebereich so viele Berufe gibt.“

Einige von diesen zahlreichen Berufen hatte sich Chintawee zuvor bei einem virtuellen Rundgang durch ein Automobilwerk angeschaut. Die interaktive Erkundungsreise fand auf einem großen, völlig neu entwickelten Multitouch-Tisch statt, auf dem eine animierte 3D-Software läuft. Die ermöglicht bis zu sechs Besuchern gleichzeitig den Gang durch einen Betrieb.

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Chintawee und fünf ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler der Klasse 9a der Realschule Bretzelnweg in Düren tauchten so zusammen tief in den Produktionsprozess eines Autos ein. Sie zoomten sich in die Entwicklungsabteilung, kontrollierten den Materialfluss, gingen durch die Montage und schauten bei der Qualitätssicherung vorbei. So ganz nebenbei lernten sie noch die unterschiedlichsten Berufe und die entsprechenden Tätigkeitsfelder kennen. Danach war für Chintawee klar: „Den kaufmännischen Bereich finde ich für mich total interessant.“

Spaß und Nutzen mit neuer Multimedia-Technik

Stattgefunden hat die Erkundungstour in einem brandneuen Infotruck der Metall- und Elektro-Industrie. Die ersten von insgesamt zehn geplanten Fahrzeugen sind seit einigen Wochen bundesweit im Einsatz. Bis 2016 sollen sie alle älteren Infomobil-Gelenkbusse ersetzen, mit denen die Branche seit mehr als zwei Jahrzehnten eine intensive, mobile Berufsinformation betreibt, vorrangig an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

„Natürlich mussten nach all den Jahren neue Arbeitsstationen, Maschinen und Experimente her“, freut sich auch Claudio Schmickler, der seit fast 18 Jahren mit den Informationsfahrzeugen durch Deutschland reist und Schülerinnen und Schüler über die Berufe der Metall- und Elektro-Industrie informiert. „Vor allem haben wir die neue Multimedia-Technik“, betont Schmickler, „die bietet mehr Möglichkeiten, mehr Abwechslung und neue Themen, in die man sich auch als Berater erst einmal einarbeiten muss.“

Das hat Schmickler natürlich getan und man merkt ihm den Spaß an, den ihm und seinem Team die neuen Fahrzeuge bereiten. Und das gilt allein schon für die Außenansicht. Denn wie der 18 Meter lange Truck mit seiner hydraulisch ausfahrbaren zweiten Etage und der markanten Außengestaltung da auf dem Schulhof der Realschule Bretzelnweg steht, ist er schon ein echter Hingucker. „Wir haben mehr Raum und mehr Licht“, sagt Schmickler, „und das gibt eine deutlich interessantere und angenehmere Atmosphäre.“ Und das gefällt auch den Schülern: „Ich finde den Truck vom Design her ziemlich ansprechend“, sagt der 14-jährige Philip, „aber auch die Tablets und die Möglichkeiten Experimente durchzuführen, finde ich sehr cool.“

Auch Eltern können sich informieren

Die zweigeschossigen Trucks mit ihren rund 80 Quadratmetern Präsentationsfläche bieten Schülern, aber auch Eltern, die Möglichkeit, typische Arbeitsplätze der M+E-Industrie mit ihren technischen Zusammenhängen zu erkunden und vor allem auszuprobieren. So können sie unter anderem eine computergesteuerte CNC-Fräsmaschine programmieren und ein Werkstück selbst fertigen. Ein Aufzugmodell demonstriert anschaulich, warum eine intelligente IT-Steuerung die Wartezeit für die Nutzer deutlich reduziert. Begleitet werden die Exponate durch interaktive Aufgabenstellungen und Hintergrundinfos auf Tablets.

„Ich dachte immer, die Metallbranche wäre ziemlich langweilig“, sagt der 15-jährige Johannes, „aber dann habe ich an der Fräse gestanden und es hat richtig Spaß gemacht, beispielsweise die Koordinaten einzugeben.“ Und auch Mitschüler Nico ist von dem Angebot ganz angetan. Er hat zwar schon im Herbst ein Praktikum in einem Metallbetrieb gemacht, aber dennoch im Infotruck eine Menge gelernt, „da ich ja bei meinem Praktikum nur den einen Beruf kennen gelernt habe und hier dagegen sieht man gleich mehrere Berufe und kann die vergleichen.“

Mit dem Berufescout den Traumjob finden

Dazu trägt auch ein sogenannter Berufescout auf einem lebensgroßen Touch-Monitor bei. Der erklärt wichtige Inhalte zu den M+E-Berufen und zeigt das Ausbildungsangebot sowie freie Lehrstellen von Unternehmen in der Region. Ein Angebot, dass auch Klassenlehrerin Gabi Geuenich schätzt. Sie hat in den letzten Jahren mehrfach Abschlussklassen unterrichtet und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Spektrum der Berufe den Schülern gar nicht bewusst sei. „Der Kfz-Mechatroniker ist bei den Jungen immer noch der beliebteste Beruf“, so die Pädagogin, „dass es aber ganz viele Beruf mit unterschiedlichen Anforderungen in dem Bereich gibt, das ist den Schülern nicht bewusst.“

Das ist auch genau einer der Gründe, warum Konrektorin Christa Zündorf seit acht Jahren regelmäßig die M+E-InfoMobile anfordert. Für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Schule insgesamt, sei das immer wieder ein Gewinn. Der neue Infotruck ist für sie geradezu „ein Highlight“, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass nun komplette Klassen informiert werden können, was bei den alten Info-Mobilen nicht der Fall war. „Das ist hervorragend“, freut sich Christa Zündorf, „und ich kann der Metall- und Elektro-Industrie nur gratulieren, dass sie so einen tollen Truck auf die Beine gestellt hat.“

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