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VDMA Ingenieurmangel wird immer dramatischer

Redakteur: Claudia Otto

„Es ist eine Schande, es ist ein Skandal gegenüber der jüngeren Generation, was hier passiert“, sagte der neue Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dr. Thomas Lindner, angesichts der drohenden Gefahren für das Industrieland Deutschland. Der Steuerstandort Deutschland müsse investitionsfreundlich und der Fachkräftemangel behoben werden.

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„Wir schätzen, dass es zur Zeit rund 5000 offene Ingenieurstellen im Maschinen- und Anlagenbau gibt“, sagte der neu gewählte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. Bild: Otto
„Wir schätzen, dass es zur Zeit rund 5000 offene Ingenieurstellen im Maschinen- und Anlagenbau gibt“, sagte der neu gewählte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. Bild: Otto
( Archiv: Vogel Business Media )

„Wir setzen nicht nur die Zukunft der Unternehmen, sondern die Zukunft des Landes aufs Spiel und dieses eigentlich sehenden Auges“, warnte Lindner weiter. Der VDMA-Präsident forderte die Politik auf, als Garant für Rahmenbedingungen zu wirken. „Eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften ist hilfreich“, so Lindner.

Fachkräfte-Potenzial im Land heben

Doch das alleine genüge nicht: „Wir müssen uns schon selbst um die eigenen Potenziale kümmern“, betonte er und verwies auf die fast 440000 Jugendlichen, die im Jahr 2008 die Schule, eine Berufsausbildung oder ein Studium vorzeitig abgebrochen haben – also jeder Sechste.

Besonderes Augenmerk müsse man auf die Studienabbrecher richten, immerhin 46% der Studienanfänger. „Wir dürfen sie nicht verlieren, sondern müssen ihnen eine Chance geben“, sagte Lindner.

Die Stiftung Impuls des VDMA habe daher eine Ursachenanalyse über den Studienabbruch im Maschinen- und Anlagenbau durchgeführt. „Wir sind jetzt dabei, ein Indikatorenset für die Abbruchgefährdung zu entwickeln“, berichtete er.

Drei Viertel der VDMA-Mitgliedsunternehmen suchen Ingenieure

Eine aktuelle Umfrage auf der Mitgliederversammlung des Verbandes im Oktober ergab laut Lindner, dass fast drei Viertel (73%) der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus in den nächsten Jahren Ingenieure für Forschung, Entwicklung und Konstruktion einstellen möchten. 58% benötigen Ingenieure für Vertriebsaufgaben, 24% suchen Ingenieure für die Produktion und 21% haben Ingenieurstellen mit Aufgaben im Ausland zu besetzen.

Einen Mangel an Bewerbern erwarten die Firmen in den nächsten Jahren vor allem im Bereich Forschung, Entwicklung und Konstruktion sowie im Vertrieb. „Unternehmen, die Ingenieure für eine Auslandstätigkeit suchen, befürchten sogar zu drei Vierteln, dass sich nicht genügend Bewerber für die Stellen finden“, so Lindner.

Zahl der Ingenieure im Maschinenbau steigt trotz Krise

Die Zahl der Ingenieure im Maschinenbau sei in den letzten drei Jahren um 7200 auf 167500 (16,1% aller Beschäftigten) gestiegen. „Und das trotz des konjunkturellen Einbruchs 2009 und der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung“, berichtet der VDMA-Präsident.

Der Anteil der Frauen an den Ingenieuren erreichte im laufenden Jahr 7,1% (im Vergleich zu 5,8% im Jahr 2007). Ausländische Mitarbeiter stellen unverändert 6% der Ingenieure, zwei Drittel davon kommen aus europäischen Ländern.

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