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VDI/VDEh-Forum Instandhaltung Instandhaltung in vernetzten Produktionswelten

| Autor: Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Vernetzt in der digitalen Welt – so lautet das Motto des 38. VDI/VDEh-Forums Instandhaltung, das am 21. und 22. Juni 2017 in Salzgitter stattfinden wird. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm greift aktuelle Lösungen und Entwicklungen zum Thema auf.

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Anlagen müssen zukünftig nicht nur ihre Produktionsvorgaben erfüllen, sondern zunehmend auch Daten über den Betriebszustand sowie über die Anlagenhistorie bereitstellen.
Anlagen müssen zukünftig nicht nur ihre Produktionsvorgaben erfüllen, sondern zunehmend auch Daten über den Betriebszustand sowie über die Anlagenhistorie bereitstellen.
(Bild: Fraunhofer-IFF)

Am 21. und 22. Juni wird in Salzgitter das 38. VDI/VDEh-Forum Instandhaltung durchgeführt werden. Die diesjährigen Schwerpunktthemen:: Anforderung an die Instandhaltung 4.0, Wertstrommessung durch die Instandhaltung, Advanced Analytics, neue Servicekonzepte bei der Instandhaltung, Service und Wartung mit Smart Glasses sowie mobile Assistenzsysteme.

Mobile Assistenzsysteme

Wie modulare mobile Assistenzsysteme für die Instandhaltung heterogener Anlagen genutzt werden können, wird Dr. Simon Adler, Gruppenleiter mobile Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg, darstellen. „Anlagen müssen zukünftig nicht nur ihre Produktionsvorgabe erfüllen, sondern zunehmend auch Daten über den Betriebszustand sowie über die Anlagenhistorie bereitstellen. Sie werden zunehmend zu Datenprovidern. Assistenzsysteme können diese Datenbasis nutzen, um die Instandhalter gezielt zu unterstützen. Hierfür müssen sie jedoch an die unterschiedlichen digitalen Datenausprägungen flexibel anpassbar sein“, beschreibt er die Bedeutung des Themas.

Assistenzsysteme werden heute entweder von Herstellern meist anlagenspezifisch angeboten, betreiberspezifisch projektbasiert entwickelt oder sie erfordern, dass die Betreiber Daten in geeigneten Formaten in der Cloud speichern, wo diese dann von Systemen Dritter verarbeitet und über die Assistenz wieder bereitgestellt werden. Simon wird in Salzgitter ein System vorstellen, mit dem Assistenzfunktionen webbasiert datengetrieben bereitgestellt werden. Das User-Interface und dessen Funktion können cloudbasiert bereitgestellt werden, während alle Daten, die Unternehmens Know-How darstellen, beim Unternehmen verbleiben. Das Verfahren kombiniert das User-Interface und die Daten erst dann auf dem Endgerät, wenn diese benötigt werden.

Forschungsprojekt bereits im industriellen Einsatz

Das System wird im Rahmen des Forschungsprojektes CPPS Process Assist entwickelt und hier bei verschiedenen Firmen der Prozessindustrie eingesetzt. Grundsätzlich eignet es sich für Engineering, Instandhaltung und Anlagenbetrieb. „Die vorgestellte Methode für Assistenzsysteme trennt die Software des Assistenzsystems in ein modulares Framework von den Daten. Dies ermöglicht es Anlagenherstellern, die entsprechenden Daten ihrer Anlagen aus dem Engineering bereitzustellen und mit wenig Aufwand Assistenz als Mehrwert anzubieten“, nennt Simon die möglichen Optimierungs- und Einsparpotenziale. Für Betreiber könne durch das Assistenzsystem die Instandhaltung verbessert werden und so die Dokumentation und Kommunikation auf Basis der Anlagenstruktur erfolgen.

Kammwalzengetriebe im Aluminiumwalzwerk optimieren

Über die Optimierung des dynamischen Anregungsverhaltens eines Kammwalzengetriebes im Aluminiumwalzwerk wird Jochen Leng, Leitung Reparatur und Service bei C.u.W. Keller in Troisdorf, sprechen. An einem praktischen Beispiel wird er beschreiben, wie ein optisches Qualitätsproblem, welches beim Walzen von Aluminiumblechen auftrat, gelöst werden konnte.

„Während des Walzens der Bleche traten Streifen mit gleichmäßigen Abständen an der Oberfläche auf. Diese Markierungen waren nicht messbar, führten jedoch dazu, dass das Produkt nicht mehr für die weitere Verarbeitung zu gebrauchen war“, beschreibt Leng den Ausgangspunkt. Die Analyse der Schadensursache zeigte, dass die Entstehung dieser Streifen in direktem Zusammenhang mit der Zahneingriffsfrequenz der Antriebsstufe stehen musste. Die detaillierte Überprüfung der Zahneingriffsbedingungen und des Anregungsverhaltens ließ einen recht harten Zahneingriff erkennen – an den Zahnflanken waren bereits entsprechende Auffälligkeiten sichtbar. Durch gezielte komplexe Modifikationen an den Zahnflanken konnte das Laufverhalten des eingesetzten Walzengetriebes deutlich verbessert werden. Mit Hilfe von Berechnungs- und Simulationsprogrammen wurden die einzelnen Zahnkontakte dabei optimal an die Betriebsbedingungen angepasst. Durch die Einarbeitung der berechneten Verzahnungsmodifikationen in die vorhandenen Bauteile innerhalb eines kurzen Stillstands über ein Wochenende konnte das Qualitätsproblem gelöst werden.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik