Produktetrend Instandhaltung mal anders

Autor: Simone Käfer

Wenn Wartungsaufgaben besondere Methoden erfordern, ist Kreativität gefragt. Ein gewichtiger Generator und eine viel genutzte Rolltreppe zeigen, wie sich für den Bereich „Reparatur für Extremfälle” Wege zu neuen Ideen öffnen.

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Im Notfall hilft auch ein Kabelbinder. Aber für professionelle Reparaturen an viel genutzten Geräten sollten doch lieber andere Ideen umgesetzt werden.
Im Notfall hilft auch ein Kabelbinder. Aber für professionelle Reparaturen an viel genutzten Geräten sollten doch lieber andere Ideen umgesetzt werden.
(Bild: gemeinfrei (Usinglight, pixabay) / CC0 )

Wartung, Reparatur und Instandhaltung gehören zu den wichtigen, oft aber auch lästigen Aufgaben in einem Unternehmen. Arbeiten müssen unterbrochen, Maschinen angehalten, Teile ausgebaut werden. Oder der Instandhalter kümmert sich als nächtens um das gute Stück in der Produktion. Viele Hilfsmittel erleichtern und verkürzen inzwischen die Reparaturzeiten. Doch so manche Wartungsaufgabe lässt sich einfach nicht per App oder VR-Brille erledigen. Wir haben zwei Beispiele gefunden, die besondere Lösungen hervorgebracht haben.

Bei der turnusmäßigen Inspektion der innen liegenden Fahrtreppenanlagen am Wiener Flughafen hatte der TÜV fünf Rolltreppen beanstandet. Eine Stilllegung drohte. Um die Besucher und Passagiere des Flughafens damit nicht zu belästigen, entschloss sich die Vienna Airport Technik für eine Reparaturmethode im eingebauten Zustand. Dies spart Zeit und Kosten. Weber Tec aus Hamburg sicherte sich den Auftrag mit seiner Reparaturmethode Escare.

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Gute Erfahrungen mit der Escare-Methode

Thomas Briza, Geschäftsführer der Vienna Airport Technik, über die erfolgreiche Instandhaltungsarbeit an den Rolltreppen des Wiener Flughafens.

Thomas Briza, Geschäftsführer der Vienna Airport Technik
Thomas Briza, Geschäftsführer der Vienna Airport Technik
( Bild: Flughafen Wien )

Wieso haben Sie sich für den Service von Weber Tec entschieden?

Ausschlaggebend war der Besuch auf der Interlift im Jahr 2015. Dort hat Weber Tec sein Verfahren Escare vorgestellt.

Welche Punkte waren bei der Auswahl wichtig?

Zum einen das Zertifikat der deutschen Dekra, die das Material geprüft und festgestellt hatte, dass davon keine Gefahr ausgeht, dass bereits reparierte Stellen in Zukunft – wenn dort wieder ein Schaden auftritt – erneut repariert werden können. Zum anderen die kurze Reparaturzeit. Die Reparatur erfolgt im eingebauten Zustand, so müssen die Stufen nicht aus- und wieder eingebaut werden. Das spart die kompletten Kosten, die sonst für den Aus- und Einbau sowie für den Transport anfallen. Zudem ist das Verfahren selbst noch sehr preiswert. Die Stillstandszeit der Treppe beschränkt sich lediglich auf die Reparaturzeit und zu allerletzt ist dieses Verfahren preisgünstig. Es wird nichts weiter beschädigt, wie es bei Aus- und Einbauarbeiten immer wieder einmal vorkommt.

Wie lange dauerten die Reparaturvorgänge?

Nach dem Plan von Weber Tec fanden die Reparaturen zwischen 18:00 und 6:00 Uhr und für kleinere Anlagen von 23:00 bis 06:00 Uhr statt. Zudem wurden in der darauffolgenden Nacht die Reparaturstellen noch farblich beschichtet. Dies führte zu dem Ergebnis, dass kaum noch festzustellen war, wo überhaupt repariert worden war. Da die Fluggäste am folgenden Morgen die Anlagen wieder voll nutzen konnten, waren keine Störungen zu bemerken. Die Planzeiten wurden voll eingehalten.

Wie verlief die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit verlief sehr gut. Es war von jeder Seite immer ein Ansprechparter vor Ort, sodass eventuelle Probleme durch professionelle Gespräche gar nicht erst auftraten.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Wie bereits vorher schon erwähnt, sind wir mit dem Ergebnis vollauf zufrieden. Wir haben nicht nur eine hervorragende Reparatur erhalten, sondern auch noch viel Geld gespart.

Reparatur im eingebauten Zustand

Dabei werden die zu reparierenden Stege maschinell sandgestrahlt, wobei das Strahlgut mit dem sich lösenden Schmutz sowie den Öl- und Fettpartikeln nahezu rückstandslos zurückgeführt wird. Es bleibt also kein Schmutz in oder auf der Treppe zurück. Durch die Neigungsanpassung der Maschine sowie vom Gewicht her eignet sich das mobile Reparatursystem auch zum Transport über Fahrtreppen und Fahrsteige. Die Wiederherstellung der Stege erfolgt mit einem speziell entwickelten und umfangreich getesteten Füllmaterial, mit dem der beschädigte Steg nach der Bearbeitung wieder in den Originalzustand versetzt wird.

Der Auftrag umfasste insgesamt fünf Anlagen des Herstellers Kone mit 60 oder 119 Treppenstufen, auf denen in Stoßzeiten bis zu 13.000 Menschen täglich die Ebenen wechseln. Weil die manuelle Reparatur überwiegend mit scharfkantigem Werkzeug ausgeführt werden musste, war das vierköpfige Serviceteam von Weber Tec der permanenten Aufsicht der Flug­sicherung unterstellt. Durch ein spezielles Finish sind die reparierten Treppenstufen optisch kaum von den schon vorher intakten zu unterscheiden.

Der Betreiber ist sehr zufrieden und freut sich über runde 130.000 Euro, die er mit der Escare-Reparaturmethode eingespart hat. Lästige Transporte und unnötige Stillstandszeiten gehören somit der Vergangenheit an. Die Reparatur von Fahrtreppenstufen und Fahrsteigpaletten im Außenbereich ist temperaturabhängig (mindestens 15 °C). Das Reparaturverfahren entspricht der EN 115-1 für neue Fahrtreppen und Fahrsteige, Paletten- oder Gurtkonstruktionen und ist in unabhängigen Prüfverfahren der Dekra und des TÜV hinreichend getestet worden. Die geringen Geräuschemissionen der Maschine während des Reparaturvorganges sind vergleichbar mit dem Geräusch eines Staubsaugers in 1 m Entfernung.

Eine Halle für große Aufgaben

Wer für Wartungs- und Instandhaltungsaufgaben mit schwerem Gerät agieren muss, dem könnte die Variante von Siemens gefallen. Dem Konzern waren nämlich der Aufwand und die Kosten seiner Schwerlasttransporte zu hoch, die für die regelmäßige Reparatur von Windkraftanlagen nötig sind. Daher wurde eine Leichtbauhalle in den Windparks errichtet. Das Besondere an der Halle: Die Reparaturteile gelangen per Kran durch die Dachöffnung in die Halle. Dafür kann ein Teil der Dachplane per Hand von drei bis vier Mitarbeitern aus dem Aluminiumgerüst herausgezogen werden. So kommen auch Generatoren mit einem Durchmesser von über 4 m und einem Gewicht von rund 80 t zu ihrer Wartung. Sind alle Reparaturen im Windparkt erledigt, wird die Halle eingepackt und zu ihrem nächsten Einsatzort gefahren oder eingelagert.

Sie haben kürzlich auch ein neues Produkt in Ihr Unternehmen eingeführt oder einen Service getestet und möchten Ihre Erfahrungen teilen? Dann schreiben Sie mir doch: simone.kaefer(at)vogel.de

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung