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Schnittstelle CAD/ERP

Integrierte Software steigert Produktivität in der Fertigung

25.09.2007 | Autor / Redakteur: Norbert Tondl / Alexander Strutzke

Die Verknüpfung des eigenen CAD-Systems mit der Software Time-Line hat für Produktivitätszuwächse bei KMA gesorgt. Bild: KMA
Die Verknüpfung des eigenen CAD-Systems mit der Software Time-Line hat für Produktivitätszuwächse bei KMA gesorgt. Bild: KMA

Die Integration von CAD-Programmen wird bei vielen ERP-Herstellern nebensächlich behandelt. Dass es auch anders geht, beweist die Solinger Gebauer GmbH, die über eine Schnittstelle ihr ERP/PPS-System Time-Line an das CAD-System der KMA Kurtsiefer Maschinen- und Apparatebau GmbH angebunden hat.

Damit wurde die Grundlage für wichtige Produktivitätszuwächse sowie Effizienzsteigerungen im Arbeitsalltag beim Spezialisten für Filteranlagen und Umwelttechnik aus Königswinter gelegt. KMA konstruiert seine Abluftreinigungsanlagen bereits seit 1992 in 2D. Parallel dazu werden Geschäftsprozesse im Einkauf und Vertrieb mit Hilfe eines ERP-Systems abgewickelt. Hinsichtlich der Abbildung des Entstehungsprozesses einer Filteranlage – von der Konstruktion bis zur Auslieferung eines fertigen Produktes – muss man sich von Beginn an mit zwei verschiedenartig gelagerten Schwierigkeiten auseinandersetzen:

Mit CAD und ERP zwei eigenständige Systeme zusammenführen

Zum einen kann mit dem installierten ERP-System aufgrund fehlender PPS-Funktionalität die Produktion nicht gesteuert werden. Beispielsweise werden Stücklisten als Excel-Tabellen geführt und Arbeitsgangzeiten mit Stempelkarten erfasst, die manuell ausgewertet werden müssen. Kapazitäten beziehungsweise Ressourcen können so nicht automatisch eingeplant werden. Zum anderen sind CAD und ERP zwei eigenständige Systeme ohne Kommunikationsmöglichkeit untereinander.

Durch die Ausweitung des Produktprogramms – von der Filtertechnik für die Lebensmittelindustrie über Abluftfilteranlagen für Druckgießmaschinen und Staubfilteranlagen für alle Anwendungen in der Gießerei bis hin zu modernsten Biofiltern zur Geruchsabscheidung – stiegen die Anforderungen bei KMA gewaltig. Weil die vorhandene DOS-basierte ERP-Software in der mittlerweile auf zahlreiche Insellösungen angewachsene Unternehmens-IT zunehmend an ihre Leistungsgrenzen stieß, entschied sich KMA, in eine neue ERP/PPS-Software zu investieren, die in der Lage ist, alle Geschäftsprozesse durchgängig und integriert abzubilden.

Am Ende eines umfangreichen Auswahlprozesses fiel die Wahl auf das ERP/PPS-System Time-Line der Solinger Gebauer GmbH. Die Software überzeugte in Funktionsumfang und Leistungskapazität. Bereits unmittelbar nach der Einführung von Time-Line, das bei KMA heute auf 23 Arbeitsplätzen eingesetzt wird, waren erhebliche Erleichterungen im Arbeitsalltag spürbar: Transparenz und Effektivität aller Unternehmensbereiche konnten gesteigert werden, die Stempelkarten wurden von der BDE abgelöst, über die die Zeiterfassung heute aktuell und exakt strukturiert läuft. Die Produktionssteuerung insgesamt funktioniert einwandfrei.

Schnittstelle zwischen ERP/PPS und CAD

Zudem war geplant, dass auch die Konstruktion ihr separates IT-System aufgeben und integriert werden sollte. Schließlich ist die Integration der Konstruktion in die geschäftlichen Abläufe und Prozesse ein immer bedeutenderer Produktivitätsfaktor. Bei KMA wurde daher der Umstieg in der Konstruktion auf 3D zum Anlass genommen, Time-Line über eine Schnittstelle an Autodesk Inventor und das PDM-System Productstream Compass 5 anzubinden. Damit können Artikel- und Zeichnungsnummern, Sperrkennzeichen, Gewichte und anderes vom ERP/PPS-System an die CAD-Software übergeben werden.

Aus Time-Line wiederum sollte online auf die in Inventor konstruierten Stücklisten zugegriffen werden können, damit diese als Artikel- beziehungsweise Fertigungsstücklisten importierbar wären, um eine durchgängige und transparente digitale Prozesskette für Konstruktion, Produktion und Administration zu schaffen. In nur zwei Wochen zum Jahresende 2006 wurde die Schnittstelle definiert sowie die Installation mit erforderlichen Anpassungen ausgeführt – seit 1. Januar 2007 läuft der Betrieb.

Austausch der Daten zwischen ERP und CAD über direkten Datenbankzugriff

Der Austausch der Daten erfolgt über direkte Zugriffe auf die Datenbanken (bei Time-Line: Sy-Base; bei Inventor/Compass: Microsoft-SQL) über ODBC (Open Database Connectivity). Time-Line ist das führende System, das heißt, alle Artikel werden nur in Time-Line angelegt und an Inventor übergeben. Eine Neuanlage von Artikeln im CAD findet nicht statt – mit Ausnahme von Unterbaugruppen, diese werden bei der Konstruktion in Inventor angelegt. Sie werden dann beim Import der Stücklisten im ERP-System übernommen und dort gepflegt.

Bei jedem Artikel kann man über ein spezielles Kennzeichen bestimmen, ob dieser an das CAD-System übergeben werden soll – die Änderung dieses Kennzeichens kann jedoch nur mit speziellen Rechten erfolgen. Standardkomponenten der KMA-Produkte sind in den Stamm-Stücklisten hinterlegt.

Bei der Neuanlage von Aufträgen muss vom Konstrukteur somit nicht mehr separat nach bereits vorhandenen Bauteilen gesucht werden. Er recherchiert aus der CAD-Oberfläche online im ERP-System und ändert oder ergänzt diese Daten auftragsbezogen – entsprechend den individuellen Anforderungen – durch die Eingabe der neuen Parameter wie Losgröße oder Stückzahl.

Über Time-Line werden dabei automatisch beispielsweise der Materialmehrbedarf generiert und alle mit dem Teilestamm verbundenen Informationen, wie Lagerbestand oder Beschaffungszeiten, zur Verfügung gestellt. Unikate dagegen werden in den Stücklisten der jeweiligen Betriebsaufträge geführt. Sonderanlagen, wie die gerade ausgelieferte erste Biogas-Anlage mit KMA-Filtertechnologie, sind mit erheblichem Planungs- und Zeitaufwand verbunden. Umso wichtiger ist es daher, mit der Integration ERP/CAD den Aufwand bei Standardanlagen so weit wie möglich zu reduzieren und aus den intelligent vernetzten Prozessabläufen weiteren Nutzen für die gesamte Geschäftsabwicklung zu ziehen.

Projektplanung dank CAD-ERP-Zusammenführung von einer Woche auf einen Tag reduziert

Mit der Einführung von Time-Line und damit einhergehenden organisatorischen Veränderungen konnte KMA den Zeitbedarf der Projektplanung von Standardanlagen von etwa einer Woche auf einen Tag senken. Da die Kosten auch eines einzelnen Bauteils heute bis ins letzte Detail transparent sind, lässt sich ein Projekt besser kalkulieren – mit positiven Auswirkungen auf Angebote, die wesentlich marktgerechter erstellt werden können. Durch die Anbindung von CAD und ERP als zweiten Schritt der Geschäftsprozessoptimierung bei KMA hat sich zudem die Arbeitseffektivität in der Konstruktion verbessert: Komplette CAD-Modelle sowie technische Zeichnungen und Stücklisten, die im Konstruktionsprozess entstehen, werden online erfasst und automatisch für nachfolgende Arbeitsschritte bereitgestellt.

In der Konstruktion werden Produktkosten und damit wesentliche Bereiche der Wettbewerbsfähigkeit geprägt. Mit Inventor ist ein weltweit führendes CAD-Programm im Einsatz, mit Compass 5 ist das Handling auch von enormen Datenmengen aus der 3D-Konstruktion einfach, schnell und sicher. Aber erst mit der Schnittstelle zu Time-Line ist eine Brücke zu den betriebswirtschaftlichen Unternehmensbereichen und zur Produktion gelungen. Somit können heute alle Daten zu Informationen verdichtet werden, die umfassend und aktuell eine bessere Basis für die Entscheidungsqualität des Unternehmens liefern. MM

Norbert Tondl ist Produktionsleiter der KMA Kurtsiefer Maschinen- und Apparatebau GmbH in 53639 Königswinter

 

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