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Geschlossener Produktlebenszyklus IT-Plattform zeigt Unternehmen Wiederverwertungsoptionen auf

Redakteur: Beate Christmann

Die Weiterverwertung bereits genutzter oder defekter Produkte kann sowohl ökologische als auch ökonomische Effekte mit sich bringen. Fraunhofer-Forscher haben die Onlineplattform Res-Co-M entwickelt, auf der Unternehmen individuell zugeschnittene Konzepte erhalten, wie sie ihre eigenen Produkte wiederverwerten, umgestalten oder erneut anbieten können.

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Im Forschungsprojekt Res-Co-M (Resource Conservative Manufacturing) haben Fraunhofer-Forscher eine Onlineplattform entwickelt, die Unternehmen zu nachhaltigen und gleichzeitig ökonomischen geschlossenen Produktlebenszyklen führen soll.
Im Forschungsprojekt Res-Co-M (Resource Conservative Manufacturing) haben Fraunhofer-Forscher eine Onlineplattform entwickelt, die Unternehmen zu nachhaltigen und gleichzeitig ökonomischen geschlossenen Produktlebenszyklen führen soll.
(Bild: Fraunhofer-IPA)

Unternehmen zeigen sich in Sachen Produktlebenszyklus häufig unkreativ. Dabei lassen sie nicht nur ökologische sondern auch ökonomische Mehrwerte liegen. Denn ein Produkt sollte nicht zwangsläufig entsorgt werden, wenn es defekt oder bereits benutzt ist. Im Projekt Res-Co-M (Resource Conservative Manufacturing) hat die Bayreuther Projektgruppe Regenerative Produktion des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und -automatisierung IPA gemeinsam mit weiteren Partnern eine Onlineplattform entwickelt, die Unternehmen individuell passende Optionen eines nachhaltigen Produktlebenszyklus aufzeigen soll.

Produktlebenszyklus integriert betrachten

Im Zentrum von Res-Co-M standen die Säulen Supply Chain, Geschäftsmodell, Produktdesign und IT-Systeme, die miteinander in Bezug gebracht wurden. „Beispielsweise sind Kinderwagen oft so robust, dass sie mindestens fünf Jahre halten. Allerdings benötigen die meisten Eltern ihr Modell nur ein bis zwei Jahre. Hier wäre es wirtschaftlicher, die Kinderwagen mit der Zeit umzurüsten oder Leasing-Verträge anzubieten. Voraussetzung ist aber, dass das Produktdesign und das Geschäftsmodell entsprechend ausgelegt sind“, informiert IPA-Projektleiter Christoph Velte.

Basierend auf den Daten, die ein Unternehmen der Res-Co-M-Plattform zur Verfügung stellt, soll sie verschiedene Vorschläge ermitteln können, wie der Anwender seine Produkte umgestalten, anders anbieten oder wiederverwerten und damit positive Effekte erzielen könnte. Möglich ist demnach beispielsweise eine tiefere Analyse des individuellen Produkts hinsichtlich der Aufarbeitbarkeit einzelner Komponenten oder eine Multi-Methoden-Simulation, welche ökonomische und ökologische Effekte verschiedener Szenarien vergleicht. Die Datensätze sind laut Fraunhofer-IPA so konzipiert, dass die Informationen in einer Datenbank gespeichert werden, auf die nahtlos zugegriffen werden kann. So ließe sich mit einer Funktion zur Ideenfindung beispielsweise eine Herangehensweise ermitteln, die man im nächsten Schritt mit Assessment-Tools kalkulieren kann.

Ergebnisse in Fallstudien validiert

Das Fraunhofer-IPA hat die Ergebnisse der Onlineplattform im Rahmen von vier Fallstudien validiert. Getestet und umgesetzt wurden die Lösungen bei Herstellern von Kinderwagen, Automobilkomponenten, Unterhaltungselektronik und weißer Ware. Beim Kinderwagenhersteller Bugaboo wurde beispielsweise ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem Kunden ihr Modell leasen, anstatt es zu kaufen. Bezahlt wurde über eine monatliche Rate. Dieses Modell ermöglicht den Kunden, den Kinderwagen während der Laufzeit zu tauschen oder ihn mit zusätzlichen Komponenten auszustatten. „Mit dem Pilotprojekt konnten wir einige Herausforderungen von geschlossenen Produktkreisläufen identifizieren, ganz konkret beispielsweise die Transportkosten oder den Zustand der Kinderwägen nach der Nutzung“, erklärt Velte.

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