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Gehalt

Maschinenbaubranche ist gegen bedingungsloses Grundeinkommen

| Autor / Redakteur: Nelson Taapken / Melanie Krauß

Materielle Absicherung versus Demotivation: Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer halten die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für betriebswirtschaftlich schädlich.
Materielle Absicherung versus Demotivation: Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer halten die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für betriebswirtschaftlich schädlich. (Bild: ©zest_marina - stock.adobe.com)

Geschäftsführer und Personalleiter gehen laut einer Studie der Unternehmensberatung EY von einer steigenden sozialen Ungleichheit in Deutschland aus. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ihrer Ansicht nach aber keine gute Idee.

Eine große Mehrheit der Personalleiter und Geschäftsführer aus der Maschinenbaubranche geht davon aus, dass vom Produktivitätsfortschritt durch neue Technologien nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren werden. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung EY sind 71 % von ihnen davon überzeugt, dass sich deshalb die Schere zwischen Arm und Reich in Zukunft weiter öffnen wird. Im Durchschnitt aller befragten Branchen liegt dieser Wert bei 73 %.

Was die zukünftige Entwicklung betrifft, erwarten 33 % aller Studienteilnehmer, dass in ihrem Unternehmen in den kommenden fünf Jahren Arbeitsplätze wegfallen werden, im Maschinenbau sind es mit 24 % deutlich weniger. 13 % der Befragten aus der Branche gehen davon aus, dass die Zahl der Stellen in ihrem Unternehmen ansteigen wird. Doch auch bei ihnen zeigt sich ein kritischer Punkt: Von denjenigen Personalexperten, die einen Zuwachs erwarten, glauben 83 % nicht, dass die Mitarbeiter für diese neuen Stellen ausreichend qualifiziert sind. So wird gerade im Maschinenbau deutlich, dass durch die Digitalisierung zwar auch neue Jobs entstehen, für diese jedoch neue Fähigkeiten benötigt werden. Zu erwarten ist, dass vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter profitieren werden.

Problem gesellschaftlicher Spaltung

Folgerichtig betrachten quer durch alle Branchen 39 % aller befragten Personalexperten das Problem sozialer Abkopplung und schwindender Teilhabemöglichkeiten einzelner Gruppen als ein „ausgesprochen drängendes“ oder „eher drängendes“ Problem, lediglich 22 % sehen hierin „überhaupt kein“ oder „eher kein drängendes“ Problem. Von Führungskräften aus der Automobilbranche und dem Maschinenbau wird das Problem der gesellschaftlichen Spaltung sogar besonders kritisch eingestuft.

Dennoch spricht sich die große Mehrheit von ihnen nicht für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland aus, bei dem jeder Bürger unabhängig von seiner Leistung und seiner Lebenssituation einen bestimmten Betrag als Grundsicherung erhalten soll. So befürworten in der Maschinenbaubranche lediglich 15 % der Befragten das bedingungslose Grundeinkommen, 39 % erklären, dass die Nachteile überwiegen und für 45 % halten sich Vor- und Nachteile die Waage. Auch im Branchenquerschnitt sprechen sich lediglich 14 % der Befragten für das bedingungslose Grundeinkommen aus.

Was die Vorteile des Grundeinkommens betrifft, führen die Befürworter gleich ein ganzes Bündel an Argumenten an: materielle Absicherung für jeden, Förderung des sozialen Friedens sowie den Abbau von Bürokratie und Verwaltungskosten. Die Gegner fürchten in erster Linie die Demotivation potenzieller Arbeitnehmer, ihre sinkende Leistungsbereitschaft und das Risiko, dass einige die Grundsicherung für sich ausnutzen.

Insgesamt erklären 67 % aller Studienteilnehmer die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für betriebswirtschaftlich schädlich. Als positive Auswirkungen bestätigen sie: Wenn bisherige Sozialleistungen wegfallen, würde das enorm helfen, Verwaltungskosten einzusparen (62 %). Und: Wenn Menschen eine Grundabsicherung erhalten, werden sie häufiger bereit sein, auch kurzfristige Jobs anzunehmen und beruflich etwas zu wagen (45 %). Dieser Vorteil wird von den Maschinenbauern mit 56 % besonders deutlich gesehen.

Die Befürchtungen der Führungskräfte zur demotivierenden Wirkung des Grundeinkommens betreffen dabei nicht nur die Wirtschaft allgemein. Auch was ihr eigenes Unternehmen angeht, erwarten sie unter dem Strich negative Auswirkungen auf die Motivation der Belegschaft. Von denjenigen Personalleitern, die in Maschinenbauunternehmen von einer Änderung der Einsatzbereitschaft durch das bedingungslose Grundeinkommen ausgehen, erwarten 50 %, dass die Leistungsbereitschaft sinkt, wohingegen nur 6 % von einer steigenden Motivation ausgehen. 43 % sind unentschieden.

Unklarheiten bei der Finanzierung

Sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen dennoch eingeführt werden, halten 34 % der Führungskräfte aus dem Maschinenbau einen Betrag zwischen 751 und 1000 Euro für adäquat, um die Bedürfnisse der gesellschaftlichen Teilhabe zu erfüllen. 10 % halten einen höheren Satz zwischen 1001 und 1250 Euro für angemessen, 22 % sprechen sich für über 1250 Euro aus. Über 1500 Euro gehen 12 % der Befragten. Damit zeigen sich die Führungskräfte im Vergleich zu anderen Branchen eher großzügig.

Was die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens angeht, trifft bei den Personalexperten aus dem Maschinenbau von den beiden am häufigsten genannten Alternativen – einer sogenannten Roboter- oder einer Konsumsteuer – die Konsumsteuer eher auf Akzeptanz. Die Konsumsteuer soll perspektivisch die Einkommensteuer ersetzen und statt der Herstellung von Produkten nur noch deren Konsum besteuern. Dieser Variante stimmen 46 % der Befragten zu. Die Robotersteuer halten lediglich 25 % für die bessere Variante. Bei dieser soll der Einsatz von intelligenten Maschinen, die menschliche Arbeitskräfte ersetzen, besteuert werden. Dass weder die Roboter- noch die Konsumsteuer eine annehmbare Lösung darstellen, erklären 38 % der Befragten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Obwohl sie durchaus auch Vorteile sehen, halten die Führungskräfte aus der Maschinenbaubranche das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens nicht für stimmig. Dies liegt sicher auch daran, dass sich hinter dem Begriff eine Vielzahl von Konzepten verbirgt, die derzeit noch viele Fragen offen lassen. Verständlich ist es daher, dass Führungskräfte bei der Bekämpfung sozialer Ungleichheit nicht gleich nach diesem ersten Strohhalm greifen wollen. Gefragt sind intelligentere Lösungen, an deren Entwicklung sich auch die Wirtschaft beteiligen sollte.

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* Nelson Taapken ist Partner und HR-Experte bei der Unternehmensberatung EY in 65760 Eschborn, Tel. (0 61 96) 99 61 28 47, nelson.taapken@de.ey.com, www.ey.com/de

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