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Köpfchen statt Bauch

| Redakteur: Jürgen Schreier

Standortentscheidungen erfolgen vielfach ,,aus dem Bauch heraus" und das kann teuer werden. Ein statistisches Verfahren mit breiter Datenbasis objektiviert die Auswahl und hilft, den optimalen...

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( Archiv: Vogel Business Media )

Standortentscheidungen erfolgen vielfach ,,aus dem Bauch heraus" und das kann teuer werden. Ein statistisches Verfahren mit breiter Datenbasis objektiviert die Auswahl und hilft, den optimalen Standort zu findenEin falsch gewählter Standort kann existenzbedrohend sein", warnt Henner Lüttich, Experte für Standortfragen. Dennoch lässt man in der Praxis bei Standortentscheidungen nicht immer die nötige Sorgfalt walten, weiß der diplomierte Kaufmann und Geschäftsführer der Contor GmbH, Hünxe. ,,Standortentscheidungen werden oft aus dem Bauch heraus gefällt."Prinzipiell muss das nicht sein, denn die Wirtschaftsgeographie hat seit dem Pionierwerk Johann Heinrich von Thünens, der sich Ende des 19. Jahrhunderts intensiv mit Standortfragen befasste, eine breite Palette an empirischen Analysen generiert - durchweg mit dem Ziel, herauszufinden, welche wirtschaftspolitischen Determinanten die Standortwahl von Unternehmen beeinflussen. Ergebnis dieser Untersuchungen waren und sind Standortfaktorensysteme, wobei jedoch die Rangfolge der einzelnen Standortfaktoren stark mit dem Analysezeitpunkt variiert. Auch an Theorien und entscheidungslogischen Konzepten herrscht kein Mangel. Dazu gehören geometrische Modelle ebenso wie Verfahren der Investitionsrechnung und des Operations Research. ,,Der wesentliche Nachteil all dieser Ansätze besteht darin", erläutert Contor-Geschäftsführer Henner Lüttich, ,,dass lediglich fünf, bestenfalls zehn Standorte untersucht werden, die man beispielsweise von Wirtschaftsförderern oder Beratern empfohlen bekommt." Ähnliche Schlüsse zieht Markus Pieper in seiner Studie ,,Das interregionale Standortverhalten der Industrie in Deutschland". Unternehmerischen Entscheidungsträgern, so der Wirtschaftsgeograph, sei es in der Regel nicht möglich, alle betrieblichen und außerbetrieblichen Variablen in ein rationales Bewertungsschema zu bringen. Lüttichs Fazit:,,Auf diese Weise den optimalen Standort zu finden, wäre reiner Zufall."Eine Clusteranalyse ordnet den ,,Datenwust"Genau hier setzt nun der von ihm entwickelte Beratungsansatz an. Basis dieses Konzepts ist eine umfangreiche Datenbank, die rund 14000 bundesdeutsche Städte und Gemeinden einem Standortfaktensystem ,,unterwirft" und jährlich upgedatet wird. Das System umfasst auf Bundesebene zwölf, auf Länderebene zehn Standortfaktoren, wobei hinter diesen Standortfaktoren wiederum 1000 Variablen mit ihren Ausprägungen stehen. Grundsätzlich sei das System offen, betont Lüttich, das heißt zusätzliche Variablen können aufgenommen werden, sofern das nötige Datenmaterial greifbar ist.,,Zunächst wird mit der Firmenleitung festgelegt" erläutert Lüttich, ,,welche Standortfaktoren für das Unternehmen wirklich wichtig sind - etwa das Arbeitskräfteangebot, die Verkehrsanbindung oder die Möglichkeit, Fördermittel zu erhalten. Aus diesen Standortfaktoren stellen wir einen Variablensatz zusammen, der einer vorbereitenden Analyse unterzogen wird." Nun schlägt die große Stunde der Mathematik, denn das ,,Handling"solcher Datenmengen ist natürlich nur noch mit Hilfe statistischer Methoden und per Computer möglich. Zum Einsatz kommt dabei die so genannte Clusteranalyse, ein multivariates Analyseverfahren, mit dem aus großen Datenmengen Objekte mit ähnlichen Merkmalsausprägungen herausgefiltert werden können - und zwar in der Weise, dass innerhalb der Teilmengen (Cluster) die Objektähnlichkeit möglichst groß, zwischen den Clustern dagegen möglicht gering ist.Innerhalb eines solchen Clusters befinden sich beispielsweise alle Städte und Gemeinden, die sich im Hinblick auf die Standortkriterien ähneln. Bei der konkreten Standortentscheidung muss dann nur noch jener Cluster ausgewählt werden, der den Anforderungen des Unternehmens am nächsten kommt. Vorteile dieses Ansatzes:Es werden alle relevanten Standorte in der Bundesrepublik berücksichtigt. Zudem ist das Auswahlverfahren absolut objektiv. Einzig und allein in die Entscheidung für den konkreten Standort fließen weiche Faktorenein. ,,Im Regelfall kostet eine Standardanalyse bei Contor zwischen 10000 und 15000 Euro", so Lüttich. Und das ist sicher gut angelegtes Geld angesichts der Tatsache, dass dadurch möglicherweise ein Millionenflop vermieden werden kann.