Strategische Planungen Künstliche Intelligenz in der Planung: Wie Unternehmen profitieren

Autor / Redakteur: David Märte* / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Die strategische Planung in einem Unternehmen ist ein aufwendiger Prozess, bei dem viele Daten ausgewertet werden müssen. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen oft nicht zu stemmen. Hier können Methoden der künstlichen Intelligenz helfen.

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Strategische Planungen: Damit Unternehmen in die Zukunft investieren können, müssen umfangreiche Daten ausgewertet werden. Hier kann künstliche Intelligenz helfen.
Strategische Planungen: Damit Unternehmen in die Zukunft investieren können, müssen umfangreiche Daten ausgewertet werden. Hier kann künstliche Intelligenz helfen.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay )

Der Unterschied könnte kaum größer sein: Globale Top-Unternehmen können auf eine Heerschar von Beratern, Absolventen der besten Universitäten, interne Strategieabteilungen und auf aktuelle Analysen zugreifen. Mit diesem Wissensvorsprung entwickeln die Unternehmen ihre strategischen Initiativen. Ganz anders sieht das oft bei kleinen und mittleren Unternehmen aus. Weder verfügen sie über die Ressourcen noch die Budgets, um strategische Themen in einem ähnlich großen Maßstab anzugehen.

Anwendungen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) helfen den Verantwortlichen hier, diese Lücke zu schließen. Einerseits unterstützen sie bei der Recherche, beim Auswerten von Quellen und beim Durchspielen unterschiedlicher Szenarien. Andererseits helfen trainierte KI-Anwendungen dabei, strategische Planungen auf- und umzusetzen. So fließen automatisiert Fachwissen, Erfahrung und mehr Daten in den Prozess ein. Viele solcher KI-Funktionen können Unternehmen gebrauchsfertig einkaufen, ohne dass sie selber im großen Maßstab in entsprechendes Know-how investieren müssen.

Den aktuellen Stand automatisch im Blick

Im Laufe der Zeit ist eine nicht zu überblickende Vielfalt von Definitionen für den Begriff strategische Planung entstanden. Dieser Beitrag stützt sich auf die pragmatische Beschreibung von Professor Günter Müller-Stevens: „Unter einer strategischen Planung wird die Institutionalisierung eines umfassenden Prozesses verstanden, um zu entscheiden, in welche Richtung sich ein Unternehmen (oder ein Teilbereich des Unternehmens) entwickeln soll.

Das heißt, welche Erfolgspotenziale es nutzen und ausschöpfen sollte. Und welchen Weg in Form zu ergreifender Aktionen und zu allokierenden Ressourcen es dazu wählen soll.“ [1] Dahinter verbirgt sich – etwas abstrahiert – ein Prozess des Sammelns und Auswertens von Daten. Und wenn Daten ins Spiel kommen, schlägt die Stunde von IT-Anwendungen. In diesem Fall die der künstlichen Intelligenz.

Strategische Planung mit einer KI

In den Diskussionen über KI spielt das genannte Einsatzszenario rund um strategische Planungsaspekte selten eine Rolle. Bekannte Aufgabengebiete für KI-Verfahren sind eher die Maschine, die droht auszufallen. Die Produktionsstraße, die nicht ausreichend ausgelastet ist. Die Lieferkette, die nicht optimal justiert ist.

Generell geht es häufig darum, in großen Datenmengen eigenständig Zusammenhänge und Muster zu erkennen. Aber diese datenbasierten Anwendungen unterstützen Unternehmensverantwortliche auch in anderen Zusammenhängen. Beispielsweise beim Planen und Umsetzen strategischer Initiativen.

Eine Möglichkeit ist es, Quellen für die Strategieentwicklung zu sichten, auszuwerten, zu verdichten und zu bewerten. Dazu gehören klassisch interne Systeme wie das CRM- oder ERP-System. Genauso wichtig sind externe Informationen. Relevant sind beispielsweise Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf nationaler oder internationaler Ebene.

Das Problem der unstrukturierten Informationen

Dazu gehören neue Entwicklungen auf den weltweiten Märkten wie Produktentwicklungen von Wettbewerbern oder neue Markt- und Verbraucherstudien. Die Verantwortlichen müssen strukturierte, aber auch unstrukturierte Informationen bei ihren Planungen berücksichtigen. Für sie ist es kaum möglich, alle Quellen mit der notwendigen Sorgfalt zu sichten. Sämtliche Ergebnisse müssen sie dann in ihre Überlegungen einbeziehen.

Spätestens bei der Arbeit mit unstrukturierten Informationen kommen sie an ihre Grenzen. Dazu ist das Durcharbeiten umfangreicher Dokumente wie Studien oder Gesetzestexte zu zeit- und personalintensiv. Die schiere Informationsflut lässt sich von den Experten nicht mehr überblicken.

Die KI bündelt Informationen und stellt sie bereit

Hier kommen Anwendungen mit KI ins Spiel. Sie sind in der Lage, mit in natürlicher Sprache verfassten Texte umzugehen. Trainierte Systeme erfassen den Sinn von Inhalten, fassen Dokumente zusammen, arbeiten Zusammenhänge zwischen Informationen heraus und stellen diese Zusammenfassungen beispielsweise in Form von Dossiers dar. So eine Anwendung ist nicht mit einer klassischen Anfrage in einer Suchmaschine vergleichbar.

KI-Anwendungen extrahieren mithilfe von maschinellen Lernverfahren Thema sowie Informationen über die Semantik des Textes und bündeln Relevantes in einer Zusammenfassung. Bisher steht ein persönliches Experten- und Beraterteam Spitzenmanagern in Großunternehmen zur Verfügung. Eine KI hilft, dass alle Verantwortlichen – unabhängig von Unternehmensgröße und Hierarchiestufe – Zugriff auf einen solchen Know-how-Pool haben. Ihnen stehen automatisierte Analysen auf Knopfdruck zur Verfügung. Dies reduziert die Recherchezeit und verbessert die Wissensgrundlage, auf die die Entscheider ihre Planungen aufbauen.

Mensch und KI planen gemeinsam

Planungsaufgaben hängen eng mit dem Sammeln und Analysieren von Daten zusammen. Aufbauend auf diesen Daten und abgeleiteten Kennzahlen entwickeln die Entscheider die strategischen Eckpfeiler für ihre Organisation und prognostizieren Entwicklungen. Von der Datenerfassung über das laufende Überwachen der Performance und dem Aufzeigen von Handlungsalternativen bis hin zum Bewerten von Ergebnissen bringen sich KI-Anwendungen in diesen Prozess ein. Diese Systeme entwickeln sich Schritt für Schritt zum Schlüssel für das Überwachen und Steuern der Aktivitäten rund um strategische Planungsprozesse.

Ein Ansatzpunkt: Simulationen. Sie helfen den Verantwortlichen dabei, Handlungsalternativen durchzuspielen und zu durchdenken. Innerhalb der Simulation agieren sogenannte KI-gestützte Agenten. Gefüttert mit historischen Daten über Marktbewegungen, Preisentwicklungen, Rohstoffdaten oder demografische Zusammenhänge imitieren sie das Handeln von Stakeholdern.

Solche Simulationen können gegeneinander antreten, ähnlich wie Schachprogramme. Die Verantwortlichen sehen, welche Veränderungen von Ausgangsvoraussetzungen welche Konsequenzen auf KPI wie Umsatz oder Marktanteile haben. Und das nicht als starre Abfolge eines Wenn-dann-Regelwerkes, sondern auf Basis flexibler und vielschichtiger Verfahren des maschinellen Lernens.

Ein Versuch, die Realität zu simulieren

Eine Simulation kann aktuell noch nicht die komplexe Realität abbilden. Allerdings dient sie als ein Ansatzpunkt, wie Entscheider KI-Techniken in strategische Überlegungen aufnehmen. Die Autoren Reeves und Ueda skizzieren diese Entwicklung in ihrem Grundlagenartikel „Designing the Machines That Will Design Strategy” als „Integrated Strategy Machine“ [2]. Die von ihnen beschriebene „integrierte Strategiemaschine“ entsteht durch das Zusammenspiel von Mensch und KI. Ihr Ziel ist es, das Ergebnis der menschlichen Entscheidungen zu verbessern. Jedoch nicht das menschliche Denken zu ersetzen.

In dieses System bringt jede Seite ihre Stärken ein. Kreativität und Intuition auf der einen, Geschwindigkeit und Genauigkeit auf der anderen Seite. KI-Anwendungen übernehmen den strategischen Prozess also auch in Zukunft nicht. Sie treffen keine relevanten Entscheidungen oder ordnen autonom das Umsetzen an. Aber sie helfen den Verantwortlichen dabei, besser zu planen. Und sorgen so für bessere Ergebnisse. Ganz unabhängig von der Unternehmensgröße.

Referenzen

[1] Definition „Strategische Planung“ aus Wirtschaftslexikon Gabler (abgerufen am 6.8.2021)

[2] Reeves, Martin; Ueda, Daichi: „Designing the Machines That Will Design Strategy“ (abgerufen am 6.8.2021).

* David Märte ist Wirtschaftsinformatiker und arbeitete bei HP Software. Seit 2010 arbeitet er beim IT-Dienstleister Adesso am Standort in Stuttgart.

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