Beschichten Lack- und Druckfarbenindustrie vorsichtig optimistisch für 2017

Autor Stéphane Itasse

Der Umsatz der in Deutschland hergestellten Lacke, Farben und Druckfarben überschreitet 2016 wie auch im Vorjahr 8 Mrd. Euro. Von den produzierten 2,6 Mio. t Lacken, Farben und Druckfarben werden 1,76 Mio. t in Deutschland verarbeitet. Die Inlandsumsätze 2016 beziffert der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VDL) mit 5,5 Mrd. Euro.

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In Deutschland produzierte Autos sind weltweit gefragt – davon profitieren auch die Lackhersteller mit guten Zuwächsen.
In Deutschland produzierte Autos sind weltweit gefragt – davon profitieren auch die Lackhersteller mit guten Zuwächsen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

„Das Jahr 2016 war damit für die Branche ein eher durchschnittliches Jahr“, urteilte Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des VDL in Frankfurt laut einer Mitteilung des Verbands. Der Inlandsverbrauch an Beschichtungsprodukten wuchs insgesamt um 1,1 %, die Gesamtumsätze stiegen um 1,6 %.

Industrielacke legen 2016 am deutlichsten zu

Dabei verlief die Entwicklung in den einzelnen Marktsegmenten durchaus unterschiedlich. Der Inlandsmarkt für Baufarben wuchs um 1,4 %, die Umsätze um 2,2 % im Vergleich zu 2015. Die Industrielacksparte konnte um 1,2 % bei den verkauften Mengen und um 2,6 % bei den Umsätzen zulegen. Der Druckfarbenabsatz allerdings stagnierte im Jahr 2016, die Umsätze gingen sogar um 3 % zurück.

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Für 2017 sind die Hersteller von Lacken, Farben und Druckfarben in Deutschland vorsichtig optimistisch. Engelmann geht davon aus, dass die Konjunktur stabil bleiben wird, die Abnehmerbranchen sich weiterhin positiv entwickeln und die Inlandsabsätze steigen werden. Daher werden die Umsätze 2017 wohl auf über 8,1 Mrd. Euro bei einer Produktionsmenge von 2,63 Mio. t steigen.

Die Inlandsumsätze 2016 werden vom VDL mit 5,5 Mrd. Euro beziffert. Davon wurden 570 Mio. t im Wert von 2,97 Mrd. Euro an industrielle Abnehmer verkauft. Der Industrielacksektor gliedert sich laut Mitteilung des Verbands in viele, zum Teil sehr kleine und hochspezialisierte Teilmärkte. Die Hersteller von Industrielacken haben sich in den vergangenen Jahren stark auf ihre Kernkompetenzen konzentriert, viele Mitglieder des VDL sind in Nischen tätig. Der Gesamtbereich der Industrielacke entwickelt sich 2016 mit einem Zuwachs von 1,3 % bei den verkauften Mengen und 2,6 % bei den Umsätzen recht ordentlich.

Viele Industrielacke gehen indirekt in den Export

„Eine Ursache für die gute Entwicklung ist der so genannte indirekte Export, beispielsweise in der Autoindustrie oder im Maschinenbau“, sagte Engelmann. Von den 5,7 Mio. Pkw, die 2016 in Deutschland hergestellt werden, gehen 4,4 Mio. in den Export. Die anhaltend große Beliebtheit deutscher Autos im Ausland hat bei den Autoserienlacken zu einem Plus von 2 % geführt, und die gestiegenen Exporte bei Maschinen und Anlagen haben einen leichten Zuwachs der Verkäufe von Lacken für den Maschinenbau bewirkt.

Ähnlich sieht die Situation in den Industriebereichen aus, die primär für den Inlandsmarkt fertigen: Holz- und Möbellacke hatten in diesem Jahr einen leichten Anstieg von 1 % zu verzeichnen. Die besten Ergebnisse erzielten dabei Lacke für Küchenmöbel.

Lackverband warnt vor nachlässigem Korrosionsschutz

Für die Industrielacke erwartet der VDL im kommenden Jahr 2017 eine leicht abgeschwächte Entwicklung im Vergleich 2016, vor allem wegen einer nachlassenden Dynamik beim Export von Investitionsgütern. Auch der indirekte Export wird nur noch um etwa 1 % wachsen. Davon wird vor allem der Absatz von Autoserienlacken betroffen sein, hier geht man von einer Abschwächung des Wachstumstrends von 2 % auf 1,5 % aus. Die Entwicklung bei Beschichtungsstoffen für den Maschinenbau wird auch 2017 von leichten Zuwächsen gekennzeichnet sein, da insbesondere aus dem Ausland hochwertige Maschinen mit häufig sehr speziellen Lacksystemen nachgefragt werden.

Eine Sonderstellung unter den Industrielacken nimmt der Markt für Korrosionsschutz-Beschichtungsstoffe ein. „Rostfraß vernichtet weltweit pro Sekunde etwa 5 t Stahl; in Deutschland verursacht Korrosion jährlich einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 90 Mrd. Euro“, erläuterte Engelmann. Wesentliche Nachfrager nach Korrosionsschutz-Beschichtungsstoffen sind die Eigentümer der öffentlichen Infrastruktur. „Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass die öffentliche Infrastruktur in keinem guten Zustand ist, kann in diesem Jahr nur ein ganz leichtes Plus von 1 % festgestellt werden“, führt der VDL-Hauptgeschäftsführer aus.

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Dieser Zuwachs sei umso verblüffender, wenn man berücksichtige, dass hohe Summen für die Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur bewilligt sind. Allerdings könne der Investitionsstau nur sehr langsam abgearbeitet werden, da bei vielen Behörden in den letzten Jahren Fachpersonal abgebaut wurde, das benötigt würde, um Infrastrukturprojekte zu planen, auszuschreiben und zu begleiten. Für das Jahr 2017 haben die Branchen-Experten wenig Hoffnung, dass das Wachstum bei den Korrosionsschutz-Beschichtungsstoffen über 1 % hinausgehen könnte.

Druckfarben aus Deutschland in ganz Europa gefragt

Die Druckfarben kamen 2016 in Deutschland auf 508.000 t im Wert von 1,4 Mrd. Euro. Deutsche Druckfarben sind laut VDL in ganz Europa sehr begehrt, deshalb werden sie in hohem Umfang exportiert. Der Inlandsmarkt hat eine Größe von 291.000 t bei Umsätzen von 800 Mio. Euro.

Bei den in Deutschland verkauften Mengen an Druckfarben gab es 2016 keine wesentlichen Veränderungen zum Vorjahr. Über viele Jahre rückläufig waren die Absätze von Zeitungs- und Zeitschriftendruckfarben. Seit 2015 ist hier eine Stabilisierung festzustellen. Verpackungsdruckfarben zeigen unregelmäßige Marktverläufe, seit 2014 aber mit positiver Tendenz. Für 2017 erwarten die Hersteller von Druckfarben einen leichten Anstieg des Inlandsverbrauchs um 1 %. Dabei werden die Impulse hauptsächlich vom Verpackungsdruck ausgehen.

Bei den Wand- und Fassadenfarben, Lacken und Lasuren sowie Putzen und Spachtel belief sich der Absatz 2016 auf 900.000 t im Wert von 1,7 Mrd. Euro. Der Markt ist laut Verbandsmitteilung stark von der privaten Nachfrage abhängig. Zwar hat der Wohnungsbau deutlich positive Impulse für die Bauwirtschaft gesetzt; so erwartet das Baugewerbe für das Jahr 2016 einen Auftragszuwachs um 2,5 %. „Für unsere Branche muss man aber konstatieren, dass die Umsätze zu 70 % an der Renovierung beziehungsweise Instandhaltung von Bestandsgebäuden hängen“, sagte Engelmann.

2016 konnte bei den Bautenanstrichmitteln ein leichter Anstieg der Absatzmengen und der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden, vor allem wegen des Do-It-Yourself-Geschäftes. Auch für 2017 wird mit einem Anstieg von etwa 1 % gerechnet. Dabei wird sich der Heimwerkermarkt weiterhin dynamischer als der Profimarkt entwickeln.

Steigende Kosten belasten die Hersteller von Lacken und Farben

„Weniger erfreulich stellt sich die Kosten- und Margenentwicklung dar“, sagte Engelmann weiter. Nach einigen Jahren der vergleichsweise gedämpften Preisentwicklung bei den Vorprodukten sei 2017 eher wieder mit steigenden Rohstoffpreisen zu rechnen. „Der Rohstoffeinkauf macht in der Lack- und Druckfarbenherstellung im Durchschnitt 52 % der Gesamtkosten aus,“ sagte der VDL-Hauptgeschäftsführer.

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Kosten verursache auch die Regulierung, und zwar nicht nur die betriebliche Umsetzung bestehender Gesetze. Teilweise könne schon die Diskussion über mögliche Veränderungen – zumeist Verschärfungen – zu Mehrkosten führen, wenn die Abnehmer übersensibel reagierten. Engelmann appellierte an Politik und Behörden, Regulierungsansätze auf ihre Auswirkungen in der gesamten Lieferkette zu überprüfen und vorschnellen Aktionismus zu vermeiden.

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