CFK-Leichtbau Lamborghini-Supersportwagen Sesto Elemento geht in Serie

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Lamborghini verschiebt die Grenzen des Sportwagen-Leichtbaus mit carbonfaserverstärkten Kunststoffen nun endgültig weiter. Das Ergebnis ist der Prototyp Lamborghini Sesto Elemento mit einem Leergewicht von 999 kg, inklusive V10-Motors und permanentem Allradantriebs. Die ersten Serienexemplare sollen noch 2013 ausgeliefert werden.

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Straßenrakete: 570 PS katapultieren des Superlambo in 2,5 s auf 100 km/h.
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(Bild: Lamborghini)

Der italienische Sportwagenhersteller Lamborghini treibt den CFK-Leichtbau in zwei Forschungszentren voran: Im Advanced Composite Research Center (ACRC ) am Hauptsitz in Sant’Agata Bolognese und im Advanced Composite Structures Laboratory (ACSL ) an der Universität Washington in Seattle (USA). Im ACSL findet die Prozessentwicklung in Konstruktion und Fertigung zusammen mit Partnern wie Boeing statt.

Inzwischen umfasst der Leichtbau mit carbonfaserverstärkten Kunststoffen bei Lamborghini die komplette Prozesskette: von der computergestützten Konstruktion über die Kleinserienfertigung bis zur Prüfung und Montage von CFK-Bauteilen. Er trägt heute zur Markenbildung von Lamborghini im Sportwagenbereich bei.

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Extreme Leistung für extremen Fahrspaß

„Der Lamborghini Sesto Elemento zeigt, wie die Zukunft eines Supersportwagens aussehen kann“, sagt Stephan Winkelmann, Präsident und CEO von Automobili Lamborghini. Er kombiniere extremen Leichtbau mit extremer Leistung und extremen Fahrspaß. Diese Kombination sei für einen Hersteller von Supersportwagen in Zukunft überlebensnotwendig. Deshalb soll die gesamte Modellpalette von Lamborghini von der Konstruktion und Fertigung des Prototypen profitieren. Die Auslieferung der ersten Exemplare des Sesto Elemento seien für dieses Jahr geplant.

Die Leichtbaubasis des Prototypen bildet die CFK-Fahrgastzelle in Monocoque-Bauweise.

Auspuffendrohr: ein Mix aus Carbonfaser und Glaskeramikmatrix

Außenhaut, vorderer Rahmen und Crashboxen des Lamborghini Sesto Elemento gehören zu der als selbsttragendes Element gefertigten Zelle. Weitere wichtige Antriebs-, Lenkgetriebe- und Außenteile sind aus CFK gefertigt: unter anderem Kardanwelle, Querlenker und Felgen. Darüber hinaus kommen für die Auspuffendrohre der hitzebeständige Verbundwerkstoff Pyrosic zur Anwendung: eine Mischung aus Carbonfaser und Glaskeramikmatrix. Dieser Faserverbundwerkstoff hält Temperaturen bis 1000 °C stand.

Integrierte Strukturelemente mit klaren Funktionen

Lamborghini-CEO Winkelmann sieht in der Monocoque-Bauweise den Vorteil, dass unterschiedliche komplexe Strukturen in einem Bauteil integriert werden können. Das wirkt sich positiv auf die mechanische Belastbarkeit und das Gewicht der Gesamtkonstruktion aus. Beim Prototypen Lamborghini Sesto Elemento , der schon als Konzeptfahrzeug auf dem Automobilsalon 2010 in Paris vorgestellt wurde, bestehen daher auch der vordere und der hintere Karosseriebereich jeweils aus einem Stück.

Dabei hat jedes integriertes Strukturelement klare Funktionen. So verbessern die beiden vertikalen Rippen im Fronbereich die Gesamtsteifigkeit und führen die Kühlluft direkt zum dahinter liegenden Kühler und zu den Carbon-Keramik-Bremsen

Zur Umsetzung der CFK-Leichtbauweise kommt eine Weiterentwicklung des RTM-Verfahrens (Resin Transfer Moulding) zur Anwendung: RTM-Lambo. Lamborghini ließ sich diese Entwicklung patentieren. Ingesamt wurde die gesamte Prozesskette für die Monocoque-Technik selbst erarbeitet, unterstützt von Partnern außerhalb und innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Beim Hochdruckverfahren RTM Lambo wird mit Werkzeugen gearbeitet, die einen CFK-Unterbau haben.

V10-Triebwerk katapultiert neuen Lambo in 2,5 s auf Tempo 100

Im Ergebnis führt die Monocoque-Bauweise zu einer extremen Steifigkeit, die laut Winkelmann nicht nur einen sehr hohen Grad an Sicherheit bewirkt, sondern auch eine unvergleichliche Fahrpräzision. Der als Prototyp gebaute Supersportwagen beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 2,5 s. Verantwortlich dafür ist ein V10-Saugmotor, ausgelegt für 570 PS – und ein Gewichts-Leistungs-Verhältnis von nur 1,75 kg/PS. Der Supersportwagen schafft eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h.

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