Trumpf und Tecoi Laserschneiden auf der längsten Anlage der Welt

Redakteur: Peter Königsreuther

Fast 70 Meter lang ist die wahrscheinlich längste Laserschneidanlage der Welt. Trotz ihrer XXL-Dimensionen könne sie von einem Mitarbeiter alleine bedient werden. Nur Spanier haben sich getraut sie zu bauen und deutsche Technik spielte dabei keine geringe Rolle.

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Zwei Schneidköpfe jeweils mit 0,5- und 1-mm-Faser können parallel oder unabhängig auf der spanischen XXL-Laserschneidanlage von Tecoi agieren. Im niederländischen Rhenen schneidet sie nun riesige Bleche bis 30 mm Dicke für den Schiff- und Lkw-Bau. Ein Trumpf-Trudisk-6002-Scheibenlaser sorgt dabei für exakte Konturen.
Zwei Schneidköpfe jeweils mit 0,5- und 1-mm-Faser können parallel oder unabhängig auf der spanischen XXL-Laserschneidanlage von Tecoi agieren. Im niederländischen Rhenen schneidet sie nun riesige Bleche bis 30 mm Dicke für den Schiff- und Lkw-Bau. Ein Trumpf-Trudisk-6002-Scheibenlaser sorgt dabei für exakte Konturen.
(Bild: Norbert Voskens)

Die M. den Oudsten Buigwerke im niederländischen Rhenen gehören zu den Spezialisten für das Laserschneiden und XXL-Biegen. Pieter den Oudsten, der Geschäftsführer des Unternehmens, steht in der neuen Produktionshalle und schaut auf seine spanische Riesenschönheit: Sie ist viereinhalb Meter breit und ganze 66 m lang. Dieser iberische Gigant ist derzeit die größte Laserschneidanlage der Welt. Ihr Lasersystem ist dort für das Schneiden von riesigen Blechen für Lkw-Karosserien, Schiffswände und den Konstruktionsbau im Einsatz.

Ein Mitarbeiter reicht für das Laser-Monster aus

Die Werkstücke messen bis zu 12 m × 3 m und haben eine maximale Dicke bis 30 mm. Diese zu bearbeitenden Bleche liegen dabei auf dem 66 m langen, in den Boden eingelassenen Tisch parat und eine 20 m lange Laserkabine fährt danach fünf definierte Arbeitspositionen einzeln ab. Während ein Blech gerade zugeschnitten wird, kann der Bediener die anderen be- und entladen.

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Trotz der gigantischen Ausmaße der Anlage reicht ein einziger Mitarbeiter, um sie zu bedienen. Weil der Maschinentisch der XXL-Laserschneidanlage ebenerdig platziert ist, lassen sich die Bleche gut darauf ablegen. „Der Mitarbeiter muss dabei nicht auf einen Bedientisch klettern. Er kann die Bleche mit einem Deckenkran unkompliziert be- und entladen“, sagt den Oudsten. Ist ein Blech positioniert, klappen an den Seiten Barrieren hoch und eine Kabine fährt heran, die das Blech komplett verdeckt. Sind auf beiden Kabinenseiten die Rolltore heruntergefahren, kann es losgehen.

Zwei Schneidköpfe „tanzen Polka“ über dem Blech und schneiden dabei die gewünschten Formen hinein. Die beiden Optiken sind an einem Portal angebracht, das sich über das Blech in Bearbeitungsrichtung bewegt. Ist ein Blech fertig, öffnen sich die Rolltore der Anlage und die Vorrichtung bewegt sich weiter zum nächsten. „Mit diesem Prinzip können wir je nach Größe fünf bis zehn Bleche in einem Prozess bearbeiten“, betont den Oudsten.

Keiner wollte die Anlage zunächst bauen

Fast hätte es die gigantische Schneidmaschine aber niemals gegeben. „Es war gar nicht so einfach, einen Hersteller zu finden, der sich an eine solche Riesenmaschine heranwagt. Erst Tecoi hat sich den Bau einer so großen Laserschneidanlage zugetraut“, merkt den Oudsten an.

Das Unternehmen Tecoi, ansässig in der nordspanischen Provinz León, ist ein Anbieter für mittelgroße Maschinen und Übergrößen. Dabei sind Lasermaschinen ab einer Größe von 6 m das Spezialgebiet, was in diesem Marktsektor aber schon einzigartig ist. Jorge Luís Rodríguez, CEO bei Tecoi, erinnert sich noch gut an den Auftrag aus den Niederlanden.

Die besonderen Herausforderungen beim Bau der riesigen Schneidanlage für die Buigwerken lagen laut Rodríguez sowohl bei der Kabine als auch beim benötigten Portal. Rodríguez erklärt: „Es war dabei entscheidend, einen guten Kompromiss zu finden zwischen Höhe, Gewicht und Dynamik der Kabine, also dem Brems- und Beschleunigungsverhalten. Besonders beim Portal war das Gewicht entscheidend, denn die dynamische Bewegung muss sich exakt der Schneidgeschwindigkeit anpassen.“ Die Spezialisten von Tecoi wissen außerdem, wie man beim Laserschneiden den „Turbo“ einschaltet: Am Schneidkopf vereinen sich deshalb zwei verschiedene Fasern. „Damit können wir zwei Strahlen mit unterschiedlicher Schnittqualität kombinieren. Die eine Faser ist dabei für dünnere Materialien mit Stärken zwischen 0,8 und 1 mm besser nutzbar, die andere ist prädestiniert für das Schneiden dickerer Bleche mit bis zu 30 mm Stärke. Der Schneidkopf muss bei unterschiedlichen Aufgaben also nicht gewechselt werden. Das spart Zeit und macht produktiv.“

Scheibenlaser aus Ditzingen macht produktiver

Die Spanier nennen das von ihnen entwickelte System „Dual Fiber Process“ (DFP). Um die Bearbeitungsgeschwindigkeit zusätzlich zu erhöhen, setzt Tecoi zwei dieser Schneidköpfe pro Portal ein, die parallel arbeiten. In Sachen Strahlquelle hat man sich für einen Scheibenlaser des Typs Trudisk 6002 von Trumpf entschieden.

Den Oudsten von den Buigwerken in den Niederlanden ist mit der Anlage und dem Lasersystem zufrieden: „Mit diesem Scheibenlasersystem arbeiten wir bei Blechen mit vielen Schneidaufgaben doppelt so schnell wie mit dem CO2-Laser.“ Im Vergleich zu unseren Mitbewerbern ist man nun flexibler und erreicht laut den Oudsten eine Lieferzeit von weniger als fünf Tagen, was in der Branche der Großblechbearbeiter eine Blitzdienstleistung ist. Um in einer Schicht bis zu vier Großbleche in der Stunde produzieren zu können, wollten die Buigwerken diese XXL-Schneidanlage unbedingt haben. In der Praxis hat sich gezeigt, dass je mehr Schneidaufgaben pro Blech anstehen, desto besser die zweiköpfige Monsteranlage ihre Geschwindigkeitsvorteile ausspielen kann. MM

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