Leichtbau aktuell Leichtbau – ein Enabler mit gewissen Anlaufproblemen

Autor / Redakteur: Christa Friedl / Peter Königsreuther

Der Leichtbau gilt als Schlüssel für Ressourceneffizienz und für Klimaschutz – das steht für viele außer Frage. Hier ein Blick ins aktuelle Leichtbaugeschehen, mit bestehenden Chancen und Hürden.

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Der Leichtbau in Kunststoff, hier CFK-Teile, und Metall hat viele Vorteile. Doch nur, wenn er sich breit durchsetzen kann und preislich günstiger wird. Was momentan geht und was nicht, zeigt dieser Beitrag.
Der Leichtbau in Kunststoff, hier CFK-Teile, und Metall hat viele Vorteile. Doch nur, wenn er sich breit durchsetzen kann und preislich günstiger wird. Was momentan geht und was nicht, zeigt dieser Beitrag.
(Bild: Königsreuther)

Abgesehen von den oben genannten Vorteilen für die Gesellschaft, hat der Leichtbau aber auch seine technischen Vorzüge, die offensichtlich sind: bewegte Bauteile und Systeme erhalten eine erhöhte Dynamik durch deutlich verringerte Massen. Der Leichtbau spart so Energie und Rohstoffe und er verbessert und erleichtert den Transport und die Handhabung selbst größter Teile. Nicht zuletzt schaffen materialreduzierte Bauteile Platz für mechatronische Komponenten, die smarte und digitalisierte Produkte erst möglich machen.

Die Wirtschaftspolitik sieht Enabler

Der Leichtbau war viele Jahre eine Spielwiese für Materialforscher und experimentierfreudige Konstrukteure, aber eher weniger ein Megathema der Wirtschaftspolitik. In Zeiten von Klimaschutz und Ressourcenschonung ändert sich das. Im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) wächst deshalb die Liste der Initiativen, Strategien und Programme, die das Wort Leichtbau im Titel tragen, mit rasantem Tempo. Auch die Fördertöpfe sind gut gefüllt. Im Rahmen des Technologietransferprogramms Leichtbau, das vor rund einem Jahr gestartet wurde, stehen etwa für Verbundprojekte, die als primäres Ziel Treibhausgase oder Rohstoffe einsparen sollen, künftig jährlich 69 Millionen Euro mehr zur Verfügung als geplant.

Das Ministerium hat auch noch ein europäisches Netzwerk ins Leben gerufen und will über sein Markterschließungsprogramm insbesondere KMU den Weg zu ausländischen Märkte erleichtern. „Der Leichtbau ist ein Enabler zur Beantwortung großer Fragen unserer Zeit“, formulierte der BMWi-Ministerialrat Werner Loscheider Ende Februar diesen Jahres im Rahmen des Landshuter Leichtbau-Colloquium (LLC).

Die Realität wirft aber noch diverse Fragen auf:

Ganz so einfach ist es aber nicht, mit dem sogenannten Enabler. Damit der Leichtbau auch in der Serienfertigung Erfolg hat, und das muss er, um sich auf dem Massenmarkt durchzusetzen, stellen sich weitaus mehr Fragen als nur die nach dem Gewicht der Bauteile: Welche Leichtbau-Werkstoffe sind wie stark belastbar und wie ist deren Zuverlässigkeit und Lebensdauer? Welche Vorteile bringt die Digitalisierung der Wertschöpfungskette? Wie wird die Fertigung deutlich schneller und damit günstiger? Fragen über Fragen, doch genau zu diesen Schnittstellen bringt die Hochschule Landshut beim LLC regelmäßig Wissenschaft und Wirtschaft an einen Tisch.

Das Colloquium in diesem Jahr zeigte, dass die Liste der Herausforderungen lang ist. Der Leichtbau kann seine Vorteile deshalb nur dann ausspielen, wenn die gesamte Wertschöpfungskette gezielt auf ihn ausgerichtet wird – von der Idee über die Planung, zur Simulation, über die Konstruktion und bis zur Herstellung. „Das beginnt im Grunde schon bei der Ausbildung“, betonte Prof. Otto Huber, wissenschaftlicher Leiter des Landshuter Leichtbau-Clusters. Genauso wichtig ist für ihn, dass für jede Phase der Wertschöpfungskette digitale Tools zu entwickeln und zu nutzen sind. Denn erst die digitale Vernetzung von Produktionsprozessen steigere die Effizienz und Produktqualität deutlich. Auch verringert sie den Ausschuss und damit Materialverluste.

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