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JEC World 2019 - die Titelstory

Leichtbau-Höhenflüge im Pariser Frühlingswind

| Autor / Redakteur: Peter Königsreuther / Peter Königsreuther

Großserientauglicher Prozess

Auch Engel präsentiert in Halle 5 mit „Organomelt“ ein System zur Verarbeitung thermoplastischer Composites, wie Organobleche und UD-Tapes (Unidirectional Tapes, das sind Verstärkungsmatten, in denen die Fasern nur in eine Richtung verlaufen). Das Verfahren ist großserientauglich und deshalb für Autobauer besonders attraktiv.

Damit, heißt es, lassen sich beispielsweise Versteifungsrippen oder Montageelemente unmittelbar nach dem Umformen mit einem Thermoplast aus der gleichen Werkstoffgruppe des Matrixmaterials anspritzen, wobei das Element mit dem Grundmaterial sozusagen verschweißt. Das bringe nicht nur einen sehr effizienten und vollständig automatisierten Fertigungsprozess ins Spiel, sondern leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Circular Economy.

„Der konsequent thermoplastische Ansatz, auf den auch wir setzen, vereinfacht das spätere Recycling der Bauteile“, erläutert Christian Wolfsberger, Business Development Manager Composite Technologies von Engel. Das Geheimnis um das Potenzial dieser Technologie will der JEC-Aussteller aber erst während der drei Messetage anhand von Musterteile lüften. Anspruchsvolle Strukturteile werden laut Wolfsberger bereits in den USA in Großserie produziert. Wegen des hohen Organoblechanteils zeichneten sich diese Bauteile durch ein besonders geringes Gewicht aus.

Schnittiges und Verbindliches

Hat man nun endlich das Teil aus der Press- oder Gießform genommen, ist die Sache mit den effizienten Prozessen noch nicht vorbei: Speziell bei FVK mit Duromermatrix müssen meist noch Montagelöcher eingearbeitet und der herstellungsbedingte Überstand am Teilerand entfernt werden. Das klappt per Wasserstrahlschneiden oder auch mit dem Laser. Doch setzen die meisten immer noch auf die klassische mechanische Zerspanung in staubgesicherten Bearbeitungszentren.

Ein Aussteller in Halle 6, der dafür die richtigen Fräswerkzeuge hat, ist Hufschmied Zerspanungstechnik. Seine Produktreihe Hexacut Eco hat, wie es heißt, perfekt auf die Bearbeitung von CFK und GFK abgestimmte Schneidgeometrien samt Diamantbeschichtung. So fräse es sich schnell und delaminationsfrei sowohl im Schrupp- als auch Schlichtmodus durch das Leichtbauteil. Im Vergleich zu anderen spare das rund 40 % der üblichen Prozesskosten.

Ist das FVK-Teil beschnitten, muss man sich noch Gedanken darüber machen, wie es an anderen Bauteilen befestigt werden kann. Dazu braucht es Gewinde oder Clipse im Bauteil. KVT-Fastening ist ein Aussteller in Halle 5, der mit MM-W (Multimaterial-Welding) eine schnelle Methode bietet, die thermoplastische Befestigungselemente in Composites per Ultraschall einbringt. Dabei werden diese weich, fließen und sitzen nach ihrer Abkühlung formschlüssig und absolut fest im FVK.

Selber sehen macht klug

Mit Blick auf die geschilderten Innovationen, vor allem in puncto Recycling, kann man die Warnung einer römischen Unkenschar, sich vor den Iden des März zu fürchten, getrost ignorieren. Trotz aller heute kolportierten Weltuntergangsprognosen aller Art: Was in Rom galt, gilt in Paris nicht. Schon gar nicht in Sachen ressourcenschonender Materialentwicklungen und kommender nachhaltiger FVK-Bauteile. Beschnuppern wir also die Blüten der Innovationskräfte auf den diversen Feldern der (Composite)-Experten und machen wir uns ein eigenes Bild von der Zukunft. MM

Ergänzendes zum Thema
 
Kommt die Leichtbauwende?

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