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Automatisierte Flurförderzeuge Linde-MH macht in „Robotik“

| Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Nur wenige Wochen nach Bekanntgabe der Kooperation mit dem französischen Robotikspezialisten Balyo bringt Linde Material Handling (Linde-MH) die ersten automatisierten Flurförderzeuge „driven by Balyo“ auf den Markt. Die Geräte wurden unter dem Dach von Linde Robotics entwickelt und kommen ohne die übliche Infrastruktur aus.

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Unter dem Dach von Linde Robotics bringt Linde-MH die ersten Robotikgeräte „driven by Balyo“ auf den Markt.
Unter dem Dach von Linde Robotics bringt Linde-MH die ersten Robotikgeräte „driven by Balyo“ auf den Markt.
(Bild: Hofmann)

Die ersten verfügbaren Modelle sind der automatisierte Hochhubwagen Linde L-Matic L HP und der automatisierte Schlepper Linde P-Matic. Der automatisierte Hochhubwagen verfügt über eine Tragfähigkeit von 1,2 t und beschleunigt auf maximal 1,6 m/s mit und ohne Last. Der Schlepper verzieht eine Anhängelast von 5 t, seine maximale Fahrgeschwindigkeit liegt bei 2 m/s. Basis der automatisierten Modelle ist das jeweilige Linde-Standardgerät mit 3-kW-Drehstrom-Fahrmotor. Zusätzlich verfügen die Linde-Matic Versionen den Unternehmen zufolge über Navigationslaser, Sicherheitsscanner vorn und hinten, 3-D-Kamera oder Sicherheitslaser, Computereinheit mit 7-Zoll-LCD-Bildschirm sowie visuelle und akustische Warneinrichtungen plus einen Notausschalter an beiden Seiten. Aufgrund dieser Merkmale können die Geräte zusammen mit Personen oder anderen Fahrzeugen in derselben Umgebung arbeiten. Hindernisse werden demnach in Echtzeit erkannt und das Roboterverhalten dynamisch angepasst.

Orientierung über Laser

Bei der Präsentation der Fahrzeuge erklärte Albert Gobyn, Vice President Marketing bei Balyo, die innovative Funktionsweise der Automatisierungstechnik: „Grundlage unserer Technologie ist eine eng mit dem Radar verwandte Methode namens Lidar. Dabei werden Laserstrahlen genutzt, um die Abstände zu messen. Mit dem Bild, das wir so von der Umgebung bekommen, erstellen wir eine Referenzkarte und die Routen für die Fahrzeuge. Zur Orientierung nutzen wir vorhandene Strukturen wie Wände Regale und Säulen. Wenn sich hier etwas ändert, können wir die Karten auch ohne Probleme anpassen.“ Wie lange diese Vorarbeiten dauern, hängt dabei vorwiegend von der Größe und Beschaffenheit des Einsatzgebietes ab. Etwa eine Woche veranschlagte der Experte für die Einrichtung eines Systems bei durchschnittlicher Größe. Danach begleiten die Experten des Unternehmens den Betrieb noch mehrere Tage vor Ort. „Durch die einzigartige Funktionsweise unserer Lösung ist auch ein Einsatz im Freien in naher Zukunft denkbar“, führt Gobyn an.

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Automatisch und manuell

Zu den weiteren Besonderheiten der Fahrzeuge gehört, dass sie sowohl einen automatischen als auch einen manuellen Modus bieten. Das soll aus Sicht von Linde-MH und Balyo bei den Kunden das nötige Vertrauen schaffen. Dabei funktioniert der Übergang von automatischem zu manuellem Betrieb und wieder zurück reibungslos, wie bei der Präsentation der Fahrzeuge gezeigt wurde. Diese Funktion gehörte laut Aussage von Patrick Ebert, Leiter der Linde Academy und des Produktmanagements Deutschland, auch zu den Gründen, aus denen sich Linde-MH nach einem mehrjährigen Prozess für die Zusammenarbeit mit dem französischen Unternehmen entschieden hat. Ein weiterer war die standardisierte Automatisierungslösung Movebox, die die Steuerung der Gräte übernimmt. „Dadurch, dass wir auch Standardkomponenten unserer Flurförderzeuge nutzen, können wir unseren Kunden große Vorteile beispielsweise bei dem Service und der Inbetriebnahme bieten“, so Ebert. Im Endeffekt sollen sich die Fahrzeuge unkompliziert in bestehende Flotten oder Lagerlayouts einfügen und einen schrittweisen Ausbau möglich machen.

Dem Kunden eine Hilfe sein

Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen das Angebot automatisierter Flurförderzeuge in den nächsten Jahren schrittweise ausbauen. So wird es auch Niederhubwagen, Hochhubwagen mit höherer Tragfähigkeit sowie Gegengewicht-Hochhubwagen, Schubmaststapler und Schmalganggeräte „driven by Balyo“ geben. Im Rahmen der langfristig angelegten Partnerschaft hat Linde-MH auch 10 % der Anteile an Balyo übernommen. „Wir werden von der Vision angetrieben: das Leben unserer Kunden einfacher zu machen, indem wir ihnen die nötigen Werkzeuge geben, um effizienter zu arbeiten“, gibt Fabien Bardinet, CEO von Balyo, zu Protokoll. „Es steckt in unserer DNA Lösungen zu entwickeln, die die Grenzen des Machbaren verschieben. Für uns handelt es sich hier um eine Roboter-Technologie und nicht einfach um Automation und Roboter müssen hilfreich sein, um von menschlichen Arbeitern akzeptiert zu werden.“

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur MM MaschinenMarkt