Stahl- und Metallverarbeitung Liquiditätsengpässe werden für Zulieferer zum Problem

Redakteur: Jürgen Schreier

Das Jahr 2008 ist für die deutschen Stahl- und Metallverarbeiter alles in allem nochmals ein relativ gutes Jahr gewesen, wenngleich die beiden Schlussmonate das Gesamtergebis stark relativierte.

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Das hohe Niveau der Vorjahre konnte 2008 gehalten werden: Dieses Fazit ziehen die rund 4900 Unternehmen der deutschen Stahl- und Metallverarbeitung für das Geschäftsjahr 2008. Verglichen mit dem Vorjahr ging die Produktion nur leicht um 0,5% zurück, der Umsatz etwas stärker um 0,9%. Im Jahresdurchschnittsvergleich stieg die Beschäftigung um 3,6% auf 451000 Menschen. Das sei ein grundsätzlich zufriedenstellendes Ergebnis vor dem Hintergrund des starken Wachstums in den Jahren zuvor, so der WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung, Düsseldorf.

Aber: „Zwei extrem schwache Monate zu Jahresende haben die Erfolge der ersten drei Quartale 2008 innerhalb kürzester Zeit pulverisiert“, sagt WSM-Präsident Ulrich Galladé. Allein im Dezember brach die Produktion um 23,3% ein, der Umsatz sank um 22,2% ab. Noch dramatischer war die Entwicklung bei den Auftragseingängen, die im letzten Monat des Jahres 2008 um 40,5% einbrachen. Im Jahresvergleich beträgt das Minus bei den Neubestellungen 8,4 %.

Die Krise trifft in erster Linie die Unternehmen der Automobilzulieferindustrie, die rund 50% zum gesamten Branchenumsatz von über 83 Mrd. Euro beitragen. Das Konsumgütersegment stehe noch verhältnismäßig gut da, weil insbesondere die Kundengruppen Bau- und Fachmärkte von der Krise und dem nach wie vor robusten Konsumenten profitierten, so Galladé. „Trotzdem, 2009 stehen wir vor großen Herausforderungen, die wir gemeinsam mit unseren Partnern in Wirtschaft und Politik bestehen können, wenn alle an einem Strang ziehen“, ist der Verbandspräsident überzeugt

Immer mehr Zulieferer beklagen Liquiditätsengpässe

Zu schaffen machen den WSM-Unternehmen in der Zulieferindustrie Liquiditätsengpässe. Galladé: „Die Situation ist schnell beschrieben. Die Aufträge sind dramatisch eingebrochen. Das erfordert Kostensenkungen, die erst einmal bezahlt werden müssen. Gleichzeitig mussten hohe Werte in den Warenlagern wegen des stark gefallenen Stahlpreises abgeschrieben werden. Und von Kunden- und Lieferantenseite drückt das Cashmanagement: Die einen wollen später zahlen, die anderen früher als üblich ihr Geld sehen. Und unsere mittelständischen Unternehmen sind mitten drin in der Verteidigungsposition.“

Angesichts der schlechten Geschäftsaussichten in vielen Abnehmerbranchen – etwa in der Automobilindustrie und im Maschinenbaus – würden die WSM-Unternehmen zudem von Warenkreditversicherern und Banken in Sippenhaft genommen. Trotz hervorragender Positionierung im Markt: „Ausfallgarantien werden nach der Rasenmähermethode gekündigt, die Unternehmen ohne Einzelfallprüfung in den Ratings herabgestuft, in der Folge steigen die Kreditkosten“, so Galladé.

Über ein Drittel der zumeist mittelständisch geprägten Firmen befänden sich derzeit in Verhandlungen mit ihren Banken. Auf rund 10 Mrd. Euro schätzt Galladé den kurzfristigen Finanzierungsbedarf. „Mit diesem Geld müssen die Unternehmen die anstehenden Kostensenkungen, also etwa Lagerabbau oder Kurzarbeit, bezahlen. Aber auch vorsorgen, um das kommende Wachstum finanzieren zu können.“

Banken agieren „übervorsichtig“

Hauptproblem sei, dass viele Banken derzeit übervorsichtig agierten. Dass sie beispielsweise den Zugang der Unternehmen zu Bürgschaftsprogrammen unnötig erschwerten und zu tragende Restrisiken mit unverhältnismäßig hohen Sicherheitsleistungen belasteten. Galladé: „Wir müssen dahin kommen, dass auf breiter Front KfW- und Länderbürgschaftsprogramme offensiv genutzt werden. Die WSM-Unternehmen sind prädestiniert für diese Programme.“ Der kürzlich vom WSM angestoßene Dialog mit den Banken zeige allerdings erste Wirkung. Die hervorragende Position der WSM-Unternehmen als Technologie- und globale Marktführer werde wieder berücksichtigt. „Die Schockstarre löst sich langsam.“

WSM verkneift sich Prognose für 2009

Grundsätzlich zufrieden ist der WSM mit den politischen Initiativen zur Bekämpfung der Krise. Allein in Einzelpunkten gebe es Korrekturbedarf, so Galladé. „Das Konjunkturpaket II ist gelungen, insbesondere die Verkürzung der Karenzfrist für die Haftungsfreistellung auf vier Monate begrüßen wir sehr.“ Allerdings sollte die Haftungsfreistellung bei Bürgschaftsprogrammen von derzeit 60 Prozent weiter erhöht werden; möglich sind laut europäischem Beihilferecht 90%. „Eine Anhebung wäre besonders in der Zusammenarbeit mit den Banken eine große Erleichterung.“

Zudem wirbt Galladé für mehr Unterstützung von Zusammenschlüssen im Mittelstand. „Fusionen oder Übernahmen können Insolvenzen verhindern und stärken die Struktur der Branche für die Wachstumsherausforderungen nach der Krise.“

Eine Prognose für das Jahr 2009 will der WSM nicht abgeben. Der Verband erwartet allerdings, dass sich die Situation zum Jahresende entspannt und dann das Startsignal für neues Wachstum gegeben werden kann.

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