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Produktionslogistik

Logistik beginnt beim Produkt

| Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Eine systematische Planung der Produktionslogistik gewinnt vor dem Hintergrund zunehmend automatisierter Fertigungslinien und vernetzter Produktionsabläufe – Industrie 4.0 ist hier nur eine Facette – zunehmend an Bedeutung.

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In Zukunft soll die Logistik ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung sein.
In Zukunft soll die Logistik ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung sein.
(Bild: Werner Sobek, Stuttgart)

Es ist noch heute gängige Praxis in vielen Unternehmen: Der Materialfluss folgt der Produktion und passt sich an ihre Bedürfnisse an. Experten sagen allerdings voraus, dass sich das in Zukunft deutlich ändern und die Logistik ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung sein wird, denn schon hier entscheidet sich, wie reibungslos die Fertigung später abläuft und ob ein Produkt in der gegebenen Infrastruktur überhaupt gefertigt werden kann.

Grundlage für alle Bemühungen in diese Richtung ist eine strukturierte Planung, die sich mit unterschiedlichsten Zielen und Anforderungen, die an das Fabriklayout gestellt werden, auseinandersetzt. Das beginnt in vielen Fällen schon damit, festzulegen, was ein Unternehmen unter den einzelnen Bereichen versteht, wie Prof. Günther Pawellek vom Institut für technische Logistik der Technischen Universität Hamburg-Harburg erklärt: „Das ist beispielsweise bei der Fabrikplanung der Fall, denn hier ist schon der Begriff die erste Hürde. Dieser ist nicht fest definiert und wird von unterschiedlichen Unternehmen häufig anders ausgelegt. Daher muss zu Beginn der Planung erst einmal abgesteckt werden, welche Bereiche betrachtet werden sollen.“

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Die Hamburger Experten haben sich der „ganzheitlichen Fabrikplanung“ verschrieben und wollen so eine strukturierte und zielorientierte Vorgehensweise über die gesamte Planungsbreite und -tiefe sicherstellen. Dabei ist es wichtig, prozessorientiert vorzugehen und eine systemorientierte Betrachtung aller Komponenten und Wechselwirkungen durchzuführen. Dafür müssen auch neue Anforderungen berücksichtigt werden, die sich heute auf die Fabrikplanung auswirken. Das schließt Turbulenzen der Märkte ebenso mit ein, wie sich verkürzende Produktlebenszyklen und kontinuierliche Anforderungsveränderungen, die Pawellek zufolge den Veränderungsdruck auf das Planungsvorgehen erhöhen. Vor diesem Hintergrund fordert der Markt heute eine Beschleunigung der Fabrikplanungsprozesse.

Ganzheitlicher Ansatz

Für die tatsächliche Strukturplanung sind Daten zum Produkt, der Fertigung und der Montage unerlässlich. Die Reihenfolge, in der die Produkte bearbeitet werden, und in welchem Materialfluss sie bereitgestellt werden sollen, spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie das Layout der umgebenden Gebäude, die einen großen Einfluss darauf haben, wie sich eine Fabrik entwickeln kann.

„Das Ergebnis dieser Planung ist immer ein Strukturplan, in dem konkrete Maßnahmen und Projekte definiert werden. Ist es das Ziel des Projekts, die Fertigungskapazitäten zu verdoppeln, muss der Strukturplan unter anderem aufzeigen, wo der Platz dafür besteht, wie diese Flächen an bestehende angebunden sind und welche Materialflüsse zu realisieren sind. In diesem Prozess kann aber beispielsweise auch evaluiert werden, ob eine weitere Lagerung oder doch eine Just-in-Time-Lieferung Sinn macht“, erklärt Ingo Martens, Geschäftsführer von ILS Integrierte Logistik-Systeme. Dabei sollten auch die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Fertigungs- und Lagerbereichen, dem Transport und den Zulieferern dokumentiert und möglichst optimiert werden.

Im Gegensatz zur Fabrikplanung gibt es bei der Produktionslogistik keine Unklarheiten bei der Begrifflichkeit. Sie umfasst alle Aktivitäten, die mit der Versorgung der Produktion mit Einzelgütern (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Halbfertigzeuge und Kaufteile) und der Weitergabe der Halbfertigzeuge und Fertigprodukte an das Absatzlager in Verbindung stehen. Zu den größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Produktionslogistik gehört, dass die Objekte innerhalb der Fertigung durch die Be- und Verarbeitung einem ständigen Wandel unterliegen. Das hat natürlich zum Ergebnis, dass die Teile im Verlauf des Güterflusses unterschiedliche Anforderungen an die Logistik stellen.

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur, MM MaschinenMarkt