Produktionslogistik

Logistik beginnt beim Produkt

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Trotz aller Möglichkeiten, bestehende Layouts zu optimieren und Neubauten möglichst ideal zu gestalten, wird eine perfekte Produktionslogistik aber nur dann möglich, wenn ihre Anforderungen bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden. „Die Produktstruktur beeinflusst unter anderem die Beschaffung, die Produktion, den Materialfluss und die Distribution. Deshalb muss bereits die Entwicklungsphase fokussiert werden, wenn logistische Prozesse positiv beeinflusst werden sollen“, erklärt Andreas Schramm, Geschäftsführer der Gesellschaft für Unternehmenslogistik (GfU). Werden die Vorgaben aus dem Materialfluss bei der Produktentwicklung nicht beachtet, kann dies nicht nur zu gestörten Abläufen führen, sondern auch Mehrkosten nach sich ziehen. Das ist unter anderem der Fall, wenn die einzelnen Teile eines zu montierenden Produkts zu groß geplant werden und deshalb nicht in die Standardladungsträger passen. In diesem Fall entstehen zusätzliche Kosten bei der Handhabung, der Lagerung und beim Transport.

Das Hauptziel einer logistikgerechten Produktstruktur hingegen ist natürlich, Kosten zu senken und die Effizienz in den logistischen Prozessen zu steigern. „Die Voraussetzung hierfür ist, dass auch ein Nicht-Logistiker mit geeigneten Instrumenten in kurzer Zeit die Auswirkungen der eigenen Maßnahmen auf die Logistik abschätzen kann“, ergänzt Schramm. Die fehlenden Materialfluss-Kenntnisse vieler Produktentwickler mögen auch ein Grund sein, dass der GfU zufolge nur bei etwa 20 % der Unternehmen in den Phasen der Konzeption bis zur Planung logistisches Fachwissen einbezogen wird.

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Schramm und seine Kollegen haben ein Konzept zu einer idealtypischen Vorgehensweise zur Optimierung der Produktstruktur entwickelt, das an die Ansprüche der verschiedensten Produkte angepasst werden kann. Es besteht aus den folgenden Punkten:

  • Aufbau der Datenbasis und Analyse der Anwendungsfälle,
  • Abgrenzung des Untersuchungsbereichs,
  • Herleitung eines Matrixsystems der Abhängigkeiten,
  • Validierung und Identifikation der Schlüsselelemente,
  • Szenarien der Anwendung,
  • Darstellung der Ergebnisse.

Flexible Steuerung der Produktion

Bei der Steuerung der tatsächlichen Produktionsprozesse setzen Unternehmen wie Siemens, Liebherr, Arburg und ABB auf die sogenannte marktsynchrone Produktion. „Konzepte, Verfahren und Technologie der marktsynchronen Produktion sind so flexibel, dass sie sich in den Einführungsprojekten sehr feingranular an beliebige, auch sehr spezielle Fertigungsprozesse von Einzel- und Kleinserien anpassen lassen“, erklärt Oliver Kayser, Experte für den Bereich Produktion bei Inform, einem Spezialisten für Software mit intelligenter Optimierungslogik zur Produktivitätssteigerung von Betriebsprozessen. Dabei wird die gesamte Fertigung vom aktuellen Bedarf aus, der sich aus bereits eingegangenen Aufträgen und Prognosen ergibt, durchgängig über alle Prozessschritte hinweg von intelligenten Methoden und Verfahren geplant und umgesetzt.

Die technische Basis für die marksynchrone Produktion ist dabei eine Software, die bei den automatischen Planungsfunktionen mit intelligenten Entscheidungsverfahren aus den Bereichen Operations Research und Fuzzy Logic arbeitet. „Wir haben die erste Software für die marktsynchrone Produktion zur Marktreife gebracht und unter dem Namen Felios in mehreren Hundert Unternehmen eingeführt“, so Kayser. Die Software ergänzt als Add-on die gängigen ERP- und PPS-Systeme und bezieht von dort die notwendigen Stamm- und Bewegungsdaten von Teilen und Material, um die Auftragsnetze zu bilden und abzuarbeiten. Aus dem Auftragsnetz leitet sie dann automatische konkrete Arbeits- und Beschaffungspläne für die Fertigung und den Einkauf ab. So sollen Unternehmen der wachsenden globalen Nachfrage nach innovativen Produkten mit kürzeren Durchlaufzeiten und niedrigeren Kosten – trotz komplexer Produktionsabläufe – gewachsen sein. MM

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur MM MaschinenMarkt