Magnesiumengpässe „Magnesiummangel kann zu Produktionsausfällen führen“

Von M.A. Frauke Finus

Im Gespräch mit Manuel Mittelstädt, Leitung Geschäftsbereich Aluminium bei Günther + Schramm – er sagt: „Der Magnesiummangel kann in absehbarer Zeit zu drastischen Produktionsausfällen führen“

Anbieter zum Thema

Die Aluminium- und Magnesiumknappheit stellt Unternehmen vor Herausforderungen.
Die Aluminium- und Magnesiumknappheit stellt Unternehmen vor Herausforderungen.
(Bild: Günther + Schramm)

Magnesium ist einer der wichtigsten Bestandteile von Aluminiumlegierungen. 2001 wurde die letzte Magnesiumproduktion in Europa aufgegeben. Seither werden rund 95 % des europäischen Bedarfs aus China importiert. Das Reich der Mitte versorgt aktuell primär den eigenen Markt. Welche Auswirkungen das auf den Rohstoffbestand in Europa hat und worauf es für verarbeitende Unternehmen und Großhändler jetzt besonders ankommt, weiß Manuel Mittelstädt, Leitung Geschäftsbereich Aluminium bei Günther + Schramm.

Herr Mittelstädt, wie kam es zum Rohstoffengpass?

Um dem Klimawandel entgegenzusteuern, bemüht sich China, den eigenen Energieverbrauch zu drosseln. Der Verbrauch weicht enorm von den vorgeschriebenen Zielen der chinesischen Regierung ab. Zudem können die stark gestiegenen Kohlepreise aufgrund strenger Regulierungen innerhalb Chinas nicht an Kunden weitergegeben werden. Energieintensiven Industrien wurde von der Regierung angeordnet, den Energieverbrauch massiv zu minimieren. Davon ist auch die Produktion von Magnesium betroffen: Sie benötigt durch den Schmelzvorgang bei über 650°C enorm viel Energie.

Was sind die Folgen des Engpasses?

Eins ist klar: Für Magnesium gibt es keinen Ersatz. Wenn also der Magnesium-Nachschub endet, werden Branchen, die stark von Aluminium abhängig sind, gezwungen sein, die Produktion zu stoppen. Denn Magnesium ist eines der wichtigsten Bestandteile der wichtigsten Aluminiumlegierungen. Gibt es also kein Magnesium mehr, wird bald auch der Aluminium-Nachschub zusammenbrechen. Ich unterstütze die Aussage der Wirtschaftsvereinigung Metalle, dass bei einem Versorgungsengpass dieses Ausmaßes massive Produktionsausfälle drohen. Bei Günther + Schramm setzen wir deshalb auf einen offenen und ehrlichen Dialog mit Kunden und Lieferanten.

Was raten Sie den Verbrauchern in diesem Ausnahmefall?

Der Markt befindet sich momentan in einer absoluten Ausnahmesituation. Es herrscht ein regelrechter Kampf um jede Tonne Aluminium. Dieser Kampf darf aber nicht auf den Schultern der Kunden ausgetragen werden. Sie haben momentan natürlich Angst um die Produktionen und reagieren deshalb sehr panisch. Gleichzeitig erwarten sie zu Recht, dass die Liefertreue und -sicherheit weiterhin gewährleistet ist. In ehrlichen und beruhigenden Gesprächen geben wir deshalb unsere Marktbeobachtungen an sie weiter und denken als langjähriger und enger Partner mit den Kunden an ihre Zukunft. Dank guter Vorplanung und Mengensicherung in den vergangenen Monaten halten wir unseren Kunden weiterhin die Treue und beliefern sie weitestgehend konstant. Es gilt, die Situation deshalb so gut wie möglich gemeinsam zu meistern. Wenn ich zu etwas raten müsste, dann unbedingt zum offenen und klaren Dialog. Ganz offen gesprochen, kann es aus jetziger Sicht zu Engpässen kommen und es wird uns nicht immer gelingen können die Versorgung zu 100 % aufrecht zu erhalten. Wir hoffen aber, dass sich ein Zusammenschluss verschiedener Wirtschaftsverbände und der europäischen Politik gemeinsam mit China verständigt, um die Versorgung für die Zukunft sicherzustellen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:47808569)