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Outsourcing

Malaysia lockt Investoren aus Europa

Das Multimedia Super Corridor gilt als Malaysias "Antwort" auf Bangalore. In der Hoffnung, dass die ausländischen Investoren eines Tages genug von der

08.02.2007 | Autor / Redakteur: Manik Mehta / Udo Schnell

Matthew L. Barsing, Business Development Manager der Multimedia Development Corporation von Malaysia: „Obwohl wir, was die Kosten angeht, nicht viel hinter Indien und China liegen, bleibt unser größter Vorteil das Geschäftsklima, das nach Meinung verschiedener ausländischer Unternehmer weder in Indien noch in China in dem Maß vorhanden ist, wie man es sich wünscht.“ Bild: Verfasser
Matthew L. Barsing, Business Development Manager der Multimedia Development Corporation von Malaysia: „Obwohl wir, was die Kosten angeht, nicht viel hinter Indien und China liegen, bleibt unser größter Vorteil das Geschäftsklima, das nach Meinung verschiedener ausländischer Unternehmer weder in Indien noch in China in dem Maß vorhanden ist, wie man es sich wünscht.“ Bild: Verfasser

Das Multimedia Super Corridor gilt als Malaysias Antwort auf Bangalore. In der Hoffnung, dass die ausländischen Investoren eines Tages genug von der indischen Hightech-Stadt haben und ein anderes Standbein suchen, will Malaysia mit seiner Infrastruktur und dem unternehmerfreundlichen Geschäftsklima ausländische Investoren anlocken. Damit wirbt das Land um Unternehmen aus Europa und Nordamerika.

Das in Cyberjaya in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur liegende Multimedia Super Corridor (MSC) ist ein Prestigeobjekt für die malaysische Regierung, die dieses Hightech-Städtchen als Asiens Silicon Valley und zugleich als eine „Antwort“ auf das indische Bangalore konzipiert hat. Das MSC, so die malaysische Regierung, biete ausländischen Hightech-Unternehmen „erstklassige Chancen“, die in der lukrativen südostasiatischen Region Fuß fassen und von den Vorteilen der gut entwickelten Infrastruktur profitieren wollen.

Werben um Outsourcing-Interessenten aus Europa und Nordamerika

Ein zweiköpfiges Expertenteam der Multimedia Development Corporation (MDEC), die durch die malaysische Regierung für die Entwicklung und das Management des MSC und zur Sicherstellung des Erfolges der in dem MSC tätigen Unternehmen eingesetzt wurde, war neulich in New York. Ziel war, amerikanische Unternehmen zu werben und sie auf die Vorteile von Malaysia als Outsourcing-Standort hinzuweisen.

Die beiden MDEC-Vertreter Matthew L. Barsing und Zulfiqar Zainuddin, die für die Geschäftsentwicklung bei MDEC zuständig sind, besuchten die fünf US-Bundesstaaten New York, Michigan, Florida, Texas und Kalifornien. Nach Angaben von Zainuddin organisiert MDEC häufig solche Besuche nach den USA und Europa. Für Malaysia gelte Deutschland, die größte europäische Wirtschaftsmacht, als ein „sehr interessanter Markt“, so Zainuddin.

USA gelten als interessantester Markt

Aber die USA bieten das größte Geschäft für die Asiaten. In einem Gespräch mit dem MM-Maschinenmarkt meinte Zainuddin, die Aufträge aus den USA machten rund 70% des globalen Outsourcing-Geschäftes aus. Danach folgen Europa und Asien mit 20 beziehungsweise 10%. „Nach einer Studie wird das Outsourcing-Geschäft zirka 5 Mrd. US-Dollar bis zum Jahr 2008 betragen. Wir haben uns ein Ziel von 3% des Geschäftes aus den USA gesetzt, das nach unseren Berechnungen 150 000 Arbeitsplätze in Malaysia schaffen kann,“ so Zainuddin. Man gehe davon aus, bis zum Ende des Jahres 2006 bereits 36 000 neue Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Auf die Frage, ob Malaysia überhaupt mit dem IT-Koloss Indien konkurrieren kann, meinte Barsing, Malaysia biete drei klare Vorteile: Malaysia sei kostengünstig, auch wenn die Kosten geringfügig höher als in Indien und China seien. Zweitens habe Malaysia ein sehr günstiges Geschäftsklima; drittens sei das Land mit einem „enormen menschlichen Kapital“ gesegnet. „Obwohl wir nicht viel hinter Indien und China liegen, was die Kosten und das menschliches Kapital angeht, bleibt unser größter Vorteil das Geschäftsklima, das nach Meinung verschiedener ausländischen Unternehmer weder in Indien noch in China in dem Maß vorhanden ist, wie man es sich wünscht,“ fügt er hinzu.

Indien habe einen weiteren Nachteil: Die indischen Arbeitnehmer wechseln ihre Jobs häufig, wenn sie mit den Löhnen nicht zufrieden sind. Unternehmen verlieren jedes Jahr etwa 30 bis 40% ihrer Angestellten. Die Folge: die Löhne klettern ständig. Nach Angaben des indischen Dachverbandes für die Informationstechnologie Nasscom seien die Löhne in Indien im Jahr 2005 zwischen 33 und 133% angestiegen.

Zu wenig qualifizierte Facharbeiter

Die Ironie liegt aber darin, dass Malaysia selbst nicht genügend Reserven an qualifizierten Facharbeitern hat und sie deshalb importieren muss – aus Indien. Dabei werden die indischen Gastarbeiter nicht selten mit wesentlich höheren Löhnen angelockt. Dies führt zu höheren Kosten für die ausländischen Unternehmen.

„Malaysia konzentriert sich auf hochwertige Outsourcing-Geschäfte, die auf Sondertechnologien basieren. Unsere Strategie zielt darauf ab, Malaysia als qualitativ besseren und hochwertigeren Service-Standort darzustellen. Unser Motto lautet: ‚Malaysia bietet das Beste der Welt’, also eine Mischung von niedrigen Kosten im Vergleich zu vielen Industrieländern sowie einem unternehmerfreundlichen Geschäftsklima“, wirbt Zainuddin.

Er führt das Beispiel des New Yorker Unternehmens Anchor Financial Inc. an, das eine Basis in Indien aufbauen wollte: Der Chef des Unternehmens reiste nach einem Besuch in Indien weiter nach Malaysia. Er wurde dort von einem Verwandten dazu bewegt, mit der MDEC in Kontakt zu treten, die ihn bei einigen Treffen von den Vorteilen überzeugte, die eine Ansiedlung in Malaysia mit sich bringen würde. „Gleich danach informierte uns das Anchor-Management, das Unternehmen werde 500 neue Arbeitsplätze in Cyberjaya schaffen. Anchor hat bereits angefangen, Angestellte für diese Jobs in Malaysia zu interviewen,“ berichtet Zainuddin.

Zahl der ausländischen Unternehmen steigt

Inzwischen wächst die Anzahl der amerikanischen und europäischen Unternehmen in Malaysia, wo sie vielfältig aktiv sind. Es gibt große Unternehmen, beispielsweise Motorola, Intel, Cargill, IBM, ACS oder AIG. IBM hat vor einem Jahr sein Finanzzentrum für den Asien-Pazifik-Raum in Kuala Lumpur eingerichtet. Zainuddin meint, dass IBM von seiner Präsenz in Malaysia profitiert hat. Schließlich sei das Land „höchst wettbewerbsfähig“ und liege „ganz oben in der Lieferkette“.

Nach Angaben der beiden Repräsentanten hat die MDEC eine „proaktive Einstellung“ zu den Kunden: „In der Vergangenheit waren wir vornehmlich auf Europa fokussiert, aber inzwischen werben wir Kunden in Nordamerika, weil der Großteil des Geschäfts von dort kommt.“ Bei ihren vergangenen Besuchen in den Vereinigten Staaten stellten die beiden Vertreter „großes Interesse“ seitens der Unternehmen fest.

Zum Beispiel habe die in Austin ansässige Dell Inc. ein Geschäft abgeschlossen, das zur Schaffung von 1500 Arbeitsplätzen in Cyberjaya geführt habe. Dell hat sich inzwischen auch entschieden, drei wichtige Geschäftsbereiche nach Malaysia zu verlegen: die komplette Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie das technische Supportzentrum und die Finanzzentrale.

Inzwischen habe man das Projekt „Outsourcing Malaysia“ vor einigen Monaten in Austin, Texas, durch drei Organisationen MDEC, Pikom (Computer- und Multimedienverband von Malaysia) und Malaysian Debt Ventures (MDV) gemeinsam eingeführt. „Das in Austin begonnene Projekt Outsourcing Malaysia hat zu einer starken positiven Resonanz seitens amerikanischer Unternehmen geführt, von denen sich viele nach Malaysia orientieren,“ sagt Zainuddin. MM

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