Suchen

Brexit

Maschinenbau zwischen warten, bangen und hoffen

| Autor/ Redakteur: Christa Friedl / Udo Schnell

Brexit? Bloß nicht! Auch der deutsche Maschinenbau hofft auf einen Sieg der EU-Befürworter. Unabhängig vom Ergebnis aber gilt: Die Debatte über einen Austritt ist auch eine Debatte über die weitere Industriepolitik in Brüssel.

Firmen zum Thema

„Für den Maschinenbau gehört Großbritannien zu den Kernmärkten, ein EU-Austritt wäre daher ein großer Verlust,“ konstatierte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
„Für den Maschinenbau gehört Großbritannien zu den Kernmärkten, ein EU-Austritt wäre daher ein großer Verlust,“ konstatierte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
(Bild: VDMA)

Der Konjunktiv erlebt in diesen Tagen einen ungeahnten Aufschwung. Würde, wäre, könnte – wer über die Folgen des Brexit spricht, greift zur Möglichkeitsform. Was passiert in der ersten Woche nach einem Brexit, im ersten Monat, im ersten Jahr? Wäre Großbritannien noch Teil des EU-Binnenmarktes? Müsste das Land seine Handelsabkommen neu verhandeln? Keiner weiß es.

Für den BDI ist klar: Ein Austritt der Briten wäre für Teile der deutschen Wirtschaft ein Schlag. Der Industrieverband greift daher zu drastischen Methaphern. „Ein Brexit führt uns alle in die Sackgasse“, warnt BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Einer Umfrage vom Mai zufolge befürchten deutsche Unternehmen Unsicherheiten an den Finanzmärkten, eine Umlenkung von britischen Direktinvestitionen und steigende Zölle für deutsche Exporteure.

Bildergalerie

Der Branchenverband VDMA formuliert vorsichtiger. „Für den Maschinenbau gehört Großbritannien zu den Kernmärkten, ein EU-Austritt wäre daher ein großer Verlust,“ konstatierte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann am vergangenen Montag. Vor allem der Handel, glaubt Brodtmann, würde durch einen Brexit deutlich erschwert. Deutschland ist laut Verband der wichtigste Maschinenlieferant Großbritanniens. Um Gegenzug ist die Insel der viertgrößte Absatzmarkt für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau und ein wichtiger Investitionsstandort: Über 150 Mitgliedsunternehmen haben britische Niederlassungen.

Abenteuer mit ungewissem Ausgang

Eine davon ist die Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH aus Nürtingen. Seit 42 Jahren produziert Heller am Standort Redditch unweit von Birmingham Werkzeugmaschinen, einen großen Teil davon für den deutschen Markt. „Eine Voraussetzung ist dabei, dass zwischen England und dem Hauptsitz in Nürtingen ungehindert Produkte, Materialen und Mitarbeiter ausgetauscht werden können“, sagt Matthias Meyer, Geschäftsführer der Heller Machine Tools Ltd. Ob und wie das nach einem Austritt aussehen würde, kann er nicht sagen. „Diese Unsicherheit ist Gift für alle“.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44116698)