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Studie Industrie-4.0-Readiness

Maschinenbauer in der Vorreiterrolle bei Industrie 4.0

| Redakteur: Robert Horn

Gespräche zum Thema Industrie 4.0 geben auch heute, Jahre nach der Veröffentlichung der Idee, ein sehr unterschiedliches Meinungsbild. Diesen Eindruck bestätigt jetzt die neue Impuls-Studie des VDMA. Sie hat die Bereitschaft und Offenheit für das Thema Industrie 4.0 in der Industrie untersucht - mit einem erstaunlichen Ergebnis.

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(Bild: Siemens)

Die Thematik rund um die zunehmende Digitalisierung der Produktion ist nicht nur weltweit in den Märkten angekommen, auch in der breiten Industrie sind diese Fragen diskutiert. „Industrie 4.0 ist ein Zukunftsthema. Im Maschinenbau wird dies als Chance erkannt und unsere Branche hat sich erfolgreich auf den Weg gemacht. Einige sind schon sehr weit, andere zögern aber noch und sind unsicher. Gerade diesen Unternehmen soll die Studie eine Orientierung bieten“, sagt Dr. Manfred Wittenstein, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Impuls-Stiftung.

Unternehmen begreifen die Chance als solche

Neun von zehn Maschinenbauunternehmen sehen deutliche Chancen, sich mit einer vernetzen Produktion am Markt zu differenzieren. Mehr noch: Viele Unternehmen haben bereits erfolgreiche Schritte auf dem Weg in die Industrie 4.0 unternommen. Wer mit der Vernetzung und Digitalisierung der Produktion beginnt, ist vom wirtschaftlichen Nutzen überzeugt.

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Dies sind einige der zentralen Botschaften der vorliegenden Studie „Industrie 4.0-Readiness“, erstellt von der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult und dem Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen, im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA.

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer im VDMA ordnet die Studie in die Historie ein: "Wir haben uns vor vielen Jahren gefragt, ob wir den richtigen Blick auf die Welt der damals sogenannten Old-Economy haben. Heute ist es selbstverständlich, wie wichtig die industrielle Produktion für Deutschland ist, damals war das nicht der Fall." Bis heute sei in den Verbänden und Gremien sehr viel erreicht worden.

Wittenstein ergänzt: "Wir müssen heute aufpassen, dass wir uns in der Cloud der Diskussion nicht verlieren. Wir müssen die Frage beantworten, wie wir weiter machen wollen. Als Stiftung wollen wir Impulse geben und das Thema weiter aufbereiten und besser verstehen, damit wir am Ende des Tages das Richtige tun." Sie sehen aus den Ergebnissen die Vorreiterrolle des Maschinenbaus.

In vielen Unternehmen fehlt eine Industrie 4.0-Strategie

Ein Ergebnis der Studie ist jedoch auch, dass Mitarbeiter nicht das Problem sind, sagen die Befragten der Studie. Jedes fünfte Unternehmen betrachtet sich selber schon als Einsteiger. Data driven Services sind jedoch noch ein Problem. Bereichsübergreifend die Daten zu verstehen und einen Mehrwert daraus zu machen, sei noch schwierig.

Diejenigen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, sehen auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Allerdings sind Investitionen in Personal, und Material notwendig. Wittenstein verbindet dieses Ergebnis mit einer Botschaft an die Politik: "Im Silicon Valley wurden jüngst 86 Mrd. Dollar in neue Unternehmen investiert. Ob das das Ziel auch bei uns lauten muss, weiß ich nicht, aber, wir auch wir brauchen Investitionen in diesem Thema. Daher ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen durch die Politik auch an dieser Stelle stimmen!"

Aufschlüsselung des Ist-Zustands der Industrie

Im Detail zeigt die Studie die Readiness-Unterschiede der Unternehmen in den einzelnen 4.0-Dimensionen auf und definiert kritische Schritte, um die jeweils nächste Stufe zu erreichen: So lassen sich derzeit knapp 6 % der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus als Industrie-4.0-Pioniere klassifizieren, weitere gut 18 % haben erste systematische Maßnahmen getroffen und zählen daher zu den Einsteigern.

Zugleich zeigt die Betrachtung der Dimensionen im Rahmen der Untersuchung, dass Industrie 4.0 funktioniert und am Markt erfolgreich ist, wenn es umgesetzt wird. Beispielsweise bei den Smart Products, also physischen Produkten mit IKT-Zusatzfunktionalitäten. So können bereits bei 14 % der Unternehmen die Produkte Informationen über sich selbst senden. Weitere 7 % können dank integrierter IT-Komponenten jedes Produkt im Fertigungsprozess zu jeder Zeit genau lokalisieren.

Online-Selbst-Check bietet Mehrwert für Unternehmen

Das Readiness-Modell der Studie wurde mit einer repräsentativen Umfrage im deutschen Maschinen- und Anlagenbau validiert und ausgewertet. Es ist darüber hinaus Grundlage für eine Selbstbewertung und einen Vergleich, den Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus in Eigenregie vornehmen können. Die Studienpartner haben hierzu einen Online-Selbst-Check entwickelt. „Dieser Check ist eine Besonderheit der Studie. Er zeigt jedem Unternehmen nicht nur an, wo es auf dem Weg zu Industrie 4.0 steht, sondern auch, was es konkret tun kann, um die nächste Stufe im Reifegrad zu erreichen“, sagt Dr. Karl Lichtblau, Geschäftsführer der IW Consult.

Die Studie „Industrie 4.0-Readiness“ steht frei zum Download unter zur Verfügung.

Der Online-Selbst-Check ist zum 8. Deutschen Maschinenbau-Gipfel (14. Oktober 2015, Berlin) verfügbar.

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