Studie: Perspektiven für den Mittelstand Maschinenbauer müssen digitaler, effizienter, flexibler sein

Redakteur: Florian Stocker

Im Rahmen der Initiative "Unternehmerperspektiven" der Commerzbank wurden circa 4000 mittelständische Unternehmen zu ihrer Sicht auf die Chancen der Digitalisierung befragt. 239 davon stammen aus dem Maschinenbau. Die in Zusammenarbeit mit TNS-Infratest erhobene Studie gibt einigen Aufschluss über die Einstellung von Entscheidungsträgern gegenüber den Chancen der Digitalisierung - und versucht so manche Empfehlung.

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Von den Wachstumsschancen im Zuge der Digitalisierung sind auch die deutschen Maschinenbauer überzeugt.
Von den Wachstumsschancen im Zuge der Digitalisierung sind auch die deutschen Maschinenbauer überzeugt.
(Bild: Commerzbank)

Wie schätzen Manager die Herausforderungen und Chancen ein, die mit den digitalen Veränderungen der Wirtschaft einhergehen? Die Commerzbank geht diesen Fragen in ihrer von TNS Infratest durchgeführten Mittelstandsbefragung auf den Grund. 4000 Führungskräfte geben darin Auskunft über ihren Umgang mit neuen digitalen Technologien und über ihre Wachstumsstrategien. Die zentrale Fragestellung: Wie sollen sich Unternehmen an die verändernden digitalen Rahmenbedingungen anpassen. Herausgekommen ist eine Studie, die zentrale Herausforderungen deutscher Unternehmer beschreibt: Digitalisierung, Effizienzdruck und Flexibilität. Die Studie trifft Aussagen über den deutschen Mittelstand insgesamt, gibt aber auch einen tieferen Einblick in die Maschinenbaubranche.

Produktentwicklung und Effizienzsteigerung als Kernaufgaben des Managements

Die mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen agieren in engen Märkten mit ausgereiften Produkten. Sie sind immer kürzeren Produkt- und Innovationszyklen unterworfen. Der Innovationsdruck ist daher hoch, die Entwicklung neuer Produkte überdurchschnittlich wichtig. Auch Diversifizierung und neue Vertriebswege stehen auf der Agenda. Gleichzeitig zählt Effizienz: Die Steigerung der Produktivität aber auch die Reduktion von Kosten sind zentrale Herausforderungen der nächsten fünf Jahre.

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Maschinenbauer sehen diesen Herausforderungen weitgehend optimistisch entgegen: 58 % der Unternehmen rechnen mit substanziellem Wachstum in den nächsten fünf Jahren. 32 % wollen mittelfristig ihr aktuelles Niveau halten, gerade einmal 9 % erwarten rückläufige Umsätze. Fast die Hälfte der Unternehmen aus dem Maschinenbau sieht derzeit Möglichkeiten, durch verbesserte Energieeffizienz Kosten in einem mindestens nennenswerten Umfang zu senken. Für jedes zehnte Unternehmen ist ein besseres Energieeffizienzmanagement existenziell notwendig.

Maschinenbau sieht die Potenziale digitaler Technologien

Es gibt deutliche Anzeichen für einen tiefgreifenden digitalen Wandel. Ein Drittel der Unternehmen berichtet, dass sich Schlüsseltechnologien im Maschinenbau im Umbruch befinden. Die bisherigen Geschäftsmodelle sieht die Branche dadurch jedoch nur selten gefährdet. Die neuen digitalen Technologien werden vor allem als zukünftig verwertbares Potenzial betrachtet.

Viele Unternehmen optimieren derzeit ihre administrativen Abläufe, zum Beispiel durch flexiblere Arbeitsformen (Home Office), durch Online-Wartung und digitale Services. Neue Produktionsformen (Individualisierung und Automatisierung) sowie die Vernetzung der Wertschöpfungskette (vom Lieferanten bis zum Kunden) befinden sich aktuell meist noch nicht in der Umsetzung, sind aber vielversprechend. Disruptive Innovationen (neue Geschäftsmodelle und neue Produkte) sind grundsätzlich denkbar, gelten laut Studie aber oft noch als Zukunftsmusik.

Pionierarbeit der Wenigen

Dabei kann es sich lohnen, frühzeitig die Weichen zu stellen. Einige Firmen leisten hier Pionierarbeit und ziehen schon heute großen Nutzen aus der Digitalisierung. Sie stellen mit 12 % innerhalb der Maschinenbaubranche jedoch eine Minderheit. In der eigentlich innovationsstarken Branche gibt es damit vergleichsweise wenig Unternehmen, die offensiv auf Digitalisierung setzen. Diese Vorreiter setzen in fast allen Handlungsfeldern besonders häufig neue digitale Technologien ein, zum Beispiel um ihre Wertschöpfungsketten zu vernetzen, um Produkte zu individualisieren oder um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Digitale Innovatoren reagieren auf enge Märkte und neue Nischenanbieter durch ein klares Bekenntnis zu Innovation. Auf dieser Basis entwickeln sie überdurchschnittlich häufig eine klare Wachstumsstrategie.

Bedeutung der Digitalisierung erkannt

Auf volkswirtschaftlicher Ebene sieht der Maschinenbau die zunehmende Digitalisierung als große Chance für den Standort Deutschland. Die Unternehmen gehen mehrheitlich von positiven Beschäftigungseffekten aus. Gleichzeitig stellt die große Mehrheit der Befragten auch selbstkritisch fest, dass der Mittelstand den digitalen Wandel derzeit trotz der erkannten Chancen eher vernachlässigt und nicht hinreichend auf der Agenda hat. Es besteht daher die Gefahr, dass neue Konkurrenten den Markt machen, auch wenn im Maschinenbau die Markteintrittsbarrieren hoch sind. Immerhin 27 % der etablierten Unternehmen geben heute schon an, dass sie sich gegen innovative Nischenanbieter behaupten müssen. Vergleichsweise selten dringen branchenfremde Wettbewerber in den spezialisierten Markt. Doch es gibt sie, die Schnittstellen für innovative Wettbewerber mit neuen Lösungen. Der Maschinenbau misst etwa zukunftsweisenden Fertigungstechnologien wie dem 3D-Druck überdurchschnittlich oft Chancen zu. Die unter Industrie 4.0 gefassten digitalen Trends sind in der Branche jedoch nicht durchgängig, sondern nur für ein Drittel der Unternehmen ein wirklich zentrales Thema. Andere digitale Trends wie Big Data, Cloud-Computing, Crowdsourcing und Share Economy halten die Befragten deutlich seltener für relevant.

Strategien im digitalen Wandel

Das Gros der deutschen Maschinenbauer setzt aktuell primär auf Beobachtung, digitale Vorreiter probieren experimentieren schon heute mit neuen, nicht immer risikofreien Ansätzen. Sie sind deutlich in der Minderheit.

Denn die Anforderungen an das Management mittelständischer Unternehmen bei der digitalen Transformation sind hoch – entsprechend groß ist der Respekt vor diesem Thema. Dabei geht zunächst um das Verständnis der technischen Entwicklungen. Noch wichtiger ist es, die Fülle von Informationen zu filtern und gleichzeitig möglichst schnell zukunftsweisende Entscheidungen treffen zu können. Die meisten Maschinenbauunternehmen beobachten zunächst die Entwicklungen in der eigenen Branche, bleiben im Dialog und reagieren gegebenenfalls ad hoc auf Kundenanforderungen und Trends. Sie nehmen damit eine eher passive und abwartende Haltung ein.

Die Studie attestiert dem Mittelstand wie den Maschinenbauern die Notwendigkeit eines Blicks „über den Tellerrand“. Der digitale Wandel sei durch Beobachtung allein nicht zu bewältigen: Es ginge darum, frühzeitig eigene Erfahrungen zu machen, um digitale Potenziale prüfen und zum eigenen Vorteil nutzen zu können.

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