Suchen

Metav 2016 Medical Area präsentiert Werkzeugvielfalt für die Medizintechnik

| Autor / Redakteur: Nikolaus Fecht / Lisa Saller, Lisa Saller

Mit Blick auf die Ansprüche gibt es bei der Medizintechnik viele gemeinsame Nenner mit der Luftfahrtindustrie: So wachse der Bedarf an Werkzeugen, die sehr anspruchsvolle und teure Materialien zerspanen. „Beim Flugzeug entfällt ein großer Teil der Zerspanoperationen auf das Bohren“, konstatiert Lothar Horn, Geschäftsführer der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH, Tübingen.

(Horn)

Horn: „Die Medizintechnik-Unternehmen drehen und fräsen dagegen wesentlich mehr.“ Wertmäßig machen die Tübinger rund 50 Prozent ihres Umsatzes mit der Automobilindustrie und 15 Prozent mit der Medizintechnik. Vor allem wegen des steigenden weltweiten Bedarfs an Implantaten und Prothesen wächst dieser Markt etwa seit 1995 laut dem Vorsitzenden des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Bereich Zerspanung Jahr für Jahr um rund 5 Prozent.

Weiterentwicklung mit dem Kunden

Eine Spezialität der Tübinger ist die maßgeschneiderte Entwicklung von Werkzeugen im Kundenauftrag. Horn: „Wir haben für einen Kunden, der auf hohe Produktivität wert legt, ein spezielles Fräswerkzeug für künstliche Hüftgelenke entwickelt. Dazu haben wir unser dreischneidiges System zu einem sechsschneidigen Werkzeug erweitert, das die Produktivität um 30 Prozent gesteigert hat.“ Derartige hohe Prozessverbesserungen gelängen aber in der Regel nur in einer engen Abstimmung mit dem Auftraggeber.

Bildergalerie

Werkzeuge für die Medizintechnik kommen daher auch nur sehr selten aus dem Katalog. „Wir müssen die Produkte fast immer an die Anwendung anpassen, um uns mit „deutscher Ingenieurkunst“ am hiesigen Markt zu behaupten“, erkennt Horn nach langjähriger Tätigkeit für die Medizintechnik. „Doch wem das gelingt, der kann sich überall weltweit behaupten.“ Diese Aussage belegt er mit einem Erlebnis der fernöstlichen Art: So konnte ein Horn-Kunde aus dem Schwarzwald einen an China verlorenen Produktionsauftrag dank Erhöhung der Produktivität wieder zurückholen: Nun fertigt er pro Jahr fast 500 Millionen Knochenschrauben kostengünstiger als die Chinesen. Das Erfolgsgeheimnis bestehe in einer präzisen Abstimmung von Maschine, Aufnahme und Werkzeug, die zu einer erheblichen Steigerung von Qualität und Ausbringung geführt habe.

Derartige Innovationen für die Medizintechnik präsentiert Horn in der Medical Area auf der METAV 2016. „Wir haben dort sehr frühzeitig als einer der ersten Hersteller eine Ausstellungsfläche gebucht, weil wir bereits 2014 sehr gute Erfahrungen auf der METAV und in der dortigen Medical Area gemacht haben“, begründet der Geschäftsführer die Entscheidung. „In Düsseldorf wird Horn verschiedene Lösungen für Zerspanaufgaben in der Medizintechnik präsentieren.“

Sonderwerkzeuge sind gefragt

Sehr hohe Ansprüche an die Zerspanungswerkzeuge stellen alle Kunden der Fraisa GmbH aus Willich, doch die Medizintechnik fordert das Unternehmen besonders heraus. Dort entstehen beispielsweise Werkzeuge zur Produktion von chirurgischen Instrumenten aus Edelstahl (hochlegierte austenitischen Stähle wie etwa 1.4301), von Implantaten aus Titan-oder Kobalt-Chrom (CoCR)-Legierungen sowie von Instrumenten aus Kohlefaserverbundwerkstoffen (CFK).

„Es handelt sich zu rd. 30 bis 40 Prozent um Sonderwerkzeuge“, erklärt Michael Ohlig, Leiter für Verkauf und Marketing. „Sehr wichtig sind Wiederholgenauigkeit, Verfügbarkeit der Produkte und validierte Herstellprozesse.“ Außerdem lege die Branche hohen Wert auf eine großes Zeitspanvolumen und lange Standzeit. Wegen der häufigen Nachbearbeitung der Bauteile spiele dagegen die Oberflächengüte oft eine weniger wichtige Rolle. Ohlig: „Manche Hersteller setzen bei ihren Implantaten nicht auf Hochglanzpolieren, sondern rauen sie sogar noch auf.“

Endkonturennahe Zerspanung im Kommen

Im Kommen ist das endkonturennahe Zerspanen in einer Aufspannung, das dank Reduzierung der Nebenzeiten die Produktivität deutlich erhöht. Diesem Trend entspricht Fraisa beispielsweise mit den Toro-SB oder Sphero-SB-Fräswerkzeugen, die für alle 2D-, 2,5D- und 3D-Bearbeitungen von rostfreien, austenitischen Stählen infrage kommen. Zum Hochleistungszerspanen von Titan- und CoCr-Legierungen eignet sich der neue ZX-Fräser.

Das Unternehmen zählt nicht nur wegen der regionalen Nähe (Entfernung: 25km) zu den Stammkunden der METAV. „Wir sehen sie als unsere Hausmesse an, die wir mit einem eigenen Stand zum Ausbau der bestehenden und Gewinnung neuer Kontakte nutzen“, meint Ohlig. „Ich finde es positiv, dass neue Bereiche wie die Medical Area oder auch Moulding Area entstehen. Fraisa wird in Düsseldorf die neuen Hochleistungsfräswerkzeuge „NVDS“ und den Schnittdatenrechner „ToolExpert Helix/Ramp“ ausstellen.“

(ID:43806185)