Suchen

Forschung Medizin als Vorreiter: Die AF-Fabrik to go

| Redakteur: Simone Käfer

Mit Cassa Mobile können Unternehmen flexibel an Standorten direkt in Kundennähe additiv fertigen und fräsen.

Firmen zum Thema

Per Lkw zum Kunden fahren, Strom, Wasser und Druckluft anschließen und los drucken.
Per Lkw zum Kunden fahren, Strom, Wasser und Druckluft anschließen und los drucken.
(Bild: © Fraunhofer IPA)

Cassa Mobile ist eine mobile Fabrik, die aus der Not von Chirurgen heraus entstand. Denn sie mussten ihre Patienten mit komplizierten Brüchen oft vertrösten, bis eine individuell angefertigte Gerätschaft geliefert wurde. Mit Cassa Mobile entstehen diese Knochenbohrschablonen nun direkt vor der Krankenhaustür innerhalb von zwei Tagen anstatt einer Woche. Die Idee entstammt dem Fraunhofer IPA und wurde mit zwölf europäische Unternehmen und Institute im EU-Projekt Cassa Mobile entwickelt.

Das Geheimnis hinter der mobilen Fabrik ist eine komplette, automatische Produktionslinie, die in einem Container steckt und sich per Lkw an jeden beliebigen Ort verfrachten lässt. Eine Knochenschablone beispielsweise kann im 3D-Druck gefertigt, in einer Fräse nachbearbeitet, qualitativ überprüft und steril verpackt werden. Die Abmessungen des Containers haben die Projektteilnehmer so gewählt, dass er ohne Eskorte über die Straßen gefahren werden kann. Vor Ort kann es dann sofort losgehen: Der Container wird mit der ausgewählten Ausstattung zu seinem Bestimmungsort transportiert, dort braucht er Strom, Wasser und Druckluft.

Kernstück ist ein 3D-Drucker

Das Kernmodul der Produktionsanlage ist der 3D-Drucker, der am IPA entwickelt wurde. „Für den Druck kombinieren wir zwei Materialien: Für das Bauteil selbst verwenden wir üblicherweise Polyamid. Die Stellen, an denen wir später kein Material haben wollen, füllen wir zunächst mit einem Supportmaterial, das wir anschließend in einem Lösungsmittel auflösen”, erläutert Raphael Adamietz, Projektleiter am IPA. Eine Kamera überwacht den Druckvorgang. Zur Nachbearbeitung der Oberflächen enthält der Container ein Fräsmodul. Sind sterile Produkte gefordert wie bei der Knochenbohrschablone, so wird das Produkt nass gereinigt, mit Wasserdampf sterilisiert und steril verpackt. Damit die Luft im Container rein ist und bleibt, wird sie ständig umgewälzt und durch Luftfiltereinheiten gedrückt, die Verunreinigungen herausfischen. Ein zentraler Rechner verbindet alle Komponenten und steuert das gesamte Produktionssystem.

(ID:45391212)