Crimpzangen Mehr Effizienz in der Leiterverarbeitung

Autor / Redakteur: Jens Frischemeier / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Analysiert man in den Fertigungsunternehmen die Kosten genauer, wird schnell klar, dass der Fertigungsprozess selbst den größten Anteil aufweist und somit das größte Optimierungspotenzial bietet. Wer dort mit dem richtigen, effizienten Werkzeug arbeitet, hat einen klaren Vorteil.

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Bild 1: Immer das richtige Werkzeug: Je nach Applikationen kann der Leiter manuell oder teilautomatisiert verarbeitet werden.
Bild 1: Immer das richtige Werkzeug: Je nach Applikationen kann der Leiter manuell oder teilautomatisiert verarbeitet werden.
(Bild: Phoenix Contact)

Der Klassiker in der Leiterverarbeitung ist die Automatisierung der Kernprozesse: Schneiden, Abisolieren, Crimpen. Schon bei kleinen bis mittleren Mengen und Serien wird die Handzange (Bild 1) gerne durch eine automatische – meist stationäre – Lösung ersetzt. Ablängautomaten etwa schneiden die Leiter mit hoher Geschwindigkeit präzise, wiederholgenau sowie ohne nennenswerte Verformung. Für diesen Prozess bietet Phoenix Contact aus seinem umfassenden Werkzeugprogramm den Cutfox 10 an: eine ausgeklügelte Mechanik ermöglicht es, Leiter von 0,14 bis 10 mm² sowie Leitungen bis zu einem Durchmesser von 8 mm zu verarbeiten, ohne dabei etwas einstellen zu müssen. Lediglich die Länge und die Anzahl müssen eingegeben werden.

Präziser Schnitt ist solide Basis für die Weiterarbeitung

Stehen elektronische Verdrahtungslisten mit Längenangaben aus ECAD-/CAE-Systemen zur Verfügung, können diese alternativ zur manuellen Eingabe mit einer beigefügten Software bequem konvertiert und auf den Cutfox 10 übertragen werden. Ein präziser Schnitt mit einer quetschfreien Schnittfläche bildet dann eine solide Basis für die Weiterarbeitung.

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Bei den dann folgenden Prozessen – Abisolieren und Crimpen – geht es nicht nur um die Zeitersparnis. Die Arbeit soll auch für den Bediener ermüdungsfrei und komfortabel sein. Dort haben stationäre Geräte den Vorteil, dass die Hände frei bleiben. Bei Crimpautomaten ist eine zweite Hand hilfreich, um den Leiter mit Hülse oder Verbinder zu bestücken und dann positionsgenau in das Gesenk einzulegen.

Prozesse bündeln und Effizienz steigern

Ausgelöst wird der Crimpzyklus per Fußschalter. Mit ihren austauschbaren Gesenken für die verschiedenen Kontaktarten bieten diese Verarbeitungsmaschinen eine hohe Flexibilität im Produktionsumfeld (Bild 2). Als erfahrener Werkzeughersteller hat Phoe­nix Contact dazu die passenden Geräte mit zahlreichen Crimpgesenken und weiterem Zubehör im Produktprogramm: den Abisolierautomaten WF 1000 für Leiter bis 6 mm² und den Crimpautomaten CF 500 für verschiedene Kontaktarten und Leiter bis 50 mm².

Eine weitere Möglichkeit, die Produktivität zu erhöhen, ist die Bündelung der Einzelkompetenzen Abisolieren und Crimpen. Mit den sogenannten Strippercrimpern – dazu zählen der CF 1000 und der
CF 3000 – können je nach Produktionsbedingung bis zu 70 % an Zeit und Kosten gespart werden.

Der Leiter wird dabei in das Gerät eingeschoben und löst den Prozess automatisch aus. Abisolieren, Aderendhülse aufstecken und Crimpen erfolgen dann in nur einem Arbeitsgang, der auch nur knapp 2 s dauert. Mit den Geräten werden Aderendhülsen von 0,25 bis 10 mm² zuverlässig und wirtschaftlich verarbeitet.

Anwenderfehler durch automatisierte Prozesse auf ein Minimum begrenzt

Im Vergleich zu einer manuellen oder auch teilautomatisierten Lösung ist die konstant hohe Qualität ein wichtiger Vorteil der Abisolier- und Crimpautomaten. Denn Anwenderfehler sind durch die automatisierten Prozesse auf ein Minimum begrenzt. Der CF 3000 ist leicht zu bedienen, eine umfangreiche Einarbeitung ist nicht erforderlich. Der Wechsel auf einen anderen Querschnitt erfolgt mit wenigen Handgriffen, die Komponenten können durch ihre eindeutigen Farbcodierungen bequem und sicher getauscht werden.

Eine Besonderheit des Crimp-automaten CF 1000 ist die Fähigkeit, Aderendhülsen unterschiedlicher Längen zu verarbeiten: durch eine Einstellschraube im Gerät werden Hülsenlängen von 6 bis 12 mm in wenigen Sekunden angewählt (Bild 3). Beide Geräte – der CF 1000 und CF 3000 – sind mit einem Zyklus von unter 2 s sowie mit den kurzen Einricht- und Querschnittswechselzeiten sehr wirtschaftlich. Ihren Einsatz finden die stationären Geräte überwiegend in der Serienfertigung und bei der Verarbeitung größerer Mengen mit gleichen Querschnitten.

In weniger als zwei Sekunden wird der Leiter abisoliert

Der Trend, immer kleiner, einfacher, leistungsfähiger und auch mobiler zu werden, macht auch vor dem „Automatenbereich“ nicht halt. Mit dem sogenannten „Crimphandy“ hat Phoenix Contact hier Neuland betreten: Der Leiter muss nur noch in das Crimphandy eingeführt werden, für den Rest sorgt das Gerät selbst (Bild 4). In weniger als 2 s wird der Leiter abisoliert, mit einer Aderendhülse versehen und gecrimpt. Dabei ermöglicht das Crimphandy:

  • mobiles Arbeiten durch kompaktes Design und Akkubetrieb,
  • ermüdungsfreies Arbeiten durch automatisierte Prozesse,
  • eine automatische Querschnittsüberwachung, die Crimpfehler verhindert,
  • hohe Qualität durch präzise quadratische Crimpung,
  • sauberes Arbeiten durch Auffangbehälter für Isolationsreste sowie
  • eine Zeit- und Kostenersparnis bis 75 %.

Das Crimphandy ist intuitiv bedienbar. Es kommt mit nur zwei Bedienknöpfen aus. Einstellungen sind dabei nicht notwendig. Mittels induktiver Sensorik erkennt das Gerät, ob der korrekte Leiterquerschnitt eingelegt ist. Ist der Leiter zu groß oder zu klein, löst das Gerät nicht aus und zeigt den Zustand über die LEDs an. Somit sind Crimpfehler aufgrund falscher Querschnittsgrößen nahezu ausgeschlossen. Aufgrund der leichten und kompakten Bauweise und des Akkubetriebs kann mit dem Gerät direkt im oder am Schaltschrank gearbeitet werden.

Ein Kabelschneider zum Schneiden, eine sich selbst einstellende Absisolierzange zum individuellen Absetzen der Litze und zu guter Letzt eine Crimpzange, die die Aderendhülse mit dem Leiter dauerhaft verbindet: drei Zangen und drei Arbeitsschritte – für einen Prozess, mit dem es primär Anwender mit geringem bis mittlerem Crimpaufkommen zu tun haben. Für diese Benutzergruppe wurde der „Crimpfox 4 in 1“ entwickelt – eine prozesssichere Zange, die drei Werkzeuge vereint (Bild 5).

Nicht nur Automaten steigern die Effizienz

Außer Schneiden, Abisolieren und Crimpen kann sie aber noch mehr: Mit der Verdrilleinheit kann der Drall, der durch die laterale Abisolierung verloren gegangen ist, schnell und einfach wiederhergestellt werden. So muss das Werkzeug während des gesamten Prozesses nicht aus der Hand gelegt werden. Aufgrund der kompakten Größe und des geringen Gewichts kann die Zange, die bis zu 30 % Zeitersparnis bringt, auch gut auf der Baustelle eingesetzt werden.

Es gibt viele Optionen, die Effizienz bei der Verdrahtung zu steigern – dabei müssen stets die technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten betrachtet werden, bevor eine individuelle Lösung gefunden werden kann. Investitionen in diesem Bereich machen sich in den meisten Fällen schon nach kurzer Zeit bezahlt. Mit innovativen und ergonomischen Lösungen im Bereich der manuellen und teilautomatisierten Leiterverarbeitung kann in jedem Betrieb effizienter und wirtschaftlicher gearbeitet werden. MM

* Jens Frischemeier ist staatlich geprüfter Techniker und arbeitet als Produktmanager Marketing and Installation bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in 32825 Blomberg, Tel. (0 52 35) 3-1 20 00, Fax (0 52 35) 3-1 29 99, info@phoenixcontact.de

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