Schweißkantenbearbeitung Meininger Dampflok-Sanierer haben keine Nacharbeit mehr!

Autor / Redakteur: Peter Klingauf / Peter Königsreuther

Bei der Instandsetzung von Dampfloks und Schienenfahrzeugen werden an Kesseln, Dampfzylindern und Fahrzeugrahmen dutzende Meter geschweißt. Ein Trumpf-Kantenfräser erleichtert die Arbeit.

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Das Dampflokwerk Meiningen setzt jedes Jahr rund zehn bis zwölf historische Dampfloks, zudem einige Wagen, E-Loks sowie moderne Eisenbahn-Drehkrane und Schneeräum-Schienenfahrzeuge instand. Trumpf-Technik hilft dabei...
Das Dampflokwerk Meiningen setzt jedes Jahr rund zehn bis zwölf historische Dampfloks, zudem einige Wagen, E-Loks sowie moderne Eisenbahn-Drehkrane und Schneeräum-Schienenfahrzeuge instand. Trumpf-Technik hilft dabei...
(Bild: Trumpf)

Nostalgische Dampfloks sind gern gesehene Attraktionen und noch immer in Betrieb – zum Beispiel auf Schmalspurbahnen am Chiemsee und im Harz ebenso wie als Kleinbahn auf Rügen, die als „Rasender Roland“ bekannt ist. Um nicht nur schön anzusehen, sondern auch sicher unterwegs zu sein, gilt es, sie regelmäßig zu warten. Dementsprechend müssen Betreiber solcher Bahnen in gewissen Abständen diverse Überprüfungs- und Erneuerungsarbeiten erledigen lassen, zumal der Gesetzgeber eine Hauptuntersuchung des Kessels im Vierjahres-Rhythmus und des Fahrwerks alle acht Jahre vorschreibt.

Ein führender Spezialist für diese Aufgaben ist das zur DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH gehörende Dampflokwerk Meiningen (siehe Kasten). Mit über hundert Mitarbeitern setzt das Unternehmen jedes Jahr rund zehn bis zwölf historische Dampfloks und zudem einige Wagen sowie E-Loks instand. Darüber hinaus übernimmt das Meininger Werk auch die Wartung moderner Eisenbahndrehkräne sowie Schneeräum-Schienenfahrzeuge.

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Der Arbeitsablauf ist in den meisten Fällen ähnlich: Die Loks (oder andere Schienenfahrzeuge) werden nach der Anlieferung gesäubert, demontiert und nochmals im Einzelnen gereinigt. Anschließend befunden und dokumentieren die Meininger Experten den Zustand der einzelnen Bauteile gemeinsam mit dem Fahrzeugbetreiber. Peter Schneider, Schlossermeister in der Kesselschmiede des Dampflokwerks Meiningen, ergänzt dazu: „Dem Prüfungsergebnis entsprechend gilt es nun, alle schadhaften oder verschlissenen Bauteile aufzuarbeiten oder neu zu fertigen – was häufig notwendig ist, da die Ausbesserung aufwändiger und teurer wäre.“

Schnellster Lok-Instandsetzer wird nun noch flotter

Neben Qualität und Preis spielt für Kunden die Instandsetzungszeit eine bedeutende Rolle – insbesondere, wenn die historischen Dampfloks als touristische Attraktion in Betrieb sind und damit Geld einbringen. Das Meininger Werk sorgt für kürzeste Reparaturzeiten, wie Peter Schneider hervorhebt: „Wir sind sicherlich die schnellsten Instandsetzer unserer Branche, da wir neben qualifizierten und motivierten Facharbeitern auch über eine hochwertige technische Ausstattung verfügen.“ Dazu zählen riesige Krananlagen und diverse Bohrfräszentren ebenso wie produktive Elektrowerkzeuge. Als jüngste Anschaffung nennt Schneider den Kantenfräser Trutool TKA 1500 von Trumpf, mit dem Schweißkanten enorm schnell und sauber erzeugt werden können.

Das moderne Werkzeug erhöht insbesondere beim Neubau von Lokomotivkesseln und Dampfzylindern in Schweißausführung sowie in der Produktion von Fahrzeugrahmen die Produktivität. Denn hier werden oft dutzende Meter hochfeste Schweißnähte benötigt, deren Basis geometrisch gleichförmige Kanten mit oxydfreier Oberfläche sind. Bis vor Kurzem erzeugten die Facharbeiter des Dampflokwerks diese primär mit Brennschneidern, Winkelschleifern und auf Bohrfräszentren.

So unterschiedlich die Verfahren, so unterschiedlich sind die Probleme damit: Beim Brennen bleibt stets eine Zunderschicht auf der Kante, die danach mit einem Winkelschleifer entfernt wird, um die geforderte Schweißqualität zu erreichen. Der Zeitaufwand ist hoch.

Die komplette Kante mit dem Winkelschleifer zu erzeugen, deren Fasenlänge oft bis zu 15 mm beträgt, gehe laut Schneider auch nicht viel schneller. „Zudem ist zu bedenken, dass unsere Mitarbeiter für beide Verfahren umfangreiche Schutzausrüstungen einsetzen müssen, die vor Funken, Rauch, Staub und Lärm schützen“, ergänzt der Schlossermeister.

Die Arbeit auf den Bohrfräszentren ist für die Schweißnahtvorbereiter deutlich angenehmer. Einzig, die teuren Maschinen sind eigentlich mit anderen Aufträgen ausgelastet. Zudem müssen schwere Einzelbauteile aufwändig zu den Fräszentren transportiert, dort aufgespannt und eingerichtet werden. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand, der die Gesamtproduktivität dieses Vorgangs wieder deutlich reduziert.

Viele typische Schweißnahtgemometrien bis zu fünf mal schneller erstellen

Peter Schneider machte sich deshalb Ende 2019 auf die Suche nach alternativen Möglichkeiten. In einem Internet-Artikel entdeckte der Meister die Kantenfräser von Trumpf. Er nahm Kontakt mit dem Trutool-Händler Wemag in Fulda auf und ließ sich das von Hand bedienbare Elektrowerkzeug vorführen. Letzte offene Fragen klärte der Meister mit Michael Fritzsche, Fachberater von Trumpf, der ihn vor Ort besuchte.

Seit Mitte 2020 ist die Maschine in Meiningen im Einsatz und hat sich inzwischen bewährt. Ohne große Vorbereitung erstellen die Facharbeiter heute ihre geraden Kanten sowie Innen- und Außenkonturen für ihre benötigten V-, K-, oder X-Nähte bis zu fünfmal schneller, als das mit den bisherigen Verfahren möglich war. Dabei stehen im Ergebnis stets metallisch blanke Fasen, die bis zu 11 mm in einem Arbeitsgang und bis zu 15 mmn Länge mit zwei Arbeitsgängen erzeugt werden – emissionsfrei und ohne weitere Nacharbeit.

Die gewünschte Fasenlänge stellt der Mitarbeiter ohne Zusatzwerkzeug über einen stufenlos regulierbaren Skalenring ein. Ebenso schnell justiert er die benötigte Winkellage (30, 45 oder 60 °) und schaltet danach die Maschine ein. Das funktioniert durch einen integrierten Sanftanlauf stets weich und ohne harten Schlag. Mit knapp zehn Kilogramm ist der TKA 1500 zwar kein Leichtgewicht. Einmal angesetzt, trägt aber meistens das Werkstück sein Gewicht, so dass der zuständige Arbeiter das Gerät nur noch mit leichtem Druck gleichmäßig über die Kante führen muss.

Ergonomie erlaubt langes Arbeiten ohne Ermüdung

Dabei erweisen sich unter anderem die ergonomisch gestalteten Halterungen als hilfreich. Der vordere Führungsgriff liegt sehr tief, wodurch die Führungshand nahe an der Bearbeitungsfläche liegt und eine stabile Maschinenführung möglich ist. Trumpf-Berater Michael Fritzsche ergänzt dazu: „Zudem verringern dämmende Elemente Vibrationen auf die Hand des Bedieners. Er kann also enorm lange ermüdungsfrei arbeiten. Um zu verhindern, dass bei den möglichen Dauereinsätzen der Motor überhitzt, haben unsere Ingenieure zudem einen Überlastschutz eingebaut.“

Im Dampflokwerk Meiningen zeigen sich Schweißnahtvorbereiter und Schweißer mit dem TKF 1500 gleichermaßen zufrieden. Laut Schneider bewerten sie das Arbeiten als angenehm, und die oxidfreien Kantenoberflächen bilden eine optimale Basis, um die Schweißtechnischen Qualitätsanforderungen nach „EN 15085-2“ und „DIN EN ISO 3834-2“ stets zu erfüllen.

Von Beschwerden bleiben die Lokomotiven-Pfleger nahezu verschont

Sind alle Bauteile restauriert oder neu hergestellt, werden sie lackiert und von Instandhaltungsmechanikern wieder zusammengebaut. Schließlich erfolgt noch gemeinsam mit dem Betreiber eine Probefahrt mit Endabnahme. Um allerhöchste Sicherheit zu gewährleisten, überwachen unabhängige Prüfstellen sämtliche durchgeführten Tätigkeiten. Für Peter Schneider eine wichtige Bestätigung seiner Arbeit, denn „Beanstandungen und damit verbundene Nacharbeiten gibt es bei uns so gut wie nie.“

Die hohe Qualität des Kantenfräsers hat inzwischen fast alle Schweißfachkräfte des Kesselschmiedemeisters überzeugt. Darüber scheint es im Dampflokwerk noch andere Bereiche zu geben, in denen ein kleinerer Kantenfräser der Trutool TKF-Baureihe die Arbeit erleichtern könnte. Genauer: Mit dem handlichen TKF 500 lassen sich scharfe Kanten schnell und gleichmäßig verrunden. Eine praktische Sache für die Vorbereitung der Pulver- und Lackierbeschichtung.

Das Dampflok-Werk in Meiningen kurz und bündig

Es wurde im Jahr 1914 gegründet und gehört zur DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH. Im Meininger Werk werden verschiedene Lokomotiven und andere Schienenfahrzeugtypen (wie Eisenbahndrehkrane und Schneepflüge) instandgesetzt sowie neu gebaut. Kunden der Tochter der Deutschen Bahn sind in ganz Europa zu finden – neben der DB selbst zählen dazu verschiedene private Betreiber, diverse Vereine und Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs.

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