Wire 2018/Tube 2018 Messeduo wird größer und zeigt interessante Neuheiten

Autor: Stéphane Itasse

Zu ihrem 30-jährigen Bestehen machen sich die Messen Tube und Wire vom 16. bis 20. April 2018 in Düsseldorf ein eigenes Geschenk: Mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt 118.000 m² und rund 2600 Unternehmen sind sie so groß wie nie zuvor.

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Ihre Weltpremiere erlebt die neue Rohrlasermaschine LT7 von BLM auf der Messe Tube in Düsseldorf.
Ihre Weltpremiere erlebt die neue Rohrlasermaschine LT7 von BLM auf der Messe Tube in Düsseldorf.
(Bild: AD FOTO Nadia Baldo Trento)

Mit 1419 Ausstellern aus 51 Ländern und einer Fläche von über 65.000 m² netto hat die Wire ein Flächenplus von rund 6000 m² (knapp 10 %) und insgesamt fast 100 Aussteller mehr als 2016, wie die Messe Düsseldorf als Veranstalter mitteilt. Besonders die Präsentation der großen Gitterschweißmaschinen in der Halle 13 stellen Logistik und Technik in dieser Messehalle vor anspruchsvolle Aufgaben: dicke Kabel in den Versorgungschächten müssen installiert und verbunden werden, denn Gitterschweißmaschinen benötigen keinen aufbauenden Strom, sondern Punktstrom.

Neuer Rohrlaser von BLM sprengt Grenzen

Auch die Tube wächst und weist ein Plus von 2000 m² (3,8 %) auf. Insgesamt präsentieren sich auf der Messe für die Rohrbranche 1216 Aussteller aus 57 Ländern auf einer Nettofläche von 53.000 m². Die Internationalität der Aussteller legt weiter zu, sodass die Tube 2018 sechs Ausstellerländer mehr hat als zur vorangegangenen Veranstaltung 2016 (51 Länder).

Eine Weltpremiere zeigt die italienische BLM Group auf der Tube: Erstmals wird die neue Rohrlasermaschine LT7 in Halle 5, Stand J32, der Öffentlichkeit vorgestellt. Laut Hersteller arbeitet sie nicht nur schneller als andere Systeme. Vielmehr biete der neue Rohrlaser generell Spitzenleistung, angefangen bei seinem Arbeitsbereich, seiner Produktivität, Produktionsqualität und Präzision über seine Flexibilität und seinen Automatisierungsgrad bis hin zu seiner Bedienungsfreundlichkeit und seinen Integrationsmöglichkeiten.

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Auch auf der Wire präsentiert die BLM Group interessante Neuheiten in Halle 10 am Stand H56. DH4010VGP heißt eine neue Drahtbiegemaschine, deren Fokus auf Flexibilität liegt. Ihr neuer Doppelbiegekopf mit zwei Türmen erlaubt das Biegen von Teilen mit verschiedenen Radien und somit die Herstellung von Teilen, die man bei anderen Systemen als nicht machbar einstufen würde. Und das bei hoher Geschwindigkeit und ohne Nachbearbeitung, wie der Hersteller mitteilt.

Fertigungsinsel für Verfahrensintegration auf der Tube 2018

Das Biegen von Rohren ist seit jeher ein Fokus der BLM Group und wird bei der Unternehmensgruppe auch auf der Messe in Düsseldorf ein wichtiges Thema sein. Dafür stellt der Maschinenbauer die 4-Runner H1 aus, eine Maschine für das Endenumformen und Biegen ohne Dorn, die direkt von Rollen arbeitet. Die vollelektrische Maschine führt Rechts- und Linksbiegungen in einem Prozess aus und kann mit ihrem kleinen Biegekopf sehr komplexe Teile herstellen.

In einer Fertigungsinsel mit Roboter zeigt die BLM Group das Rohrbiegen vom Coil mit Dorn. Die Insel schließt drei Systeme ein: eine 3-Runner für das Richten und Umformen der Köpfe, eine Smart für das Biegen mit Dorn und eine E-Shape für das Umformen der Enden. Ein entsprechend ausgestatteter 6-Achs-Roboter automatisiert die Fertigungsinsel.

Auf ihren Messeständen zeigt die BLM Group zudem Beispiele für ihr Servicekonzept. So können Kunden mit Syncro über jeden Internetzugang auf Informationen zum Betriebszustand der Systeme in ihren Werken zugreifen. Tool-Designer ist ein internetbasierter Service, über den Kunden das technische Material für die Werkzeuge bekommen können, das sie für die Herstellung von Rohren mit speziellen Biegungen benötigen – angefangen bei den Zeichnungen bis hin zu den 3D-Modellen. Best (BLM-Elements Suite Tool) wiederum heißt das Werkzeug, mit dem Kunden über einen jeweils privaten Zugang auf die Software der Unternehmensgruppe zugreifen und zum Beispiel die Aktualität ihrer Anwendungssoftware prüfen, Informationen über neue Softwarepakete abrufen, neue Software herunterladen und installieren sowie auf Ausbildungskurse zugreifen können.

Als Beispiel für die Integration von Produktionsprozessen sehen die Besucher auf der Tube die Herstellung von Komponenten eines Abgaskrümmers. Dabei entnimmt ein Rohrlaser LT5 die Rohre vom Bündel und schneidet sie. Im nächsten Schritt werden sie mit einer E-Turn52 gebogen. Danach führt eine LT-Free die Laserbearbeitungen an den schon gebogenen Rohren aus.

Flexibilität ist in der Rohrbearbeitung immer mehr gefordert

Diese Flexibilität sieht Stefanie Flaeper, Geschäftsführerin des Rohrbearbeitungsmaschinen-Herstellers Transfluid, als einen wichtigen Branchentrend. „In Zukunft wird es voraussichtlich nicht nur große Serien geben. Die Fertigung muss sich dem anpassen“, sagt sie. Auch Industrie 4.0 ist weiter ein Thema. „Doch nicht alle Kunden wünschen eine Komplettvernetzung. Insbesondere, was die Datensicherung angeht“, berichtet die Geschäftsführerin. Transfluid, als Aussteller in Halle 5 an Stand G34 vertreten, sieht sich entsprechend aufgestellt und in der Lage, die passenden An- und Einbindungen umzusetzen.

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Dabei sei auch die Überarbeitung alter Rohrbearbeitungsmaschinen möglich, um sie 4.0-fähig zu machen. Grundvoraussetzung ist nach Flaepers Worten allerdings, dass sie über neue Steuerungskomponenten verfügen und diese die Verknüpfung und Kontrolle von Prozessen zulassen. „Eine Umrüstung von alten Anlagen auf diesen Steuerungsstand kann man sehr zwiespältig sehen und es kommt durchaus auf den Einzelfall an“, erläutert sie. Führe eine ältere Anlage nur eine rudimentäre Aufgabe im Ablauf aus, reiche eventuell ein Upgrade. „Aber mal ganz abgesehen von der 4.0-Fähigkeit ermöglichen neue Anlagen schnellere, bessere und wirtschaftlichere Prozesse. Und das wesentlich nachhaltiger“, gibt sich die Transfluid-Geschäftsführerin gegenüber dem Retrofit kritisch.

Die Flexibilität findet sich auch bei der neuen Rohrschneidanlage von Trumpf, ebenfalls eine Messepremiere. Die Trulaser Tube 7000 bearbeitet das ganze Teilespektrum, von filigranen Rohren für Büromöbel bis zu großen Profilen für Landmaschinen (siehe auch Seite 74 f.).

Neue Werkstoffkonzepte bieten Vorteile

Auf den Messen, die die gesamte Prozesskette darstellen, sind natürlich auch die Anbieter von Werkstoffen vertreten. So zeigt auf der Wire in Halle 13, Stand A73, die Schmolz+Bickenbach-Tochtergesellschaft Deutsche Edelstahlwerke ihr neuartiges Verfahren DEW RC+T. Damit entfällt die konventionelle Glühung auf Ferrit-Perlit-Gefüge oder auf kugeligen Zementit (GKZ-Glühung) und dementsprechend auch nachgelagerte Richtprozesse und Oberflächenbehandlungen, wie das Unternehmen mitteilt. Durch die Integration der klassischen Wärmebehandlung in den Walzprozess homogenisiert und verfeinert der Stahlproduzent die Mikrostruktur zudem auf Korngröße 5 und feiner (gemäß ISO 643). Das Gefüge ist damit verzugsärmer und besser umformbar als bei konventionell gefertigten Einsatzstählen. Die Werkstoffeigenschaften sind homogen und erfüllen so auch die Anforderungen für das Einsatzhärten. Anwender von DEW-RC+T-behandeltem Einsatzstahl profitieren von kürzeren Durchlaufzeiten und Einsparungen bei Energie und CO2.

Der Konkurrent Tata Steel stellt bei seinem Auftritt auf der Tube in Halle 4, Stand F03, Nachhaltigkeit und Digitalisierung in den Fokus. So sollen weiterentwickelte kalt- und warmgefertigte Hohlprofile und Rohre für eine gleichbleibend gute Verarbeitung und nachhaltige Ökobilanzen sorgen. Dazu gehören Erweiterungen des Hybox-TT-Sortiments. Bei diesen kaltgeformten Stahlbau-Hohlprofilen wurde das Sortiment um Güten mit höherer Festigkeit, zusätzliche Wanddicken, Größen und Formen für die Produktion von Nutzfahrzeugen ergänzt.

Ressourcenverbrauch wird messbar

Die Kunden profitieren bei den Produkten von Tata Steel auch von der Quantifizierung des Ressourcenverbrauchs, wie der Hersteller erläutert. Mithilfe entsprechender Verfahren und Prozesse können Produktions- und Lieferketten bewertet und nachhaltiger gestaltet werden. Ein Beispiel ist das Programm für Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declaration – EPD). Es ermittelt die Auswirkungen von Produkten auf die Umwelt mithilfe ganzheitlicher Ökobilanzen (Life Cycle Assessments – LCA).

Hinzu kommen zwei neue Onlinetools für Stahlbau-Hohlprofile: der DNA Profiler und das Blue Book. Über den kostenlosen und webbasierten DNA Profiler können Tata-Produkte als 3D- und BIM-Modelle (Building Information Modeling) schnell ausgewählt werden. Diese sind je nach benötigten Werkstoffdaten und ihrem nativen Dateiformat für die Designsoftware anpassbar. Mit dem Blue Book können Hohlprofile online bemessen werden. Tabellen geben einen Überblick über die Materialeigenschaften für Stahlbaukonstruktionen nach Eurocode.

Auch die Anbieter von Rohren selbst dürfen auf der Tube nicht fehlen. Das Schoeller Werk präsentiert in Halle 3 am Stand G03 sein Profil rund um die Produktion von längsnahtgeschweißten Edelstahlrohren. Das Unternehmen erweitert einerseits Fertigungskapazitäten sowie die Automatisierung der Produktion, um schneller reagieren zu können. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau des Werkstoffportfolios.

Poppe + Potthoff zeigt in Halle 3, Stand B01 seine Angebote für Präzisionsstahlrohre, Hochdruckkomponenten und Sondermaschinen. Für seine Rohre verarbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 50 verschiedene Baustahllegierungen, Einsatzstähle, Vergütungsstähle sowie Sonderstähle. Dazu gehören auch die proprietären hochfesten Stähle PP600, PP1000 und PP1100 für Hochdruckanwendungen.

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