Interview mit Dr. Wilfried Schäfer, VDW Metav 2018 – Die Produktion auf dem Weg in eine digitale Zukunft

Redakteur: Andrea Gillhuber

Mit der Metav startet das Messejahr 2018 im Februar. Die Fachmesse der Produktionstechnik bildet die komplette Wertschöpfungskette ab. Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Messeveranstalters VDW, erwartet positive Impulse des Branchentreffs.

Firmen zum Thema

Die 20. Fachmesse für Produktionstechnik Metav 2018 findet vom 20. bis 24. Februar in Düsseldorf statt.
Die 20. Fachmesse für Produktionstechnik Metav 2018 findet vom 20. bis 24. Februar in Düsseldorf statt.
(Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann)

Die Produktionstechnik ist im Wandel. Neben neuen Fertigungstechnologien wie der additiven Fertigung muss sie sich auch den Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Die Metav 2018 zeigt die Produktionstechnik mit all ihren Facetten und im Wandel.

Die Branche zeigte sich in den letzten Wochen und Monaten selbstbewusst und betont die gute Auftragslage. Wird die positive Stimmung anhalten?

Im Augenblick haben wir eine sehr positive Stimmung im Markt. Das ist auch auf die EMO Hannover zurückzuführen: Die Unternehmen betonen die guten Gespräche mit nationalen und internationalen Kunden sowie deren Investitionsbereitschaft. Gerade in den letzten Monaten zog auch der Markt im Inland noch einmal an. Das Auslandsgeschäft läuft ebenfalls gut. Die positive Stimmung wird daher noch anhalten.

Wie beeinflussen internationale Entwicklungen wie Trump in den USA, China 2020 oder auch die politischen Umschwung in Europa die wirtschaftliche Entwicklung der Branche?

In den USA sehen wir einen Zuwachs im Auftragseingang. Die amerikanische Politik betont, dass gewisse Kundensegmente im eigenen Land produzieren sollen, und gerade die Automobilindustrie baut ihre Produktionsstandorte aus. Und wenn in Amerika in die Produktion investiert wird, partizipieren auch die Werkzeugmaschinenhersteller in Deutschland.

Auch in China steigen das zweite Jahr in Folge die Investitionen aller Industriezweige wieder an. Nachdem in den vorangegangenen beiden Jahren eher Zurückhaltung herrschte, sehen wir jetzt ein zweistelliges Wachstum im Auftragseingang. Den Einfluss politischer Aktivitäten sehen wir derzeit nicht.

Der Anspruch der Metav lautet, die gesamte produktionstechnische Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. Wie gelingt Ihnen dies?

Alle Produktbereiche werden auf der Metav 2018 gut abgebildet, angefangen bei Software über Maschinen bis hin zu Werkzeugen, fertigungsnaher Messtechnik und Steuerungen. Vor allem Softwarethemen wie CAD, CAM und Simulationssoftware stoßen bei den Besuchern auf hohes Interesse.

Mit der Metav 2016 haben Sie sich für ein neues Messekonzept entschieden. Die Metav 2018 verfolgt dieses Konzept weiter. Gab es Nachjustierungen?

Die klassischen Produktbereiche waren zuvor auf Hallen aufgeteilt, finden sich auch jetzt in Bereichen nach Produktgruppen aufgeplant wieder. Damit sich der Besucher besser orientieren kann, haben wir daran nichts verändert. Mit den vier Areas haben wir in sich geschlossene Themengebiete hinzugenommen. So handelt es sich beispielsweise bei der Additiven Fertigung um eine eigene Produktgruppe; in der Area werden daher nicht nur Maschinen zu sehen sein, sondern auch Materialien und Dienstleistungen.

Themen wie Formenbau, Additive Fertigung oder Medizintechnik bekommen im Rahmen von Sonderflächen erneut eine Plattform. Sind diese Themen bereits in der Massenproduktion angekommen?

Die Additive Fertigung ist noch nicht in der Massenproduktion angekommen – dafür wäre sie auch nicht das richtige Verfahren. Aber es gibt industrielle Anwendungen. Von Kundenseite gibt es gerade einen wachsenden Bedarf und von Anbieterseite entsprechende Weiterentwicklungen, um solche Maschinen in ein industrielles Umfeld einzubinden. Das schließt die gesamte Prozesskette mit ein: von der Entwicklung einer Geometrie mithilfe von Software über die Fertigung mit der Maschine und der Entnahme des Bauteils bis hin zur Nachbearbeitung. Schließlich müssen überschüssiges Pulver sowie etwaige Stützstrukturen mechanisch spanend entfernt sowie Funktionsflächen, Bohrungen und Gewinde angebracht werden. Es ist also jetzt schon der Trend zu erkennen, die Additive Fertigung in die industrielle Produktion einzubinden.

Digitalisierung, vernetzte Produktion und Industrie 4.0 sind die Megatrends der Industrie. Wie greift die Metav 2018 diese Themen auf?

Auf der Metav 2018 wird es ähnlich wie bei der EMO Hannover eine Sonderfläche Industrie 4.0 mit begleitendem Vortragsprogramm geben. Sie dient Besuchern als Anlaufstelle, um sich über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Natürlich werden auch die Aussteller das Thema aufgreifen und aus ihrem Blickwinkel heraus adressieren: seien es nun Werkzeugmaschinen, intelligente Werkzeuge und Spannmittel oder Steuerungstechnik.

Die „Quality Area“ stellt die Qualitätssicherung beziehungsweise die Mess- und Prüftechnik in den Mittelpunkt. Welche Bedeutung haben diese Themen für die Metall be- und verarbeitende Industrie?

Das Besucherinteresse an diesem Thema ist sehr hoch. Bereits auf der Metav 2014 hatten wir die Qualitätssicherung erstmals aufgegriffen, damals in Form einer „Quality Road“. 2016 nahmen wir das Thema als eine der vier Areas in das neue Messekonzept mit auf. Seitdem ist die Zahl der teilnehmenden Unternehmen um 50 % gestiegen. Außerdem spielen Mess- und Prüftechnik sowie Qualitätssicherung eine zentrale Rolle in Industrie 4.0: Aus den generierten Daten werden Informationen abgeleitet und neue Funktionen für den Anwender entwickelt.

Wird auf der „Quality Area“ auch die Datenanalyse eine Rolle spielen?

Einige Unternehmen bieten Datenanalyse-Tools an. Es gibt unter Umständen auch Anbieter von Datenanalysewerkzeugen, die nicht im Rahmen der Sonderschau ausstellen, sondern im Softwarebereich der Messe. Das Thema wird also generell auf der Metav breit aufgegriffen.

Die Industrie klagt über Fachkräftemangel. Es werden nicht nur Ingenieure gesucht, sondern auch Produktionstechniker und Facharbeiter. Welche Rolle wird dies auf der Metav 2018 spielen?

Das ist ein Dauerbrenner. Daher wird es auf der Metav einen Sonderstand der Nachwuchsstiftung Maschinenbau geben. Dazu laden wir Schülerinnen und Schüler ein, sich ein Bild über die Metall be- und verarbeitende Industrie zu machen. Uns ist es wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass es sich um kein schmutziges Arbeitsumfeld handelt, sondern dass die Werkzeugmaschine im Prinzip nur das Ausgabegerät eines Computers ist. Auf der Messe können sie sich über die verschiedenen Bildungswege in der Industrie informieren, von der klassischen Ausbildung bis hin zum Studium an einer technischen Hochschule oder Universität.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch Berufsschullehrer und Ausbilder ständig Zugang zu neuem Wissen haben müssen. Speziell für diese Zielgruppe präsentieren wir auf der Metav Lehrunterlagen und E-Learning-Module. Das Hauptgeschäft der Nachwuchsstiftung Maschinenbau ist daher die Weiterqualifizierung von Ausbildern und Berufsschullehrern. Neben den Schulungsangeboten zertifizieren wir auch Berufsschulen.

Welche Impulse werden von der Metav 2018 ausgehen?

Die Metav 2018 ist eine interessante Plattform, um Industrie 4.0 weiter an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir gehen den Trend dabei weniger theoretisch, als vielmehr lösungsorientiert an. Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen bietet die Messe eine sehr gute Möglichkeit, sich abseits von teuren Konferenzen mit Fachleuten auszutauschen und zu diskutieren, welche ersten Schritte sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten gehen können.

Aber es gibt auch praxisnahe Begleitveranstaltungen, wie etwa verschiedene Konferenzen zur Sägetechnik, Schleiftechnik oder intelligenten Spanntechnik. Hier werden vor allem die Praktiker angesprochen.

Gibt es ein persönliches Highlight, auf das Sie sich anlässlich der Metav 2018 ganz besonders freuen?

Ich freue mich sehr auf das Thema Industrie 4.0. Zur EMO Hannover haben wir auf unseren Messestand unglaubliche Resonanzen erhalten – auch international. Auch hatten wir in Hannover ein Branchenprojekt zum Thema Konnektivität – von der Werkzeugmaschine in die Cloud – gestartet. Erste Zwischenergebnisse werden wir auf der Messe präsentieren. Daher freue ich mich, die Metav im Bereich Industrie 4.0 zu einem wichtigen Anlaufpunkt zu machen.

(ID:45013784)