Exportmärkte Mexikos Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen

Autor Stéphane Itasse

Derzeit geht es für Mexikos Wirtschaft eher zäh voran: Um 2,5 % stieg das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr, wie die Statistikbehörde berichtet. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Ökonomie im kommenden Jahr wieder stärker anspringt, wenn einige Unsicherheitsfaktoren beseitigt sind.

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Mexikos Wirtschaft profitiert zwar von der Konsumfreude im Inland, andererseits bremsen aber niedrige Rohstoffpreise und schwächelnde US-Importe.
Mexikos Wirtschaft profitiert zwar von der Konsumfreude im Inland, andererseits bremsen aber niedrige Rohstoffpreise und schwächelnde US-Importe.
(Bild: Siemens)

Die positiven und negativen Einflüsse halten sich aktuell etwa in Waage: Während immer mehr Mexikaner in reguläre Beschäftigungsverhältnisse wechseln und die Löhne steigen, was beides den Konsum unterstützt, belasten auf der anderen Seite die niedrigen Ölpreise und eher schleppende Importe der USA. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die jüngsten Zahlen des Statistikamtes Instituto Nacional de Estadística y Geografía (Inegi) das höchste Wachstum in Teilen des Dienstleistungssektors ausweisen, während das verarbeitende Gewerbe im vergangenen Quartal um gerade einmal 1,6 % zum Vorjahr zulegen konnte. Da die USA 80 % der mexikanischen Exporte abnehmen, sorgen auch Äußerungen des Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner für Unsicherheit: Laut Medienberichten will er unter anderem den Freihandel innerhalb des Nafta-Abkommens einschränken und die Überweisungen von Mexikanern aus den USA in ihre Heimat stärker besteuern.

Deutsche Unternehmen in Mexiko überaus optimistisch

In diesem Umfeld überraschen die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (Camexa): 74 % der Mitgliedsunternehmen planen für 2016 Reinvestitionen in Mexiko, wie die Kammer berichtet. Dies bedeutet ein Plus von 5 % im Vergleich zum Vorjahr und sogar von 13 % im Vergleich zum Wert vor zwei Jahren. Insgesamt sind in dem Land nach Camexa-Angaben 1900 deutschstämmige Unternehmen ansässig. Allein seit dem Jahr 2000 stieg ihre Zahl um 800. Wichtigste Branchen der deutschen Präsenz sind Automobilbau, Pharmazie, Chemie, Elektrik, Elektronik und Logistik. Gute Geschäftschancen sieht die Wirtschaftsorganisation unter anderem bei den erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz, im Erdölsektor und bei ziviler Sicherheitstechnik.

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Das Land ist zudem das wichtigste Ziel deutscher Exporte nach Lateinamerika. Im vergangenen Jahr stiegen sie nach Angaben von Camexa um 22 % im Vergleich zum Vorjahr auf 11,1 Mrd. Euro. Die mexikanischen Exporte nach Deutschland beliefen sich im selben Zeitraum auf 4,5 Mrd. Euro (+ 21 %).

„Die guten Geschäftsergebnisse unserer Mitgliedsunternehmen auch in diesem Jahr haben Investitionen und neue Arbeitsplätze im nächsten Jahr zur Folge“, kommentiert Camexa-Geschäftsführer Johannes Hauser das Ergebnis. Wie aus der Umfrage hervorgeht, haben sich die Umsatz- und Gewinnergebnisse bei 73 % der Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr verbessert (plus 10 % im Vergleich zum Vorjahr). Mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 %) planen Neueinstellungen im laufenden Jahr, das sind immerhin 5 % mehr als im Vorjahr. Ein Drittel der Unternehmen geht davon aus, dass die Personalstärke unverändert bleibt, 13 % planen hingegen Entlassungen, wie die Kammer berichtet.

Gewalt und Kriminalität lassen Investoren in Mexiko unbeeindruckt

Auch wenn in den Medien Gewalt und Drogenkriminalität die Berichterstattung über Mexiko beherrschen – die deutschen Unternehmen im Land scheint dies nicht zu stören. Laut Camexa-Umfrage ist die Beeinträchtigung der Unternehmen durch die Unsicherheit sogar zurückgegangen. Auf die Frage: „Hat die Sicherheitslage im Land Auswirkungen auf Ihre Geschäftstätigkeit?“, antworteten noch 11 %, die Auswirkungen seien „sehr relevant“. Das sind 6 % weniger als vor Jahresfrist. 34 % gaben an, dass es Auswirkungen gebe (minus 11 % im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage). 54 % sehen „keine oder geringe Auswirkungen”, zuvor teilten nur 38 % diese Einschätzung.

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